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Hörmal | 08.05.2016 | 07:45 Uhr

Dankbarkeit

Gestern hat meine Mutter ihren 90. Geburtstag gefeiert. Das war quasi ein vorgezogener Muttertag. Wie froh bin ich mit meinen Geschwistern, dass wir sie noch haben und dass sie in ihrem Alter rege ist, geistig wie körperlich. Meine Geschwister und ich hatten das Fest vorbereitet. Drei Generationen sind zusammen gekommen: Die Geschwister meiner Mutter mit ihren Familien, ihre Kinder und Enkel. Wir brauchten neben dem Festessen kein großes Programm, denn es gab viel zu erzählen. In der Großfamilie sehen wir uns alle nämlich nicht so oft.

Schon allein, was meine Mutter zu erzählen hat aus ihrem Leben, reicht für mindestens einen Abend: Wie sie und ihre Familie den zweiten Weltkrieg überlebt haben, wie sie geflohen ist und wie sie nach dem Krieg mit angepackt hat, ihr privates Leben wieder aufzubauen – und damit auch das Land. Meine Mutter hat dabei viel erlebt.

Aber wenn sie erzählt, dann imponiert mir immer wieder ihre Dankbarkeit. Meine Mutter erzählt dann von ihren Eltern und Großeltern, was sie ihnen zu verdanken hat, wie sie als kleines Kind durch sie die Namen von Pflanzen und Tieren auf Spaziergängen kennen gelernt hat und durch sie ans Klavierspielen gekommen ist.

Dankbarkeit ist vielleicht das beste Wort, was zusammenfasst, worum es auch am Muttertag geht. Und mich bewegt, wie meine Mutter noch mit 90 Jahren von dieser Dankbarkeit ihren Eltern gegenüber erfüllt ist.

Diese Haltung hat sie an uns Kinder weitergegeben. Wenn ich nämlich überlege, was ich meiner Mutter zu verdanken habe und nicht nur ihr, sondern vielen aus meiner Familie, dann fallen mir viele Dinge ein: Wie meine Mutter mit mir Lesen geübt hat, weil ich das nicht so gut konnte, oder wie mein Onkel als Schlosser mein Interesse für das Handwerk geweckt hat, indem er mich mitgenommen hat, ein großes Boot zu bauen, mit dem wir schließlich viel auf dem Rhein gefahren sind. Oder wie sich schließlich meine Tante abmühte, mir Klavierspielen beizubringen. Und und und.

Wenn ich das so bedenke, dann fällt mir eine rechte Litanei an Namen ein, wem ich was alles zu verdanken habe, weit über meine Mutter und meine Familie hinaus: Namen von Lehrern, Freunden und Vorbildern.

Der Muttertag ist eigentlich nur so etwas wie eine Initialzündung, überhaupt Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Dankbarkeit zeigen heißt ja zu allererst, dass ich selbst nicht alles kann, sondern immer wieder auch angewiesen bin auf die Hilfe und Unterstützung anderer. Dankbarkeit hat also mit Selbsterkenntnis zu tun. Ich wäre heute nicht das, was ich bin, wenn es nicht viele Menschen gegeben hätte, die mich unterstützt, mich geprägt haben, mir geholfen haben, meine letztlich begrenzten Fähigkeiten weiter zu entwickeln, angefangen bei meiner Mutter. Dankbarkeit reicht dann auch in eine religiöse Dimension, weil ich mich letztlich auch nicht selbst gemacht habe, sondern von Generation zu Generation zurückverwiesen bin auf einen Ursprung, der für mich etwas mit Gott zu tun hat. Auch ihm gilt es zu danken.

Die beste Art, seine Dankbarkeit zu zeigen, scheint mir dann aber darin zu liegen, dass ich umgekehrt anderen helfen kann und sie unterstütze, wo sie an ihre Grenzen gestoßen sind. Eigentlich ist das ein ganz natürlicher Prozess, eben von Genration zu Generation oder von Mensch zu Mensch – weiterhelfen aus Dankbarkeit, und zwar nicht nur in der eigenen Familie und nicht nur an dem einen Tag wie dem heutigen Muttertag, sondern immer wieder dem, der Hilfe benötigt.

Copyright Vorschaubild: Danke Maik Meid CCBY-Sa 2.0 flickr

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