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Sonntagskirche | 01.10.2017 | 08:55 Uhr

Danke!

Guten Morgen und Danke fürs Einschalten! Dankbarkeit. Ich habe ja immer gedacht, Dankbarkeit hat man mir anerzogen. Als Kind bekam ich etwas geschenkt und gleich dahinter folgten die Worte der Mutter: „Was sagt man?!“ - „Danke!“ So ist´s brav. Dankbarkeit ist höflich. Dankbarkeit gehört zum guten Ton.

Heute ist Erntedanktag. Also sozusagen „Danke-Sagen-Tag“. Der Kühlschrank ist voll, zumindest wenn man eingekauft hat. Das fühlt sich sehr selbstverständlich an, ist es aber nicht. Ruhig mal „Gott sei Dank“ sagen - daran erinnert das Erntedankfest.

Und doch hat es ja so ein „Geschmäckle“, finde ich, wenn es so einen verordneten Tag zum Danke-Sagen gibt. In mir tut sich dann immer so ein kleiner Widerstand auf. Vor meinem inneren Auge werde ich nochmal so ungefähr fünf Jahre alt. Irgendwann kurz nach Weihnachten. In meinen Händen der frisch aus dem Geschenkpapier gewickelte Pulli, den ich ganz bestimmt NICHT haben wollte. Im Blickfeld die auffordernd lächelnde Oma, im Nacken die Mutti, die mir auf der Fahrt nochmal eingeschärft hat: „Und vergiss ja nicht `Danke` zu sagen - egal, ob Dir das Geschenk gefällt oder nicht!“ Was sagt man? Na, danke auch. Toll gelernt.

Die Hirnforschung sagt aber: Eigentlich lernen wir ja gar nicht mit dem Kopf, sondern: mit dem Gefühl. Was passiert, wenn man uns zu „Ja“-, „Danke“- und „Amen“-Sagern erzieht, aber das Gefühl gar nicht dazu passt - das sehe ich draußen an jeder Ecke. Erschreckend, wenn man mal genau drauf achtet, wie viele nur noch gequält lächeln. Wie wenigen an der Supermarktkasse ein „Danke“ über die Lippen kommt, wie selbstverständlich und gesellschaftsfähig hingegen Neid, Protz und „Geiz ist geil“-Mentalität geworden ist.

Aber das, genau das passiert, wenn ich gelernt habe, immer freundlich „Toll, Danke“ statt manchmal: „Nein, danke.“ zu sagen. Also wenn ich passende Worte zu dazu unpassenden Gefühlen gelernt habe. Das erzeugt einen quälenden Zustand. Aus dem komme ich nur raus, indem ich mich meinem Schicksal ergebe und zu allem müde „Ja“-, „Danke-„ und „Amen“ sage, oder indem ich den Aufstand probe und nur noch an mich selbst denke. Vornehmlich in dem Gefühl, ständig Opfer der anderen zu sein. Die Forschung hat herausgefunden, dass es nur zwei Zustände gibt: Entweder bin ich satt und alles ist gut oder ich spüre einen Mangel, mir fehlt etwas. Schon klar, in welchem Zustand ich wohl gerne „Danke“ sage.

Jede und jeder braucht es für die körperliche und seelische Gesundheit „satt“ zu sein. Ich werde aber nicht satt, wenn ich süß lächeln muss, wenn mir jemand saure Gurken schenkt. Ich werde auch nicht satt, wenn ich nur darauf warte, dass mir die gebratenen Tauben von alleine in den Mund fliegen. Ich werde erst dann satt werden, wenn ich mich frage: Was brauche ich denn, um satt zu werden?

Es gibt so was wie Grundnahrungsmittel für jeden Menschen: gesund zu sein gehört dazu; zu jemandem, zu einer Gemeinschaft zu gehören; eine Aufgabe zu haben; und jemanden, der mir ein echtes Lächeln und ein echtes „Ja“ schenkt. So einer ist Gott. Möge er Ihnen heute schenken, was SIE „in echt“ für sich ganz persönlich brauchen. Ich wünsche Ihnen einen satten Sonntag - auf dass Sie aus vollem Herzen „Danke“ sagen können.

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