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Das Geistliche Wort | 02.03.2014 | 08:40 Uhr

Darf man in der Kirche lachen?

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer.

Der heutige Karnevalssonntag ist ein eigenartiger Tag. Die einen feiern, weil sie den Karneval von ganzem Herzen schätzen. Sie fiebern geradezu dem Rosenmontagszug entgegen, das ist der Höhepunkt der fünften Jahreszeit, die es eigentlich gar nicht gibt. Für andere ist Karneval unausstehlich, sie können mit all den Reden, Kostümen und Schlagern nichts anfangen, folgerichtig fliehen sie dorthin, wo es keinen Karneval gibt. Es ist nicht leicht für diese Zeit in einem ‚Geistlichen Wort’ die rechten Worte zu finden. Soll ich karnevalistisch daher kommen? Um Himmels Willen, werden die einen denken. Haltet die Kirche vom närrischen Treiben fern. Soll ich so tun, als ob die Tage von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag eine ganz normale Zeit wären? Typisch Kirche werden dann andere sagen. Die sind weltfremd, die bekommen rein gar nichts mit.

Musik I

Tatsache ist: Heute am Karnevalssonntag strebt die ultimative fünfte Jahreszeit, die Zeit der Jecken und Narren, ihrem Höhepunkt entgegen. Viele stehen heute und morgen am Straßenrand und schauen den närrischen Umzügen zu. Auch wer nicht auf Karneval abfährt, kann sich nur schwer seinem Reiz entziehen.

Erstaunt und überrascht war ich, als mir jemand eine „glückselige Fastnacht“ wünschte. Das Wort „glückselig“ ist vielen fremd. Erst recht im Zusammenhang mit Karneval. Mich hat das Wort an etwas anderes erinnert: Mit diesem Wort leitet Jesus die Seligpreisungen der Bergpredigt ein. Glückselig sind die Armen, die Trauernden, die Hungernden, die Friedensstifter. In der Welt der Macht und des Geldes zählen diese Haltungen wenig, aber sie können menschliche Beziehungen mit Sinn erfüllen: Sympathie zu empfinden mit Menschen, die trauern, die hungern, die ungerecht behandelt werden. Das scheint mit Fastnacht und Karneval nichts zu tun zu haben. Aber die Gestalt des Narren schafft eine Verbindung. Der Narr nimmt alles Schwergewichtige auf den Arm. Er erinnert daran, dass nicht das zählt, was Rang und Namen hat und wie brüchig Geld und Macht sind. Aber das tut der Narr nicht mit dem moralischen Zeigefinger. Wir lachen über seine närrischen Späße und merken, dass wir eigentlich über uns selbst lachen, über unsere verkrampfte Anstrengung nach Geltung oder Recht.

„Lachen ist die beste Medizin“ – das gilt nicht nur für den Karneval. Und wer sogar über sich selbst lachen kann, wer sich selbst nicht so furchtbar wichtig nimmt, der kann sich leichter auf andere einstellen und wahre Sympathie zeigen.

Oft genug entdecken Kinder unsere Schwächen und bringen uns zum Lachen.

Beispiel: Thomas kommt aus der Kirche und der Vater fragt ihn: „Na, was hat der Pfarrer gesagt?“ Darauf Thomas: „Er hat gesagt, die Eltern sollen ihre Kinder nicht so viel fragen, sondern selber in die Kirche kommen.“ Lachen ist Medizin und verhilft zu einer inneren Fröhlichkeit, die uns seelisch und körperlich gut tut.

Das gilt auch für Christen. Fromm sein und fröhlich sein, das schließt sich nicht aus. Wer ständig mit verbissenem Gesicht herumläuft, hat von Gottes Freundlichkeit wenig verstanden. Aber es gilt auch: Wer immer ein frommes Gesicht aufsetzt, kann sehr schnell nicht ins Heilige, sondern ins Scheinheilige abrutschen.

Auf Freude und Fröhlichkeit sind wir alle angewiesen. Miesepeter haben wir genug, sie machen das Leben nicht erträglicher. Wir brauchen Menschen, die von innern her, von Herzen froh sind. Gott will Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Aber weil sie glauben, dass sie auch nach diesem Leben in Gottes Hand bleiben, können sie selbst angesichts des Todes fröhlich sein. So macht der Wunsch für eine „glückselige Fastnacht“ Sinn.

„Wir kommen, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“ Wer kennt den Karnevalsschlager nicht? Dieses Lied ist möglicherweise auch deshalb immer noch ein Hit, weil es ein ganz starkes Lebensgefühl ausdrückt. Wir sind brav und deshalb kommen wir in den Himmel.

Trotzdem wächst das Gespür dafür, dass es doch nicht einfach ohne Gerech-tigkeit gehen kann. Es kann doch nicht einfach so sein, dass Gut und Böse gar keine Folgen haben, dass es im Endeffekt egal ist, wie ich lebe, was ich tue und unterlasse. Damit würde alles beliebig. Als der frühere Kölner Kardinal Höffner von einem Journalisten gebeten wurde, er möge doch einmal kurz und prägnant den modernen Zeitgeist umschreiben, antwortete der: „Offenbar leben viele Menschen nach dem Prinzip’ jeder kann tun und lassen, was er will, aber selbst dazu ist er nicht verpflichtet’.

Musik II

Dass man in der Kirche lachen darf, hat sich inzwischen herumgesprochen. Wer aber meint, man dürfe nicht über die Kirche lachen, dem erzähle ich zum Beispiel diesen Kirchenwitz: Da erkundigt sich ein reicher Mann beim Bischof: „Wenn ich der Kirche eine Million hinterlasse, komme ich dann sicher in den Himmel?“ Der Bischof antwortet: „Fest versprechen kann ich es Ihnen nicht – aber Sie sollten es in jedem Fall versuchen.“

Kirchenwitze richten sich nie gegen das göttliche Feuer, das Jesus durch seine Botschaft entfacht hat. Sie wollen bloß den garstigen menschlichen Rauch ver-treiben, der aus den Flammen emporsteigt. Selbstverständlich ist nach meiner Überzeugung die Kirche eine gottgewollte Einrichtung. Andererseits brauche ich keine Brille, um zu sehen, wie sehr es selbst unter den Frömmsten menschelt. Und ich brauche mich selbst auch nicht besonders anzustrengen, um meinen Teil dazu beizutragen. Für manche Gläubige ist der Kirchenwitz eine Art Ventil, sich gegen die Institution zu wehren. Andere wehren sich gegen solche Witze, weil diese nach ihrer Ansicht die Kirche verunglimpfen. Klar gibt es Menschen, die sich weigern, einen Kirchenwitz überhaupt anzuhören. Vielleicht haben sie Angst, dann doch lachen zu müssen.

Kohelet, der Verfasser des gleichnamigen alttestamentlichen Buches der Lehrweisheit betont, es gebe eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen. Das gilt auch für die, die zur Kirche gehören und sich eben nicht nur freuen mit und an dieser Kirche, sondern gelegentlich auch an ihr leiden. Da trifft das zu, was im Leben allgemein gilt: dass man sich manchmal ins Lachen flüchtet, um nicht heulen zu müssen. Das wäre dann sozusagen der Kirchenwitz als spiritu-elle Überlebenshilfe.

Wer Kirchenwitze anstößig empfindet, der sei an ein Bonmot von Papst Pius VII. erinnert. Als Napoleon ihm drohte, die Kirche zu vernichten, antwortete der Papst: „Ich zweifle sehr daran, ob Ihnen das gelingen wird. Nicht einmal wir haben so etwas zu Stande gebracht.“ Kirchenwitze machen die Kirche nicht lächerlich, sondern nehmen sie aufs Korn und damit ernst. Christen, die Kirchenwitze erzählen, lachen letztlich über sich selber. Wer über sich selbst nicht mehr lachen kann, gehört zu jenen tristen Figuren, die sich einfach nicht vorstellen können, dass im Himmel nicht nur das Halleluja von Händel, sondern auch das befreiende Lachen der Kinder Gottes erklingt. Der Pfarrer von St. Lamberti aus Münster in Westfalen bringt es in einem launigen Segenswort aus dem Jahr 1888 auf den Punkt:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lass die Grenzen zwischen den Menschen überflüssig werden.Lass die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.Bessere jene Beamten, Geschäftsleute und Arbeiter, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber nicht sofort.

Musik III

Ohne Lieder und Schlager ist Karneval nicht zu verstehen. Viele haben sie ge-schrieben und komponiert, ob Willi Schneider, Willi Millowitsch, die Höhner, die Bläck Fööß. Musiker und Textdichter haben sich den Kopf darüber zerbrochen, wie sie die Herzen der Menschen erreichen könnten. Das ist ihnen häufig gelungen. Sogar kranken und einsamen Menschen haben sie ein wenig Freude in den oft tristen Alltag bringen können. Sie sprechen deshalb auch Themen an, die nicht nur im engeren Sinne karnevalsbezogen sind; es sind auch Themen, die wichtige zwischenmenschliche Beziehungen betreffen, aber auch solche, die spezifisch theologischer Natur sind.

Zumindest die Kölner Karnevalisten wissen, dass man auch auf Kölsch beten und singen kann; So heißt es Im Refrain zu „Viva Colonia“: „Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust. Wir glauben an den lieben Gott und hab’n noch immer Durst.“ In einem anderen Schlager hören wir: „Ob du Christ bist oder Moslem, schwarz bist oder rot; es gibt ein Leben nach dem Tod.“

Noch im Gefängnis kann der Apostel Paulus an die Philipper schreiben: „ Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt.“ Christen sollten also frohe Menschen sein, deren Güte sprichwörtlich sein müsste. Warum sprechen sie sonst von einer frohmachenden Botschaft; nichts anderes bedeutet doch das Wort „Evangelium“.

Von Thomas Morus (1478-1535) Lordkanzler Heinrich VIII. stammt das folgende Gebet um Humor:

„Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich“ nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“

Musik IV

Aus Aachen verabschiedet sich Pfarrer Bert Gruber. Ich wünsche Ihnen fröhliche Karnevalstage.

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