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Kirche in WDR 2 | 28.10.2015 | 05:55 Uhr

Das älteste Massenmedium der Welt

Ich habe mich in den letzten sechs Jahren dreimal von meinem Mann getrennt. Einmal bin ich nach Berlin gezogen, weil eine andere Frau plötzlich meinen Platz im Haus eingenommen hatte. Und schwanger war ich auch noch mehrere Male. Dies behaupten zumindest Gerüchte, die in unserem Stadtteil verbreitet wurden. Da ist mein Mann Pfarrer, gehört also quasi zur Lokalprominenz. Mit der Realität hatten diese „Informationen“ nichts zu tun.

In Umlauf kamen diese „Nachrichten“ durch das älteste Massenmedium der Welt: Klatsch und Tratsch. Wenn wir uns unterhalten, geht es meistens nicht um Kunst, Politik und Wissenschaft, sondern um das Leben der anderen: „Hast du schon gehört? Weißt du schon das Neuste?“ Wir tauschen „soziale Informationen“ aus. Diese Informationen müssen nicht auf Fakten beruhen – es reichen Vermutungen. Während das männliche Geschlecht eher die heißesten Gerüchte aus der Sportwelt austauscht oder über die Beförderungen von Kollegen spekuliert, widmet sich das weibliche Geschlecht eher möglichen Heiraten, Schwangerschaften und Trennungen.

Gerüchte sind das wirkungsvollste Massenmedium der Welt. Sie sind unkontrollierbar und können deswegen sogar Mächtige stürzen. Forscher für Evolutionäre Biologie fanden heraus, dass die Gerüchte über einen Menschen uns in unserem Verhalten ihm gegenüber mehr beeinflussen als das, was wir mit ihm tatsächlich erlebt haben. Etwas bleibt eben immer hängen … Das ist hart, vor allem wenn diese unkontrollierbaren Nachrichten Menschen Unrecht tun. Heute geschieht das auch noch zusätzlich übers Netz. Gerüchte können kränken oder verletzten – und manchmal ruinieren sie ein ganzes Leben.

Doch Gerüchte haben auch einen Nutzen. Denn sie kontrollieren unser Verhalten. Gerüchte entstammen dem Bedürfnis, gesellschaftliche Regeln zu erhalten.

Ohne Klatsch und Tratsch gäbe es auch keine Kirche. Schwanger durch den Heiligen Geist, Sturmstillung mit einer Handbewegung, Tote aufgeweckt nur durch ein Wort und in den Himmel gefahren ohne technische Unterstützung! Die christliche Botschaft hat sich durch diese Form der unkontrollierbaren Nachrichtenübermittlung verbreitet. Die Botschaft war nur über die Mundpropaganda überlebensfähig. Gerüchte können Verborgenes, Schlimmes aber eben auch Gutes zutage fördern.

Viel Speicherkapazität unseres Kopfes belegen wir mit dekorativen Inhalten, wie Geschichten über Nachbarn, Freunde und Promis. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange wir anderen dadurch nicht das Leben schwerer machen. Bei allem Spaß bei unserem Informationsaustausch sollten wir fair miteinander umgehen. Das ist das Wichtigste: Gerüchte zu verbreiten und abfällig über andere Menschen zu sprechen, ist schädlich. Ein Beter in der Bibel formulierte es so: „Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!“ Ein wenig göttliche Unterstützung war offenbar schon früher nötig. „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe“, heißt es in der Bibel an anderer Stelle (Eph. 4,29).

Das ist anstrengend, aber auf jeden Fall einen Versuch wert. Schärfen wir unser Bewusstsein und hören uns selbst aufmerksam zu, wenn wir über andere sprechen. Am besten mit genau diesem Maßstab: Reden, was gut ist, was aufbaut und was andere weiterbringt.

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