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Kirche in WDR 2 | 01.08.2014 | 05:55 Uhr

Das Herz von Jenin

Wenn ich nach einer ruhigen Nacht schon in den Frühnachrichten von Krieg und Unfrieden in der Welt höre, brauche ich etwas mehr Kraft, um in den Tag zu starten. Ich mag da etwas dünnhäutig sein. Aber gerade der nicht enden wollende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zehrt an meinen Nerven. Das lässt mich nicht kalt.

Kraft gibt mir dann eine Geschichte, die wirklich passiert ist und die mir Hoffnung macht. Es ist die Geschichte von Ismail Khatib und seiner mutigen Entscheidung als Vater. Unter dem Titel „Das Herz von Jenin“ hat man sie sogar verfilmt.

Im Zentrum steht Ismail Khatib, der im Flüchtlingslager Jenin lebt, im Westjordanland. Sein zwölfjähriger Sohn Ahmed hantiert mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffe. Israelische Soldaten verwechseln den Jungen mit einem Bewaffneten und treffen ihn mit Schüssen am Kopf. Kurz darauf können die Ärzte in der Klinik von Haifa nur noch den Hirntod des Jungen feststellen. Alle Eltern können sich vorstellen, was jetzt im Kopf von Ismail vorgeht. Und dann das: Der Arzt stellt den Vater vor die Frage, ob er bereit ist, die Organe seines Sohnes für andere Kinder zu spenden. Natürlich kann sich der Vater denken, dass die gespendeten Organe in einer israelischen Klinik höchstwahrscheinlich israelischen Kindern zu Gute kommen.

Mitten in seinem Schmerz trifft Ismail Kathib eine Entscheidung, die so groß ist, dass mir dafür die Worte fehlen. Respekt? Bewunderung? Hochachtung? Jedenfalls entscheidet sich der Vater für die Spende! Damit ermöglicht der Palästinenser israelischen Kindern das Weiterleben.

Menuha, ein orthodoxes jüdisches Mädchen bekommt eine Niere des Jungen. Mohammed, ein arabischer Israeli aus der Negev-Wüste, erhält ebenfalls eine Niere. In Sama, einem Drusenmädchen, schlägt das Herz Ahmeds.

Nachdem der Vater die Entscheidung getroffen hat, zeigen sich Palästinenser wie Israelis – irritiert. Damit haben sie auf beiden Seiten nicht gerechnet. Was hat den Vater bloß zu seinem Schritt bewegt?

Ismail Kathib muss von da an viele Fragen beantworten, auch die von der Presse. Einmal wird er gefragt, ob er nicht Rachgefühle hatte wegen des israelischen Soldaten, der auf seinen Sohn gefeuert hat.

Seine Antwort: „Meine Rache ist die Menschlichkeit.“ Das mag irritieren, aber es ist großartig, wenn man drüber nachdenkt. Noch einmal: „Meine Rache ist die Menschlichkeit.“

Will heißen: Auch wenn der Vater von feindlichen Gefühlen keineswegs frei ist, durchbricht er mit seiner Geste den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt. Und wenn er die Israelis seine Wut schon spüren lassen will, dann mit einer überraschenden Geste der Mitmenschlichkeit.

Und wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, es heute nur an einer Stelle schaffen sollten, eine negative Erfahrung in Mitmenschlichkeit zu wandeln, dann hat es sich schon gelohnt, dass ich Ihnen die Geschichte von Ismael Kathib erzählt habe.

Copyright Vorschaubild: Palestina Libertinus CCBY-SA 2.0 flickr

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