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Kirche in WDR 2 | 08.04.2016 | 05:55 Uhr

Das letzte Wort in Sachen Familie?

Heute wird Papst Franziskus das letzte Wort sprechen zum Thema Katholiken und Familie – oder vielleicht gerade doch nicht. Seit langem schon wird sein Abschlussbericht erwartet zu der Familiensynode vom Herbst 2015. Heute stellt Franziskus ihn vor. Insgesamt zweieinhalb Jahre wurde gerungen um das Thema katholische Kirche und Familie. Franziskus persönlich hatte die Debatte losgetreten: z.B. mit einer großen Umfrage unter den Gläubigen. Und zweimal lud er zu dem Thema Bischöfe nach Rom zur Synode. Immer ging es dabei um die Frage: Wie kann, wie muss die Kirche Ehe und Familie verstehen in der Gesellschaft von heute.

Oft hat sich dabei gezeigt, dass die hohen katholischen Ideale weit entfernt sind von den Realitäten vor Ort. Und auch: dass Menschen darunter leiden, wenn ihr persönlicher Lebensentwurf sich nicht deckt mit diesen Idealen und wenn das dann Konsequenzen hat – z.B., wenn Katholiken ein zweites Mal heiraten und so laut Kirchenrecht nicht zur Kommunion gehen dürfen. Oder wenn eine Frau mit einer Frau zusammenlebt, oder ein Mann einen Mann liebt.

Heute also wird Franziskus kundtun, was seine offizielle Haltung ist – schließlich hat er als Papst ja das letzte Wort für die katholische Kirche.

Und es könnte sein, dass viele enttäuscht sein werden von seinen Worten. Denn Franziskus hat schon durchscheinen lassen, dass er nicht generell die bisherige katholische Lehre zum Thema Familie in Frage stellen wird. Franziskus wird, wie seine Vorgänger, den Kompromiss suchen – nicht nur weltweit, mit Gläubigen in den unterschiedlichsten Kulturkreisen, sondern auch den Kompromiss mit der Geschichte der kirchlichen Lehre, die schon seit 2.000 Jahren besteht. Insofern sind jedenfalls meine Erwartungen niedrig, was radikale Neuerungen angeht.

Was ich aber schon erwarte ist, dass er vielleicht doch nicht das letzte Wort dazu sagen wird, also: dass er wie ein „Basta-Papst“ spricht.

Denn was Franziskus bislang immer klar macht: die Lehre und das hohe Ideal sind wichtig. Aber sie sind das Eine. Und das Andere sind die konkreten Situationen der Menschen und ein christlicher Umgang mit ihren Anliegen. Und da ist meist nicht das letzte Wort eines Papstes gefragt, sondern das gute Gespür eines Seelsorgers für die richtigen Worte.

Konkret wurde das wieder mal für mich am Samstag vor einer Woche, als Guido Westerwelle beerdigt wurde. Der Gottesdienst war live zu sehen im Fernsehen und die Predigt hielt der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten. Die beiden kannten sich seit Kindestagen. Und so kam es, dass ausgerechnet ein katholischer Geistlicher predigte beim ersten öffentlichen Begräbnis hierzulande von einem Politiker, der mit einem Mann zusammengelebt hatte. Prälat Jüsten sprach frei und offen darüber. Ihn befiel auch keine Scheu, das Wort „Liebe“ in den Mund zu nehmen, denn diese hatten die beiden ja getragen – gerade auch in den schweren Zeiten. In mitfühlenden Worten würdigte er die Beziehung, die Michael Mronz mit seinem verstorbenen Partner verband.

Dies war nämlich keine Stunde, um über katholische Familienideale zu predigen, sondern es ging um ein ganz konkretes Anliegen. Ja, es ging um die sogenannten Werke der Barmherzigkeit für einen Christen: Tote begraben und Trauende trösten. Vielleicht werden einige Zuschauer gesagt haben, das sei zu wenig, was Prälat Jüsten da gesagt hat. Vielleicht wird das anderen schon zu weit gegangen sein. Ich denke: es waren genau die richtigen Worte.

Und ich hoffe, dass es, ermutigt nicht zuletzt durch Papst Franziskus, mehr Seelsorger gibt, die wissen, dass es in bestimmten Situationen nicht um das letzte Wort geht, sondern einfach nur um die richtigen Worte.

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