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Kirche in WDR 5 | 12.02.2016 | 06:55 Uhr

Das Sakrament der Buße

Im Münsteraner Dom gibt es mehrere Beichtstühle. Ein junger Priester saß in einem dieser Beichtstühle und war bereit, die Beichte zu hören. In den Bänken davor saßen sogar mehrere Menschen, die sich innerlich vorbereiteten. Es wunderte ihn also etwas, warum niemand hereinkam. Zudem hörte er ein immer gleichbleibendes schrappendes Geräusch. Schließlich stand er auf und schaute nach: „Huch, da ist ja einer drin!“ rief eine der Putzfrauen erschrocken, die gerade damit beschäftigt war, das Fenster am Beichtstuhl zu putzen. Verständlich, dass niemand hineinging. Über der Tür ist eine Lampe angebracht, die deutlich anzeigt, ob der Beichtstuhl besetzt ist oder nicht. Die Putzfrau scheint nicht gewusst zu haben, was es mit dem Lämpchen auf sich hat und hatte daher gar nicht damit gerechnet, dass jemand in der Holzkammer drin sein könnte.

Wer sollte es ihr verübeln? Wieso sollte es dieser Putzfrau anders gehen als vielen Katholiken: Die wenigsten gehen zur Beichte. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber vielleicht ist es gerade deshalb an der Zeit, sich von der Beichte, diesem uralten Sakrament, überraschen zu lassen!

„Huch! Da ist ja einer drin!“ Da ist jemand drin, der mir im Namen Gottes aufmerksam zuhört. Der mir hilft zu erkennen, wo es in meinem Leben hakt, wo mich Schuldgefühle plagen. Der mir zuspricht, dass Gott mir vergeben hat. Denn darum geht es in der Beichte. Es geht nicht darum, sich klein zu machen, sondern sich selbst ehrlich anzuschauen – und zwar im Blick Gottes, der mit Barmherzigkeit auf mich schaut. Welch ein befreiendes Sakrament!

Es gibt in der langen Geschichte der Kirche natürlich auch immer wieder die negativen Erfahrungen mit diesem Sakrament. Auch Beichtväter können versagen – und bei so einem sensiblen Feld trägt das schwer. Aber noch mehr gibt es die positiven Erfahrungen. Dabei meine ich nicht nur das Lossprechen von Schuld – und wie befreiend das sein kann. Ich meine mehr:

Im christlichen Abendland hat die Beichtkultur ganz bestimmte Prägungen hinterlassen, die wir heute für selbstverständlich nehmen und die es doch in anderen Kulturen so nicht gibt. In unserem Lebensbereich gilt es durchaus als Stärke, wenn jemand öffentlich bekennen kann, dass er etwas falsch gemacht hat, und dann dafür um Verzeihung bittet. Es gilt als selbstverständlich guter Ton, sich zu entschuldigen, wenn man zu spät kommt oder irgendetwas tut, was die anderen stört. Das ist in anderen Kulturen längst nicht der Fall. Ich bin mir sicher: Dass in unseren Breiten Schwäche als Schwäche bekannt werden darf, ist eine Folge eines jahrhundertelangen Beichtverständnisses.

Dass wir einmal eine wirkliche Beichtkultur hatten – das ist heute weitgehend vergessen. Manchen, die mir in meinen Gesprächen begegnen, wünsche ich von Herzen, dass sie die Stärke der Beichte für sich entdecken: Viele haben nie die Erfahrung gemacht, wie befreiend es ist, dass da jemand ist, der bereit ist sich anzuhören, was ich meine, falsch gemacht zu haben.

Die Beichte kann nicht nur helfen, die Psychohygiene stabil zu halten. Die Beichte kann auch helfen in der Gottesbeziehung.

Ein geistlicher Lehrer verglich diesen Prozess mit folgendem Bild: wenn ich gegen Gott, gegen einen Menschen oder auch gegen mich gehandelt habe, zerreißt der Faden, der mich mit Gott verbindet. Doch wenn ich zu ihm umkehre, knüpft er die Enden wieder zusammen. Und je öfter ich umkehre, umso kürzer wird das Band, das mich mit Gott verbindet.

Dass Sie in dieser Fastenzeit den Mut finden, sich ehrlich und befreiend Ihrem eigenen Leben zu stellen, wünscht Ihnen aus Münster Sr. Ancilla Röttger.

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Copyright Vorschaubild: Beichte Martin Fisch CCBY-SA 2.0 flickr

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