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Kirche in WDR 5 | 12.09.2014 | 06:55 Uhr

Das Schicksal der Kirchen

Es gibt Sätze, die trage ich schon lange mit mir herum. Einige dieser Sätze stammen aus einer Meditation des Jesuiten Alfred Delp. Dieser leidenschaftliche Kämpfer wählt während im 3. Reich den Weg in den Widerstand, er will dem Treiben der Nazis nicht zusehen. Delp wird verhaftet, verhört, gefoltert und am 2. Februar 1945 hingerichtet. Tod durch den Strang. In einer Meditation aus der Haftzeit schreibt er über das "Schicksal der Kirchen".

Guten Morgen!

Die Diskussion um Situation und Zukunft der Kirche ist ja gerade wieder aktuell. Zweifellos ist die Kirche richtig unter Druck. Nach oben schnellende Austrittszahlen, manch selbstgemachter Skandal, fehlendes Vertrauen und schwindender Glaube lassen die Kirche "schwächeln". Einst kämpferisch auftretende Kirchenkritiker beobachten gelassen die, Zitat, "Erosion einer Gnadenanstalt" (M. Ebertz). Selbst ein Kirchenmann diagnostiziert: "Nüchtern betrachtet sind wir im freien Fall."

Als neulich mein Gegenüber hörte, dass ich bei der katholischen Kirche arbeite, kommentierte er: "...oh, das ist aber ein ziemlich krisengeschütteltes Unternehmen." Da schwang viel Mitleid mit. Ich gebe zu, das war schon bitter. Natürlich kommt harte Kritik auch aus den eigenen Reihen. Wenn leidenschaftliche Überzeugungen aufeinander treffen, dann können schon mal die Fetzen fliegen. Kritik aus den eigenen Reihen ist manchmal viel schärfer, ja schneidender, als die von außen. Ich finde Kritik aus den eigenen Reihen sogar gut - wenn das mit Leidenschaft und Respekt zugleich geschieht. Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt: Zu allen Zeiten wurde in der Kirche und um die Kirche heftig gerungen. Manchmal sogar mit harten Bandagen! Heute melden die Medien es tobe ein "Kampf um Rom." Lager werden ausgemacht: Reformer und Traditionelle, Fortschrittliche und Rückwärtsgewandte, Linke und Rechte - bis in den Vatikan.

Mitten in dieser Situation meiner Kirche kommen mir immer wieder die Worte Alfred Delps in den Sinn. Auch er ging mit seiner Kirche radikal ins Gericht: 2000 Jahre Geschichte - das ist auch "Last und schwere Hemmung", schreibt er. Das Schicksal der Kirche aber, so Delp, wird nicht davon abhängen,

Sprecher:

was "ihre Prälaten und führenden Instanzen an Klugkeit, Gescheitheit, politischen Fähigkeiten" aufbringen...

Davon „wird es abhängen, ob die Kirche noch einmal den Weg zu diesen Menschen finden wird: (…) die Rückkehr der Kirche in die ´Diakonie´: in den Dienst der Menschheit. ... ´Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen (Mk 10,45). Man muss nur die kirchlichen Realitäten einmal unter dieses Gesetz rufen und an dieser Aussage messen und man weiß genug."

Eine starke Aussage: Der Dienst an der Menschheit als Prüfstein für die Zukunft der Kirche! Und Delp präzisiert:

Sprecher:

"Rückkehr in die Diakonie habe ich gesagt. ... Damit meine ich ein Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten und Verstiegenheiten des Menschen, um bei ihm zu sein. ... Geht hinaus, hat der Meister gesagt, und nicht: Setzt euch hin und wartet, ob einer kommt."

Hinausgehen - nicht Sitzenbleiben, Nachwandern in die äußersten Verlorenheiten, Dienst an den Menschen - dafür braucht es nicht müde, sondern wache und "erfüllte" Christen, davon ist Delp überzeugt. Starke Orientierungen für eine um ihre Zukunft ringende Kirche! Vielleicht gibt es in unsicheren Zeiten nichts Wichtigeres, als solch prophetische Worte!

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff.

Quelle: Alfred Delp, Aus dem Gefängnis, mit einleitenden Worten von Roman Bleistein, 1984.

Copyright Vorschaubild: wikimedia

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