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Kirche in WDR 2 | 28.06.2014 | 05:55 Uhr

Deeskalation

Keiner hat es gewollt, keiner wollte schuld sein, aber es ist passiert. Wenn ich die vielen Bücher, die jetzt zum 1.Weltkrieg erschienen sind, richtig deute, war genau das die Stimmung vor 100 Jahren. Der 1. Weltkrieg, die sogenannte „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, er war ein Unfall. Säbelrasseln, Aufrüstung, immer bessere Waffen, ja – aber vier Jahre lange Kämpfe überall in der Welt mit Millionen Toten, Giftgas und Vernichtungskriege, nein, das hatte keiner für möglich gehalten.

Heute auf den Tag genau vor 100 Jahren begann das Drama. Erzherzog Franz Ferdinand, Thronnachfolger im Kaiserreich Österreich-Ungarn, wurde in Sarajewo ermordet, von einem serbischen Nationalisten. Der Anschlag löste die „Julikrise“ ist, die dann in den Ersten Weltkrieg führte. – Für alle Kriege, alle Konflikte gibt es immer einen Auslöser. Die wirklichen Ursachen für Eskalationen liegen aber tiefer und früher. Und wenn man dem nachgeht, sind auf einmal ganz viele doch irgendwie beteiligt.

Ich glaube, wenn wir eine Lehre aus dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ziehen, dann ist es die: Deeskalation muss man lernen. Und das gilt in der Politik wie jetzt in Ukraine-Krise genauso wie am Familientisch zu Hause oder am Schreibtisch im Büro.

Deeskalation muss man zu lernen. Für mich ist die Bibel da ein guter Ratgeber: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“, heißt es im Epheserbrief. Konkret bedeutet das: Lass keinen Streit aufkommen, der länger läuft als einen Tag. Zumindest darf er dich nicht so tief treffen, dass du ihn noch mitnimmst in die Nacht. Denn Konflikte legen sich nicht von selbst zur Ruh. Das Gegenteil ist der Fall. Was ich nicht ausspreche, das gärt in mir und wächst und wächst, bis es sich irgendwann entlädt.

Deeskalation muss man lernen. Ich glaube, wir sind alle Experten, den Teufelskreis von Rache und Vergeltung anzufeuern. Auch weil wir im Zweifelsfall immer den Eindruck haben: Wir sind die Benachteiligten, die, den Unrecht geschieht. Jesus hat die Menschen darum daran erinnert: Sieh nicht zu aller erst den Splitter im Auge des anderen, sondern auch das Brett vor deinem eigenen Kopf. Auch das ist Deeskalation.

Und hilfreich sind Vorbilder: Menschen, Eltern, Kollegen, Freunde, die einem zeigen wie es geht und damit Mut machen, dass das auch möglich ist. Jesus ist für mich auch so ein Vorbild. Er ist dem Streit nicht ausgewichen, er hat für seine Botschaft gekämpft, aber er hat Menschen nie persönlich verletzt. Und er konnte, wenn es keinen Ausweg mehr gab, nachgeben. „Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem biete auch die andere an.“ Das konnte Jesus nur sagen, weil er wusste: Letzte Wahrheiten hat allein Gott. Ich muss mein Recht, erst Recht nicht meine Ehre mit aller Gewalt durchsetzen. Das darf ich gerne, ja, das sollte ich sogar Gott überlassen.

Und noch eins: Vergessen wir nicht: Das Schönste am Streit ist die Versöhnung danach. Jesus hat die Versöhnung zum Grundprinzip seines Lebens gemacht. Gut, keiner ist wie Jesus. Aber im Einzelfall das Maß zu finden, das Dinge nicht eskalieren, das sollte ich schon können. Vor einhundert Jahren ist das gänzlich schief gegangen. Lernen wir daraus und machen es heute besser!

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