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Kirche in WDR 2 | 30.09.2017 | 05:55 Uhr

Demut

Autor: Heute Morgen ein wenig Grundbildung: Wie heißen die vier Kardinaltugenden? – Genau: Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit und Weisheit. Mit Kardinal und Kirche haben die vier aber erst einmal wenig zu tun. Denn die Kardinaltugenden sind älter als das Christentum. Die Römer und die alten Griechen haben sie entwickelt. Und die Bezeichnung „Kardinal“ stammt nicht aus der Kirche, sondern aus dem Lateinischen von Cardo, „Türangel, Dreh- und Angelpunkt“.

Wer gerecht ist, tapfer und weise, hat also die rechte Tür zum Leben gefunden. Gibt seinem Leben die richtige Richtung, könnte man übersetzt sagen. Das klingt gut christlich, ist es aber eben nicht. Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit und Weisheit alleine reichen nicht. Die Christen haben die vier Grundprinzipien ergänzt. Und zwar um eine fünfte: die Demut.

Demut? Das klingt doch heute reichlich moralisch und altbacken! Für die Römer damals übrigens auch schon: Demut war für sie kein Thema. Demut war, wenn überhaupt, ein Zeichen von Schwäche. Demütig, das war der Sklave im Verhältnis zu seinem Herrn. Mehr nicht!

Doch die Christen dachten anders. Sie erkannten: In Demut steckt auch Mut. Nämlich der Mut, sich ehrlich und offen eigenen Grenzen zu stellen. Denn kein Mensch ist allmächtig. Kein Mensch ist ohne Fehler, kein Mensch ist Gott gleich. Und so beschreibt die Demut, christlich gesehen, zwei Dinge: 1. das Verhältnis von uns Menschen zu Gott und eben ganz wichtig 2.: das Verhältnis von uns Menschen untereinander.

Und das heißt: Demütig sein, das hat Konsequenzen. Wir Menschen sind mit unseren Stärken und Schwächen aufeinander angewiesen. Und das versuchen wir in der Nächstenliebe zu leben. Darum sollte eine christlich geprägte Gesellschaft wie unsere, finde ich, immer auch eine demütige, eine fürsorgliche Gesellschaft sein.

Auf Latein heißt Demut „Humilitas“. So kann man das in der christlichen Bildersprache nachlesen wie bei uns im Bonner Münster auf einem großen Mosaik. Demut gleich „Humilitas“, das klingt im Lateinischen an, ist wie ein Nährboden, ein „Humus“, aus dem immer wieder Neues wächst. Auch die anderen Tugenden wachsen aus ihr. Und das ist das Entscheidende dieser fünften, zusätzlichen Tugend: Ich glaube, dass Demut erst die Voraussetzung dafür ist, dass Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit und Weisheit gedeihen können.

Wer Demut also als altbacken und altertümlich abtut, dem sei gesagt: Demut ist die modernste Tugend. Und sie ist die Grundlage für das Zusammenleben von uns Menschen – jeden Tag neu.

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