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Kirche in WDR 4 | 17.01.2015 | 08:55 Uhr

Den Himmel offen sehen

Guten Morgen!

Er wollte sich ein kleines Stück Himmel auf Erden verschaffen. Sein Traumziel: Alle Segnungen, die ein Erstgeborener seiner Zeit bekommen konnte. Aber Jakob war nur der Zweitgeborene. Sein Zwillingsbruder Esau war der Rangerste. Und die Genesisgeschichte aus der Bibel erzählt, wie Jakob mit allen Mitteln um die Gunst seines Vaters Isaak kämpft. Gelogen und betrogen hat er, den alten Vater und den Zwillingsbruder ausgetrickst. Und als er sein Ziel erreicht, sich den Segen vom Vater erschlichen hat: Aus der Traum! Esau schwört blutige Rache. Jetzt ist Jakob auf der Flucht.

Aus der Traum! So mancher Traum, den ich mir selbst erfülle, hält am Ende nicht das, was ich mir von ihm versprochen habe. Das ist eine Erfahrung, die fast alle Menschen schon mal gemacht haben und die sie mit dem Jakob aus der Bibel teilen.

Aber – und auch das ist eine wichtige Erfahrung – das Leben geht weiter, auch für Jakob. Auf der Flucht, enttäuscht, erschöpft und einsam findet er einen Lagerplatz auf dem harten Boden der Tatsachen. Seinen Kopf bettet er nicht, wie gewohnt, auf weiche Kissen, sondern auf einen harten Stein. Vermutlich erwarten ihn – den Betrüger – jetzt unruhige Träume. Aber es kommt ganz anders. Er träumt den Traum seines Lebens: Es öffnet sich ihm der Himmel. Jakob sieht eine Treppe, die auf der Erde steht und bis zum Himmel reicht. Auf ihr steigen die Engel auf und nieder. Für mich ein wahrlich traumhaftes Bild: Engel, die die Sorgen und Nöte der Menschen hier auf Erden sammeln und sie die Treppe hinauf zu Gott tragen! Und aus dem offenen Himmel kehren sie mit Gottes Segen zum schlafenden Jakob zurück. Zahlreiche Nachkommen verheißt Gott ihm und verspricht sogar, in allen Lebenslagen an seiner Seite zu sein. Eine wunderbare Geschichte, aber doch leider nur ein Traum.

Ist das wirklich nur ein Traum? Als Jakob am nächsten Morgen aufwacht, hat sich seine Situation offenbar nicht verändert: Er ist weiter Mutterseelen allein und auf der Flucht. Aber ist für ihn tatsächlich nichts anders geworden? Immerhin stellt Jacob fest: „Wirklich, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht“. Offensichtlich ist Jakob zum ersten Mal in seinem Leben mit Gott in Berührung gekommen. Er macht seine eigenen Erfahrungen mit diesem Gott, den er nur vom Hörensagen kannte. Jakob weiß nun, dass der Himmel für ihn trotz aller Verfehlungen offen bleibt. Jetzt kann er sich dem Leben, das vor ihm liegt, ohne Angst stellen. Der Segen Gottes, den er im Traum erfahren hat, wird ihn zukünftig nicht vor den Widrigkeiten des Lebens bewahren. Aber er wird nicht mehr an ihnen scheitern. Das ist ihm jetzt zur Gewissheit geworden.

Ein neues Leben durch eine Gottesbegegnung im Traum: Ist das bloß eine Utopie? Eine fromme Geschichte, zu schön, um wahr zu sein? Bis heute hat die Wissenschaft nicht erforschen können, was mit uns im Traum wirklich geschieht. Fest steht, dass wir im Traum eine andere Welt erleben als im Wachen. Niemand aber wird je beweisen können, ob der Mensch im Traum etwas von der Wirklichkeit Gottes erfahren kann oder nicht.

Und doch, es gibt Menschen, die die nächtliche Erfahrung des biblischen Jakob teilen. Erschöpft, enttäuscht, gejagt von der Hektik des Alltags legen sie sich abends zum Schlafen nieder. Mit neuer Hoffnung, frischer Kraft und neuer Perspektive stehen sie am nächsten Morgen auf, fühlen sich gestärkt. Haben sie auch den Himmel offen gesehen? Haben sie Gottes Segen erfahren und so inneren Frieden gefunden? Was steckt hinter dem guten Rat, erst einmal eine Nacht zu schlafen, bevor man eine schwierige Aufgabe bewältigt oder ein existentielles Problem löst?

Der Dichter Friedrich Hebbel behauptet jedenfalls: „Wenn wir einschlafen, wacht Gott in uns auf.“ Gott wacht in mir auf, eine Vorstellung, die hoffen lässt. Wenn er meinen Schlaf bewacht, dann spricht er vielleicht auch im Traum zu mir.

Den Himmel offen zu sehen – und das nicht nur des Nachts, diese Erfahrung wünsche ich Ihnen: Aus Paderborn grüßt Sie Gabriele Broszio

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