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Kirche in WDR 5 | 11.10.2016 | 06:55 Uhr

Den Mund aufmachen

Guten Morgen!

Machen Sie manchmal den Mund auf für andere? In der Straßenbahn, wenn die alte Frau bedrängt wird? Am Arbeitsplatz, wenn der Kollege gemobbt wird? Oder anderswo, wo Leute ungerecht behandelt werden oder sich nicht wehren können?

In der Bibel gibt es dazu einen weisen Spruch. Er findet sich im Buch der „Sprüche Salomos“ – ein biblisches Buch voller kluger Ratschläge für das Leben. Und dort lese ich auch diesen Spruch: „Tu deinen Mund auf!“ Genauer: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ (Sprüche 31,8)

Tu deinen Mund auf für die, die das selber nicht können! Daran wurde ich vor einiger Zeit erinnert. Da stand ich auf einem Friedhof in einer kleinen Stadt in Litauen - in Birzai. Ein alter jüdischer Friedhof, der größte des Landes. Ein Gedenkstein auf diesem Friedhof erinnert an die ermordeten Juden des Ortes. Darauf steht:

Sprecherin: „An diesem Ort erschossen 1941 Nationalsozialisten und ihre örtlichen Helfershelfer 2400 Juden - Männer, Frauen und Kinder.“

Sämtliche jüdische Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes wurden ermordet. Mit diesem Tag hatte das jüdische Leben in Birzai aufgehört zu existieren. Nach dem Krieg verwilderte der jüdische Friedhof immer mehr und war dann schließlich fast völlig zugewuchert.

Vor einigen Jahren begannen Jugendliche und Erwachsene aus Lippe mit Schülerinnen und Schülern aus Birzai den großen Friedhof von Wildwuchs zu befreien. Später kam eine Gruppe jüdischer Studierender aus St. Petersburg dazu. Sie katalogisierten die Grabsteine, übersetzten die Inschriften. Die Grabsteine erinnern so an die Lebensschicksale. Und sie machen es möglich, dass Angehörige die Gräber ihrer Vorfahren finden können.

Eine Teilnehmerin aus Lippe hat erzählt:

Sprecherin: „Mit Kopf und Herz und Händen (…) gemeinsam mit litauischen Partnern etwas zu tun, was bisher ungetan war, das ist meine Motivation. Körperliche Anstrengung aber auch meditative Zwiesprache mit einzelnen Grabsteinen, vorsichtiges Spurenlesen, Entziffern von Namen und Lebensdaten…“

Dass heute wieder Menschen über den Friedhof gehen können und die Namen auf den Grabsteinen lesen, ruft das ehemals so reiche jüdische Leben des Ortes ins Gedächtnis. Mich erinnert dieses gemeinsame Engagement von Ehrenamtlichen aus Litauen, Deutschland und Russland an den Vers aus den Sprüchen Salomos: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache derer, die verlassen sind.“ Die, die diesen Friedhof wieder ins Gedächtnis geholt haben, sie sind in gewisser Weise Anwälte der Stummen, der ermordeten Opfer. Sie erweisen den Getöteten Respekt und tragen dazu bei, dass sie nicht in Vergessenheit geraten.

Den Mund auftun für die Stummen muss also nicht mit lauter Rede geschehen. Es kann ganz leise passieren „mit Kopf und Herz und Hand“. Tu deinen Mund auf, das ist ein Aufruf, Zivilcourage zu zeigen, sich zu engagieren für die Gesellschaft, in der wir leben.

Den Mund auftun, wenn es gefragt ist, darauf kommt es an, meint Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.

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