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Sonntagskirche | 18.05.2014 | 08:55 Uhr

Den Mund ganz voll nehmen

Das ganze Städtchen ist auf den Beinen. Jahr für Jahr im Wonnemonat Mai. Jung und Alt zieht’s zum Marktbrunnen. Brunnensingen ist angesagt. Der Gesangverein und zwei Bands laden ein. Wasserfontänen schießen aus steinernen Masken hervor - aus weit aufgerissenen Mündern. Darunter kauert im Marktbrunnen närrisch ein Lausbub aus Stein. Es wird gesungen und getanzt. Freude springt über im Wonnemonat. Wenn alle Brünnlein fließen, dann muss man trinken...

Liebe Hörerin, lieber Hörer, Brunnen sind Quellen des Lebens und der Freude. Wie das Wasser und der Wein, so die Melodien. Sie fließen: Volkslieder, Evergreens und Hits aus den Musikcharts. Gefühle steigen beim Singen auf wie das kostbare Nass aus der Tiefe. Es tropft und quillt, es rinnt und läuft.

Vollmundig. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Manchmal hebt’s fast das Dach ab: Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht; pflücket die Rose, eh sie verblüht. So singt das pralle Leben. So singt es - Gott sei Dank!

Aber was ist mit den Durststrecken des Lebens? Bleiben Leid und Schmerz, Kummer und Tränen beim Singen außen vor? Muss verdrängt werden, was bedrückt und quält? Verglüht das Lämpchen des Lebens sang- und klanglos, wie auch die Rose still verblüht?

Ich werde ein Bild nie vergessen. Es wurde im Dubrovnik der 90er Jahre festgehalten. Die schöne alte kroatische Stadt wurde beschossen. Während die Kugeln einschlugen, spielte auf dem Bürgersteig ein Mann Cello - unter Todesgefahr. Überließ die Straße mit seiner Musik nicht dem mörderischen Krieg, setzte dagegen einen Kontrapunkt der Kultur und der Menschlichkeit.

In der Musik erklingt, was Menschen bewegt und die Seele berührt: Klage, Not und Schmerz ebenso wie Freude, Dank und Lob. Die Musik kann dem bohrenden Schmerz ganz nahe sein - und auch der überwältigenden Freude.

Ich kenne eine Frau, die singt beim Staubsaugen. Der Staubsauger heult und singt sein Lied: Staub zum Staube. Singt das Lied von der Vergänglichkeit, wie bei der Beerdigung.

Aber über seinem Brummen und Rauschen klingt fröhlicher Gesang. Die Stimme des Staubsaugers und der Frau kämpfen miteinander, ein seltsames Duett. Und doch ein gottvolles Gleichnis. Der Ton der Vergänglichkeit wird durchdrungen vom Gesang gefeierten Lebens.

Die Frau nimmt den Mund ganz voll: Tobe, Welt und springe, ich steh hier und singe in gar sich’rer Ruh... So voll kann man den Mund nur beim Singen nehmen. Und doch wird dann wahr, was man singt.

Wir kommen von Ostern her. Christ ist erstanden von der Marter alle. Des woll’n wir alle froh sein. Christ will unser Trost sein, Kyrieleis. Dieses Lied wurde uns - in einer Menschenkette - durch 1000 Jahre weitergereicht.

Christen sind Protestleute gegen den Tod. Und Liebhaber des Lebens. Darum besingen sie nicht nur das pralle Leben. Sie besingen auch - mitten im Alltag - die Auferstehung Christi von den Toten. Selbst, wenn sie staubsaugen. Sie nehmen den Mund ganz voll, und es wird wahr, was sie singen: Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

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