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Sonntagskirche | 27.04.2014 | 08:55 Uhr

„Den schönsten Tag in meinem Leben...“

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Wenn Sie katholisch aufgewachsen sind, erinnern Sie sich vielleicht noch an einen Brauch, der früher weit verbreitet war: Wenn eine Erstkommunion ins Haus stand, wurden vor der Türe grüne Bäumchen aufgestellt; und über dem Eingang hing oft ein Schild mit Sprüchen wie: „Den schönsten Tag in meinem Leben hat mir der Heiland heut‘ gegeben!“

Geschmückt wird heute sicherlich nicht mehr so viel. Aber der Aufwand rund um die Erstkommunion ist bei vielen Familien immer noch groß. Heute feiern die katholischen Chris-ten den „Weißen Sonntag“, also den Tag, an dem in vielen Kirchen Kinder zum ersten Mal die Mahlgemeinschaft mit Jesus teilen, zur „Ersten Heiligen Kommunion“ gehen.

Ein Tag großer Aufregung ist das. Die spüre ich schon, wenn ich mich in wenigen Minuten auf den Weg zur Erstkommunionfeier in der Jüchener Jakobuskirche mache: Nervöse Eltern, vollkommen aufgedrehte Kinder in festlichen Kleidern und Anzügen. Viele Verwandte und Familienmitglieder, die das alles mit mehr oder minder gelungenen Sprüchen begleiten. Erstkommunion ist ein schöner Tag – das hoffe ich zumindest für die Kinder, die heute zum ersten Mal ganz dabei sind.

Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an diesen Tag in ihrem Leben, der „der schönste“ gewesen sein soll. Vielleicht erinnern sie sich aber auch nur an diesen Tag zurück, weil er einfach schrecklich war: Ein Kommunionkind tut das und das, darf das und das nicht... Das Ganze natürlich in entsprechend festlicher, also oft höchst unbequemer Kleidung. Das artete dann auch schon einmal in puren Stress aus. Und bei den Konfirmanden in den evangelischen Gemeinden war das oft auch nicht viel anders. „Der schönste Tag in meinem Leben...“ – manchmal eher die Erinnerung an einen einzigen Horrortrip als an einen Traumtag.

Aber – liebe Hörerinnen und Hörer – was war denn wirklich ihr „schönster Tag im Leben“? Ein Tag in der Kindheit, oder das erste Verliebtsein? Das Ende der Schulzeit oder der Ausbildung? Ein beruflicher Erfolg? Die Hochzeit? Die Geburt eines Kindes? Das Erlangen eines öffentlichen Amtes? Und: Was hat diesen Tag eigentlich so schön gemacht? Der Zuspruch anderer Menschen? Genugtuung über eine erbrachte Lebensleistung? - Schnell wird klar: Es ist gar nicht so einfach, den „schönsten Tag im Leben“ zu fassen. Es ist nicht leicht, ihn treffend zu beschreiben. Und oft entsteht der „schönste Tag im Leben“ erst in der Rückschau auf die Vergangenheit, die so manches verklärt, was vielleicht auch an diesem Tag nicht schön war. Oft scheint es auch so, dass man „den schönsten Tag im Leben“ selbst gar nicht mehr erlebt. Ein Beispiel dafür erleben wir ebenfalls heute. Es wird wahrscheinlich das größte Ereignis der katholischen Kirche in diesem Jahr werden: In Rom werden die beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heiliggesprochen. Aus unserer, irdischen Sicht, die Vollendung ihrer Lebenswerke, ein Triumph der besonderen Art. Ich bin fest davon überzeugt, dass weder der eine noch der andere, wenn er denn diesen Tag selbst noch erlebt hätte, ihn triumphal gefeiert hätte. Bei beiden hätte an diesem heutigen Tag der Dank im Mittelpunkt gestanden: der Dank gegen Gott, dass er all‘ das in ihrem Leben ermöglicht hat, Dank dafür, dass er das Leben überhaupt erst ermöglicht hat.

Wir können Johannes XXIII. und Johannes Paul II. leider nicht mehr selbst fragen – und doch geben sie uns durch ihr Lebenszeugnis eine eindeutige Botschaft mit. Johannes XXIII. etwa durch eines seiner berühmtesten Zitate. Beim Blick in den Spiegel soll er zu sich selbst gesagt haben: „Giovanni – nimm dich nicht so wichtig!“

Vielleicht ist das der Schlüssel zu schönen Tagen im Leben: Sich selbst nicht so wichtig nehmen. Dann gelingt menschliches Zusammenleben sicher besser als bisher. Dann wird auch der Blick auf das schöne Leben freier.

Einen schönen Tag in ihrem Leben wünscht ihnen Ulrich Clancett aus Jüchen. Und wer weiß: Vielleicht wird es ja sogar der schönste in ihrem Leben...

Copyright Vorschaubild: lulek41 Public Domain CCO Pixabay

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