#
Aktuelles

Beiträge auf wdr4 

evangelisch

Sonntagskirche | 05.04.2015 | 08:55 Uhr

Der Beo

Einen guten Ostermorgen! In unserer Familie gibt es eine kleine Erkennungsmelodie. Mit fünf gepfiffenen Tönen melden wir uns zurück oder orten uns gegenseitig, wenn wir uns aus dem Blick verloren haben. Das funktioniert.

Doch dann geschah dies: Ich komme nach Hause – keiner ist da. Ich schaue im Garten nach - und höre unseren Pfiff. Ich gehe ihm nach – aber finde keinen. Kurze Zeit später erklingt wieder der Pfiff. Und - wieder keiner da. Jetzt bin ich irritiert. Meine Frau löst später das Rätsel: Waltraud, sagt sie, unsere Nachbarin, hat seit einiger Zeit einen Beo. Der hat unseren Pfiff übernommen. Mit einem kleinen Unterschied: Wir pfeifen den ersten Ton zwei Mal, der Beo nur ein Mal. Mit der Zeit gewöhnen wir uns daran, dass der Beo uns einen pfeift. Aber irgendwann pfeift es nicht mehr aus Nachbars Garten. Waltraud sagt uns, der Beo sei leider gestorben.

Doch kaum zu glauben. Wir sitzen am Kaffeetisch im Garten. Und plötzlich ist der Pfiff wieder da. Mal hören wir ihn weit entfernt, dann wieder ganz nah. Einmal ertönt er von rechts, dann wieder von links. Jetzt sind alle irritiert. Woher kommt dieser Pfiff? Erst nach einigen Tagen löst sich das Rätsel: Eine Schwarzdrossel pfeift unsere Melodie munter durch ihr Revier. Sie hat den Pfiff offensichtlich vom Beo übernommen.

Heute ist Ostern. Und die Geschichte vom Beo ist eine wahrlich österliche Geschichte. Beo und Schwarzdrossel pfiffen uns eine vertraute Melodie. Darum hörten wir sie heraus aus dem vielstimmigen Vogelsang unseres Gartens. Auch, was Jesus sagte und tat, war unverwechselbar für alle, die bei ihm waren. Ich lebe und ihr sollt auch leben! war seine Erkennungsmelodie vor 2000 Jahren. Armen und Elenden schenkte er Gottes Nähe, Kranke heilte er, befreite Menschen von dunklen Mächten. Verstiegene holte er vom Baum herunter, Herausgefallene in die Gemeinschaft zurück. Kinder machte er zu Vorbildern für Erwachsene, herzte und segnete sie. Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Doch am Karfreitag hatte dieses Lebenslied ein jähes Ende. Verpfiffen wurde Jesus, verspottet, ausgepeitscht, verhöhnt mit einer Dornenkrone, ans Kreuz geschlagen. Und verlassen. Von denen, die ihm nahestanden. Und – so schien es – auch von Gott.

Doch dann am Ostermorgen - unglaublich, aber wahr – erklingt seine Erkennungsmelodie völig neu: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Gar nicht schnell genug können die Frauen und Männer rennen. Sie müssen es weitersagen, - rufen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Auferstanden von den Toten.

Und der Auferstandene begegnet ihnen – in Gestalt eines Fremden, der sie begleitet auf dem Weg. Als er ihnen das Brot bricht, erkennen sie, wer er ist. Und sind außer sich vor Freude.

Maria von Magdala steht an seinem leeren Grab und fragt fassungslos einen Gärtner, wo sein Leichnam hin ist. Der antwortet mit nur einem Wort: Maria. Und ihr geht die Sonne auf.

Alle haben sie die Erkennungsmelodie des Auferstandenen weitergegeben durch Generationen und Zeiten bis an die Enden der Erde. Vielleicht ging zwischendurch mal ein Ton verloren wie beim Beo. Aber die Melodie erklingt heute so unverwechselbar wie am Anfang: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Ihnen allen: Frohe Ostern! Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen