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Kirche in WDR 2 | 23.01.2016 | 05:55 Uhr

Der Bullemann

Er war der Schrecken meiner Kindheit. Der Bullemann. Er hauste im Dunkeln. Und da war die Mutprobe. Wir Nachbarkinder sperrten uns gegenseitig in den Kohlenkeller ein. 15 Minuten. 30 Minuten. Wer das schaffte, war eine Heldin. Die ersten Minuten waren nicht so schwer. Aber dann. Die Dunkelheit schnürte dir die Kehle zu. Ein Huschen? Die Zeit wurde klebrig. Wann kommen die anderen, um dich johlend zu befreien? Nur zwei Stockwerke über dir schrubbte deine Mutter Möhren. Eine 100 Watt Birne erhellte ihre Welt. Sie wusste nichts von deiner Not. Sie wähnte dich sicher, weil du ja mit den Nachbarkindern spieltest. Und es war längst noch nicht Schlafenszeit.

Irgendwann lärmten die anderen die Kellerstiege hinunter. Du wurdest befreit, bejubelt und der nächste musste sich in der Dunkelheit beweisen. Als wäre nichts gewesen lachtest du. Obwohl dein Herz klein und verzagt war. Aber das durftest du nicht sagen, nicht zeigen.

Ein Kindheitsspiel. Aber im Erwachsenalter bitterer Ernst. Der dunkele Ort, der dich lähmt. An den kein Licht dich erreicht und die anderen leben unbekümmert ihr Leben. So kann man Depressionen beschreiben. Fast jeden erwischt es einmal. Nur ungern geben wir es zu. Zu matt um morgens aufzustehen. Zu verzagt, um einen Schritt vor die Tür zu machen. Zu kleinlaut, um überhaupt dem Leben gegenüberzutreten.

Was zieht aus dieser Lähmung heraus? Von vier Menschen erzählt die Bibel. Sie zerren einen gelähmten Menschen samt Bett heraus. Sie nehmen seine Lebensunlust, seine Apathie nicht länger hin. Zerren ihn in die Nähe von Jesus. Aber der Weg ist blockiert. Diese Blockaden kennt jeder Depressive. Da sind Hunderte, Tausende Menschen, die das ja hinkriegen. Das normale Leben.

Vier packen an. An den vier Ecken des Lebens. Tragen durch die vermeintlich undurchdringliche Menge. Durch die Menschen, denen es vermeintlich besser geht.

Acht starke Hände decken ein Dach auf, um den Gelähmten herunterzulassen. Seilen uns sicher und geschickt hinab in die Tiefe, wo wir lieber nicht hinwollen. Wo wir lieber nicht hinsehen. Wo der Schatten gnädig ist, Sie reißen ein Loch in das schützende Dach, sie lassen es nicht zu, dass wir alles deckeln wollen. Das nimmt Geborgenheit. Das durchbricht die Schutzhülle. Sie seilen den Gelähmten ab. Vor die Füße Jesu. Was soll der tun? Jeder an der Seele Verletzte braucht Zeit zum Hinterfragen. Zum sich in Frage stellen, um wieder zu genesen. Eine Depression verschwindet nicht einfach durch ein Wort.

Jesus trifft auf den Gelähmten. Und der Gelähmte trifft den Mann, der der Liebe alles zutraut. Was geschieht? Jesus spricht ihn von seinen Sünden frei. Etwas stand im Weg. Zwischen dem Leben, das ist, und dem Leben, das sein kann. Sünde macht kleinlaut. Einsam. Selbstbezogen. Davon spricht Jesus den Gelähmten los. Er heilt ihn nicht. Er entlastet ihn. Der Gelähmte kann wieder gehen. Aufstehen und wieder der werden, der er sein will. Schritt für Schritt.

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