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Kirche in WDR 2 | 24.04.2014 | 05:55 Uhr

Der fragende Thomas

Ein Gottesdienst für Zweifler, Ungläubige und Fragende. So etwas gibt’s. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Thomas-Messe heißt so ein Gottesdienst. Und die Leute kommen – mit ihren Ungereimtheiten und Fragen. Sie sagen: „Früher, als Kind, da habe ich noch geglaubt. Da war alles klar, ganz einfach, fast zu einfach.“ Andere sagen: „Irgendwie glaube ich schon an Gott. Aber das mit der Auferstehung, das nehme ich dir nicht ab.“ Oder – ganz häufig: „Beweise es mir – beweise mir deinen Gott!“

Auch der Apostel Thomas hat Fragen gestellt. Manche nennen ihn den ungläubigen. Ich nenne ihn lieber den fragenden Thomas. Einen Apostel, der Fragen stellt, finde ich unglaublich sympathisch. Thomas kann nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist. Er ist nicht mit dem zufrieden, was die anderen Apostel erzählen, sondern er fragt nach. Er will begreifen, erfassen: Wie kann das sein: Jesus – eben noch grausam hingerichtet, jetzt plötzlich wieder lebendig? Was ist dran an der Geschichte?

Und dann kommt Jesus. Er zeigt Thomas seine Wunden, die beiden begegnen einander auf Du und Du. Und auf einmal ist alles klar. Was braucht es jetzt noch Beweise? Keine Rede mehr vom Begreifen, vom Erfassen. Thomas bringt nur noch ein Wort heraus: „Mein Herr und mein Gott!“ Deutlicher hat es noch keiner gesagt. Der Apostel mit den größten Zweifeln ist der mit dem klarsten Bekenntnis. Wo das Vertrauen stimmt, da muss man nichts mehr beweisen. Das ist beim Glauben wie in der Liebe: Wer sich auf den andern wirklich verlässt, braucht keine Liebesbeweise mehr. Weil die Liebe ja schon längst da ist.

Der fragende Thomas – ich halte ihn für sehr aktuell. Ich kenne viele, die fragen kritisch nach, nehmen nicht mehr alles hin. Glauben beginnt mit solchen Fragen: Was ist mein Leben wert, wenn ich keine Arbeit mehr habe, wenn ich krank bin? Wo finde ich so etwas wie einen Lebenssinn? Müsste da nicht mehr drinstecken – zwischen Wecker und Tagesthemen? In fragenden Menschen steckt ein großes Potenzial an Glauben, eine Offenheit für Gott.

Vielleicht stand er zu lange fraglos da, der christliche Glaube – und hat deshalb nur noch wenig Kraft. Heute ist er fragwürdig geworden, und darin sehe ich eine große Chance: bewusster zu glauben, deutlicher als bisher. Auf jeden Fall halte ich mich an diejenigen, die Fragen stellen, und gehe denen aus dem Weg, die auf alles eine Antwort wissen.

Ich wünsche Ihnen, wenn Sie zweifeln, gute Fragen!

Copyright Vorschaubild: Evan Courtney CC BY 2.0 (Flickr)

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