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Kirche in WDR 3 | 01.09.2017 | 07:50 Uhr

Der Friedensengel – 60 Jahre Antikriegstag

Autorin: „Ich bin so froh, weg zu sein vom Krieg. Der Krieg ist laut. Raketen. Bomben. Schüsse. Immer Lärm, Lärm." Sagt eine Jugendliche in einem Fernsehbeitrag. (1) Sie ist mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen. Viele in Deutschland kennen das noch – die Bombennächte des 2. Weltkriegs. Der deutsche Dichter Bertolt Brecht, der schon den 1. Weltkrieg miterlebt hatte, hat mit seinen „Bitten der Kinder“ ein Friedensgedicht geschrieben:

Sprecherin:

Die Häuser sollen nicht brennen.

Bomber sollt man nicht kennen.

Die Nacht soll für den Schlaf sein.

Leben soll keine Straf sein.

Die Mütter sollen nicht weinen.

Keiner sollt töten einen. (Bert Brecht, Bitten der Kinder) (2)

Autorin: Die Erzählungen der Geflüchteten heute und der Überlebenden aus dem 2. Weltkrieg – sie mahnen. Nicht nur heute am Antikriegstag. Seit genau 60 Jahren wird er am 1. September begangen. Rund 35 Kriege und zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte gibt es jedes Jahr auf der Erde. Mehr als 65 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht. (3)

Es bräuchte einen Friedensengel. So einen, wie er derzeit in der Schlosskirche zu Wittenberg hängt. Eine Leihgabe aus dem Güstrower Dom. Es ist "Der Schwebende" von Ernst Barlach. Ein großer Engel aus Bronze. Vor neunzig Jahren (1927) schuf Barlach ihn als Mahnmal gegen den Krieg. Die Hände über der Brust gekreuzt, ohne sichtbare Flügel strahlt dieser Engel viel Ruhe aus. Ganz dicht über den Köpfen der Kirchenbesucher hängt er. Wer unter ihm durchgeht, wird automatisch leiser. Und er kann nachlesen, was Renate Kirsch vor 25 Jahren im Wort zum Sonntag im Fernsehen über ihn gesagt hat (4):

Sprecherin: Mit geschlossenen Augen

sieht er viel tiefer,

der Engel von Güstrow,

sieht in Abgründe hinein,

und stürzt dennoch

nicht ab.

Er bleibt in der Schwebe.

Hier in der Kirche

zwischen Erde und Himmel

ist aufgehoben,

was er zu tragen hat.

Autorin: Die Botschaft des Engels:

Sprecherin:

Nie wieder Krieg, niemals Gewalt,

versöhnende Liebe sei euer Ziel.

Aber die Botschaft des Engels

gefiel längst nicht allen:

Er ist nicht heroisch,

denn er wehrt sich ja nicht.

Er erträgt die Schmerzen.

Er trauert, aber verurteilt nicht.

Er ist auf eine

so stille Weise stark,

dass viele es nicht aushalten konnten.

Autorin: Gemeint sind die Nazis. Sie schworen auf Stärke und schmolzen den stillen Friedensengel ein…

Sprecherin:

…. und machten aus ihm

Munition

für den Krieg

gegen den der Engel doch mahnte.

Aber er wurde gerettet.

Heimlich wurde vom Gipsmodell

ein neuer Engel gegossen.

Und die Bosheit der Menschen

konnte nicht hindern,

dass er auferstand

in einen Engel im Osten – in Güstrow

und einen Engel im Westen – in Köln.

Autorin: Der Schwebende trägt die Gesichtszüge der Künstlerin Käthe Kollwitz. Wie das Werk von Barlach wurde auch ihr Werk von den Nazis als entartete Kunst abgestempelt. 150 Jahre alt wäre sie in diesem Jahr geworden. Sie hatte ihren Sohn im Ersten Weltkrieg verloren und als Mahnmal ein „Trauerndes Elternpaar“ geschaffen.

Kunst statt Geschrei. Ich möchte mich unter den Engel stellen – und spüren, was wir so dringend brauchen: Einen tiefen Blick in die eigenen Abgründe. Ein festes Herz für die ängstliche Seele und Gottes Friedensboten, die verkünden:

Sprecherin:

dass Liebe, dass Versöhnung,

dass Gottes Kraft

nicht zu zerstören sind.

Autorin: Mut zur Stille und Kraft zum Frieden wünscht, Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.

(1) Vergleiche auch Brief eines neunjährigen Mädchens aus Aleppo: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.brief-aus-syrien-wie-ein-kind-den-krieg-erlebt.a40e23be-c48b-4789-8235-80410931a51c.html

(2) Quelle: Ch. Werr, „ Literatur zum Anfassen, Vorschläge zum produktiven Umgang mit Literatur”, Max Hueber Verlag, München, 1987, S. 51. Zitiert nach: http://literaturdidaktik.republika.pl/Brecht.html

(3) https://www.frieden-fragen.de/entdecken/weltkarten/kriege-weltweit-2016.html und http://www.dgb.de/themen/++co++4b2475ea-6226-11e7-9e0d-525400e5a74a

(4) Das Wort zum Sonntag vom 28.03.1992, Renate Kirsch, Remscheid–Lennep, ARD.

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