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Sonntagskirche | 23.07.2017 | 08:55 Uhr

„Der Geist und die Schwachheit“

Guten Morgen.

Haben sie Schwächen? – Nein, ich meine nicht die für Schokolade, eine bestimmte Musik oder Autos... Ich meine: wirkliche Schwächen. Echte Grenzen, an die Sie stoßen. Ich weiß, darüber spricht man nicht. Das geht keinen etwas an. Und trotzdem sind sie da – manchmal mehr, manchmal weniger. Aber, sie eingestehen – sich selbst oder anderen – das fällt sehr schwer. Und doch: Manchmal mache ich Erfahrungen mit Menschen, die sich ihre Schwächen eingestehen und sie akzeptieren. Sie lassen Hilfe zu, erzählen anderen davon und kommen voran. Irgendwie kommen diese Menschen mir – trotz ihrer Schwächen – stark vor. Manchmal glaube ich sogar, dass sie wegen ihrer Schwächen stark sind.

Heute hören viele Christen im Gottesdienst von einem, der ebenfalls Schwächen hat. Einem Mann, bei dem man das überhaupt nicht vermuten würde: Paulus, der Apostel, der die Botschaft vom Reich Gottes in der gesamten damals bekannten Welt verbreitete, deshalb unermüdlich auf Reisen war und uns eine große Zahl von interessanten Briefen hinterlassen hat. Wie etwa den Brief, aus dem heute in den Gottesdiensten vorgelesen wird, den Brief an die Gemeinde in Rom. Und hier schreibt Paulus ganz persönlich über Schwächen – und erzählt von einer, unter der er selbst schwer litt. Eine Schwäche, die man bei einem Heiligen wie Paulus wohl am wenigsten erwarten würde. Paulus berichtet davon, dass er manchmal gar nicht weiß, um was er in rechter Weise beten soll. – Ja gibt’s den sowas? Wenn der es schon nicht weiß...

Mir fallen ähnliche Situationen ein. Ich habe den Kopf voller Sorgen und Anliegen. Und dabei sind viele, in denen ich nicht weiterkomme. „Da hilft nur noch beten...“ sagen wir in solchen Situationen. Doch worum und wie? Um tolles Ferienwetter – oder um den Regen, den die Landwirtschaft so dringend braucht? Um den Sieg der einen Konfliktpartei – der gleichzeitig auch die Niederlage der anderen bedeuten würde? –Wir dürfen Gott um das bitten, was wir brauchen... Doch: Ist das Gebet ein „Wunscherfüllungsautomat“? Sicher nicht... Was brauchen wir wirklich? Beim Nachdenken darüber merke ich schnell: Das ist gar nicht so einfach mit dem Gebet... Und dabei ist Paulus an meiner Seite, wenn er manchmal nicht weiß, um was er in rechter Weise beten soll. Irgendwie sympathisch.

Doch Paulus wäre nicht Paulus, wenn er in seinem Brief nicht auch ein Antwort-Angebot machen würde. Er spricht vom Geist, der uns bei unserer Schwachheit hilft. Also nicht irgendeinem faulen Spuk in einem verwunschenen Schloss – nein vom Geist Gottes, manche nennen ihn deshalb auch „Heiliger Geist“. Der kann helfen – davon ist Paulus überzeugt. Und er erzählt auch davon, wie es ihm gegangen ist. Er erinnert an Jesus, der einmal gesagt hat: Macht nicht viele Worte – euer Vater im Himmel weiß schon, was ihr braucht – noch ehe ihr ihn darum bittet.

Eine tolle Sache. Wir tun das, was wir können – und den Rest regelt er schon. Das ist es, wenn der Apostel Paulus an die Römer schreibt: „Der Geist nimmt sich unse-rer Schwachheit an“. An mir selbst liegt es nun, dass ich dem Geist auch etwas zu-traue. Denn Hilfe heißt immer auch: Ich muss mir helfen lassen wollen. Genau dazu macht Paulus den Römern damals und auch uns heute Mut.

Vielleicht könnte das ein gutes Gebet für den Start in den Sonntag sein: Hilf mir, dass ich meine Schwächen erkenne und zu ihnen stehe. Und hilf mir, dass ich in deinen Geist Vertrauen finde und mir helfen lasse, wo ich nicht mehr weiter weiß.

Ich wünsche Ihnen einen starken Sonntag – mit dem Geist, der uns hilft. Ihr Pfarrer Ulrich Clancett aus Jüchen.

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