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Kirche in WDR 3 | 08.11.2016 | 07:50 Uhr

Der Gott der kleinen Unordnung

Guten Morgen,

sind Sie gut in den Tag gekommen? Wenn ja, dann könnte das an Ihrer Herzfrequenzvariabilitat liegen. Kurz HRV. Ein hochspannender Wert unseres Herzen, an dem man ablesen kann, ob der Organismus insgesamt angespannt ist oder entspannt, gestresst oder ausgeglichen. Aber was ist das für ein seltsamer Wert? Die Herzfrequenzvariabilität misst den Abstand zwischen zwei Herzschlagen – vereinfacht gesagt. Das Interessante daran ist: Wenn das Herz schon gleichmaßig schlagt, preussisch exakt könnte man sagen, wenn also der Abstand zwischen zwei Herzschlagen immer genau identisch ist, dann ist das nicht gut. Im Gegenteil: Gleichmäßiger Abstand heißt: Der Korper steht unter massivem Stress! Da hätten die meisten von uns wahrscheinlich nicht drauf getippt. Wenn die Werte dagegen leicht voneinander abweichen und das Herz sozusagen eher lassig schlagt, dann sind wir entspannt und ausgeglichen, unser Herz ist fit und es droht auch kein Burnout.

Szenenwechsel: Zu Beginn meines Pastorendienstes hatte ich ein neues Element in einen Gottesdienst eingefuhrt, das augenscheinlich einen Besucher verwirrte. Dieser kam nach dem Gottesdienst auf mich zu und ermahnte mich mit einem Bibelvers: „Das geht nicht, was Sie da machen. Gott ist kein Gott der Unordnung“, sagte er aufgebracht, um dann fortzufahren: „Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern…“ Er ließ seine Stimme bedeutungsvoll im Raum schweben und das Wort „Ordnung“ formte sich unweigerlich zwischen uns, ohne dass es ausgesprochen werden musste. Laut erganzte ich seinen Satz aber anders: „... sondern des Friedens (1. Korinther 14,33)“. Denn so endet der Satz aus dem 1. Korintherbrief in der Bibel in Wirklichkeit. „Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“, heißt es da. Und damit war das Gesprach beendet.

Wie kommt man darauf, dass Gott preussische Ordnung liebt und schiebt einen passenden Satz sogar der Bibel unter? Warum denkt einer, Gott mag alles schon exakt und gestutzt und sauber? Die Natur und auch der Mensch sind faszinierend und großartig geordnet – und eben gleichzeitig erstaunlich chaotisch und kreativ. Uberlass´ einen Wald sich selbst und du findest erstens eine bestechende Ordnung, nach der alles funktioniert, und zugleich ein für unsere Augen heilloses Durcheinander. Kann denn da keiner aufraumen? Gott hat offensichtlich ein anderes Bild von Ordnung und Unordnung. Ordnung soll Frieden schaffen und damit ist in der Bibel nicht der Friede als Abwesenheit von Krieg gemeint, sondern Schalom: Versöhnung, heile Beziehung – mit dem Mitmensch, mit Gott und sich selbst. Wo dagegen Ordnung versklavt, einengt und abschnurt – ist sie Ordnung nach menschlichem, aber nicht nach Gottes Sinn. Gott schaut offensichtlich nicht zuerst hinter dein Sofa, sondern in dein Herz.

Ordnung und Strukturen dienen den Menschen und nicht andersherum – auch so ein menschenfreundliches Prinzip, von dem ich in der Bibel lese. Und oft reichen 20% Aufwand für 80% Zufriedenheit und für ein Umfeld, in dem Leben aufblühen kann. Die restliche vermeintliche Unordnung könnte sich als genau das heraus stellen, das dem Leben Würze gibt. Ich wünsche Ihnen einen gemäßigt ordentlichen Tag! Ihr Pastor Christof Lenzen aus Gera.

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