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Choralandacht | 29.04.2017 | 07:50 Uhr

Der Herr mein Hirt (eg 613)

Autor:

Wenn ich in meiner Jugend in meiner reformierten Heimatgemeinde den Gottesdienst besuchte, dann wurde immer mindestens ein Lied aus ihm gesungen: aus dem Genfer Psalter. Johannes Calvin, Reformator in Genf, war der Überzeugung, dass im Gottesdienst nur biblische Texte gesungen werden sollten. Und so entstanden zu allen 150 Psalmen Lieder in gereimter Form. Über Jahrhunderte haben diese Psalmlieder den reformierten Gottesdienst geprägt.

Die Psalmmelodien mussten, so wollte es Calvin, bestimmen Regeln folgen. Melodie und Rhythmus waren einfach gehalten; Calvin wollte, dass sie einen schweren, majestätischen Charakter hatten, so auch die Melodie, die für den 23. Psalm Verwendung fand:

Musik : Choral (Vorspiel)

Autor:

Die Texte des Genfer Psalters folgten möglichst eng dem biblischen Wortlaut. Mit dem Evangelischen Gesangbuch von 1996 wurden einige der Psalmlieder mit einem neuen Text versehen. So schuf der Theologe und Liederdichter Jürgen Henkys eine neue Übertragung des 23. Psalms:

Musik: Choral (1. Strophe): Der Herr mein Hirt! So will ich Gott besingen. / Nichts wird mir fehlen, ihm kann’s nicht misslingen. / Er führt, ich finde. Hier ist seine Stelle. / So grün der Hang! So frisch die reine Quelle! / Von Mal zu Mal weiß er mich zu erquicken. / Nie wird er mich in mein Verderben schicken.

Sprecherin (Voiceover):

Der Herr mein Hirt! So will ich Gott besingen. / Nichts wird mir fehlen, ihm kann’s nicht misslingen. / Er führt, ich finde. Hier ist seine Stelle. / So grün der Hang! So frisch die reine Quelle! / Von Mal zu Mal weiß er mich zu erquicken. / Nie wird er mich in mein Verderben schicken.

Autor:

Starke Bilder prägen diesen Psalm. Das erste Bild: „Der Herr mein Hirt… Nichts wird mir fehlen“. Und da ging es in biblischer Zeit um sehr Grundlegendes: Wird die Ernte reichen, um satt zu werden? Wird das Wasser reichen für Mensch und Tier? Und wo der Psalmbeter erlebt, ja es reicht, es ist genug da, da nimmt er das nicht selbstverständlich, sondern nimmt es aus Gottes Hand. Da weiß sich jemand von ihm, dem guten Hirten, versorgt.

Wie viel Gutes umgibt unser Leben?! Die meisten haben zu essen und zu trinken, ein Dach über dem Kopf; oft haben wir Menschen an unserer Seite, die uns lieben. Der Psalm spricht von grünen Wiesen und frischen Quellen; Orte, wo es gut ist zu sein. Und davon gibt es viele: ein bestimmtes Café, der Lieblingssessel zuhause; der Urlaubsort mit der Familie. Manchmal sind es auch bestimmte Momente, von denen wir zehren: ein Spaziergang mit der Partnerin, dem Partner, ein Abend mit einem alten Freund, ein Besuch, der uns überrascht.

Und doch malt dieser Psalm das Leben nicht in rosaroten Farben, sondern weiß um die anderen Zeiten, die es auch gibt:

Musik: Choral (2. Strophe): Der mir vorangeht, seines Namens wegen, / führt mich auf rechtem Steg dem Ziel entgegen. / Ob ich auch wandre, wo die Schatten kauern, / durchs finstre Tal und zwischen starren Mauern: / Du bist bei mir! Dein Stab lässt sicher gehen. / Kein Unglück muss ich mehr allein bestehen.

Sprecherin (voiceover):

Der mir vorangeht, seines Namens wegen, / führt mich auf rechtem Steg dem Ziel entgegen. / Ob ich auch wandre, wo die Schatten kauern, / durchs finstre Tal und zwischen starren Mauern: / Du bist bei mir! Dein Stab lässt sicher gehen. / Kein Unglück muss ich mehr allein bestehen.

Autor:

Dieses Tal, von dem da die Rede ist, das ist wörtlich eigentlich das „Tal der Todesschatten“. Jürgen Henkys hat dafür eine eindringliche Übersetzung gefunden: „Ob ich wandre, wo die Schatten kauern…“ Da ist etwas, das auf mich lauert in diesem dunklen Tal, das mich bedroht, das mir Angst macht. Es ist ein eindrückliches Bild für die Katastrophen und Krisen im Leben. Wo ich es mit schwerer Krankheit zu tun bekomme oder ich Abschied nehmen muss von einem Menschen, der mir viel bedeutet, wenn ich am Sinn des Lebens zweifele…

Wann immer ich selbst mit meinem Leben an eine solche Grenzen stoße, wo es nicht mehr weiter zu gehen scheint, wünsche ich mir etwas von dem, was diesen Beter, diese Beterin trägt, die Erfahrung: Ich bin nicht allein: „Du bist bei mir! Dein Stab lässt sicher gehen. Kein Unglück muss ich mehr allein bestehen.“

Die Worte dieses Psalms erlebe ich als wohltuend realistisch. Ich werde nicht bewahrt vor jedem finsteren Tal, vor all den Schatten, die mir Angst machen. Aber auf diesen Wegen bin ich von Gott begleitet.

Am Ende verändert sich das Bild noch einmal:

Musik: Choral (3. Strophe): Du deckst den Tisch, den Feinde mir missgönnen. / Du salbst mein Haupt, dass sie es sehen können. / Du schenkst mir ein, dass ich mich vor dir freue / und deinen Bund im Dank an dich erneue. / Die Güte wird, die Liebe um mich bleiben. / Aus deinem Haus darf niemand mich vertreiben.

Sprecherin (voiceover):

Du deckst den Tisch, den Feinde mir missgönnen. / Du salbst mein Haupt, dass sie es sehen können. / Du schenkst mir ein, dass ich mich vor dir freue / und deinen Bund im Dank an dich erneue. / Die Güte wird, die Liebe um mich bleiben. / Aus deinem Haus darf niemand mich vertreiben.

Autor:

Erst der Hirte – dann das finstere Tal – und nun am Ende sehen wir einen reich gedeckten Tisch. Niemand anders als Gott selbst ist Gastgeber! „Du deckst den Tisch, den Feinde mir missgönnen.“ Auch das ist ein sehr realistischer Blick auf das Leben. Der Psalm rechnet auch damit, dass es Menschen gibt, die uns alles andere als wohlgesonnen sind.

Dieses Schlussbild des Psalms erzählt davon, wie wichtig Gott uns nimmt. Wie viel wert wir in seinen Augen sind. Und das ist gerade dann gut zu hören, wenn wir erleben müssen, dass andere uns nicht mit Achtung begegnen. Gott lädt mich an den Tisch. Und behandelt mich wie einen König, wie eine Königin. „Du salbst mein Haupt, dass sie es sehen können.“

So geht der Psalm mit uns durch unser Leben, über grüne Hänge, vorbei an frischen Quellen. Orte, wo es gut ist zu sein. Aber auch durch finstere Täler, wo lauert, was uns Angst macht. In all dem ist Gott uns zur Seite. Und in all dem ist etwas, das bleibt:

Musik: Choral (3. Strophe - die letzten 2 Sätze mit Nachspiel): Die Güte wird, die Liebe um mich bleiben. / Aus deinem Haus darf niemand mich vertreiben.

Sprecherin

Der Herr mein Hirt! So will ich Gott besingen. / Nichts wird mir fehlen, ihm kann’s nicht misslingen. / Er führt, ich finde. Hier ist seine Stelle. / So grün der Hang! So frisch die reine Quelle! / Von Mal zu Mal weiß er mich zu erquicken. / Nie wird er mich in mein Verderben schicken.

Der mir vorangeht, seines Namens wegen, / führt mich auf rechtem Steg dem Ziel entgegen. / Ob ich auch wandre, wo die Schatten kauern, / durchs finstre Tal und zwischen starren Mauern: / Du bist bei mir! Dein Stab lässt sicher gehen. / Kein Unglück muss ich mehr allein bestehen.

Du deckst den Tisch, den Feinde mir missgönnen. / Du salbst mein Haupt, dass sie es sehen können. / Du schenkst mir ein, dass ich mich vor dir freue / und deinen Bund im Dank an dich erneue. / Die Güte wird, die Liebe um mich bleiben. / Aus deinem Haus darf niemand mich vertreiben.

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