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Kirche in WDR 3 | 03.05.2017 | 07:50 Uhr

Der lachende Engel

Guten Morgen!

Als ich nach Reims in Frankreich kam und die berühmte gotische Kathedrale besuchte, habe ich einen lachenden Engel gesehen. Er stand am Eingang, in Stein gehauen, und lächelte in einer Weise, die man nur „himmlisch“ nennen kann – was ja zu einem Engel ganz gut passt! Ja, wirklich himmlisch. Vergnügt, bezaubernd, unbeschwert, erlöst. Glauben Sie mir, die Mona Lisa ist nichts dagegen!

Dann betrat ich die Kirche, und der Engel ging mit mir. Zumindest ging er mir nicht aus dem Sinn! Im Reiseführer stand, dass der Innenraum einer gotischen Kathedrale wie eine Ahnung von Gott sei, von seinem Lichtglanz, von seiner Herrlichkeit. Das Licht, das durch die großen bunten Fenster und Rosetten fiel, versetzte den Menschen des Mittelalters gleichsam in den Vorhof des Himmels. Der kannte ja ansonsten nur die dunklen dumpfen Räume zuhause. Und jetzt das Licht! Und dieser Engel mit seinem Lächeln! Dem gelingt, was wir heute gern „Willkommenskultur“ nennen: Willkommen im Haus Gottes. Willkommen in Gottes Lebensart, in einem erlösten Leben, das Freude ausstrahlt und Heiterkeit. Der himmlische Hüter an der Tür sperrt nicht aus, er lädt ein, er „lockt hinein“ in eine erlöste Welt.

Ich frage mich: Hat die Christenheit diese Einladung angenommen? Wenn ja, dann kann sie es gut verbergen: Die Sorgenfalten stehen ihr auf der Stirn, die Mundwinkel weisen oft nach unten. Eine Frohe Botschaft wird in den Kirchen vorgelesen, aber viele Gläubige schauen so drein, als hätten sie Zahnschmerzen. „Erlöster müssten sie aussehen, die Christen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte“ , urteilte der Philosoph Friedrich Nietzsche. Der Weg zum Glauben war ihm und anderen verstellt durch ein moralinsaures, freud- und humorloses Christentum, das eher nach Weinen und Klagen klang als nach Freude und Lachen.

Ja, es könnte so anders sein! Ich mag daher sehr den Text des verstorbenen Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin

in meinem kleinen Reich?

Ich sing und tanze her und hin

vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin

an vielen dunklen Tagen?

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,

will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert

und mich kein Trübsinn hält?

Weil mich mein Gott das Lachen lehrt

wohl über alle Welt.

Ob Gott wohl selber auch lacht, fragte ich einmal in einem Kreis. Ja sicher, mindestens lächeln würde er, so meinte man einhellig, wie sonst könnte er die Welt und uns Menschen aushalten?

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Trotz allem, was mir auf die Seele drückt. Das Lachen – vor allem das Lachen über mich selbst – verändert den Blick, lässt mich über den Dingen stehen und schafft einen Abstand zu den Sorgen und düsteren Gedanken. Sie lösen sich nicht auf – aber sie halten mich nicht gefangen. „Sorgt euch nicht um morgen“, so sagt es Jesus in der Bergpredigt (Mt 6,34). Der Humor kann mich wieder auf den Boden bringen, mich herausholen aus Illusionen und dem ständigen Kreisen um das eigene Ich. Das unbeschwerte frohe Lachen kann daran erinnern, dass wir erlöste Menschen sind.

Der Papst meiner Kindheit, Johannes XXIII, war ein fröhlicher Mensch. In den ersten Wochen nach seiner Wahl fühlte er sich ganz überfordert und konnte deshalb nicht schlafen. Da hörte er einen Engel sagen: Giovanni, nimm dich nicht so wichtig! Vielleicht war das der Engel von Reims, der Engel mit dem himmlischen Lächeln! Wer weiß?

Ich wünsche Ihnen, dass dieser Engel Sie „ansteckt“ mit seiner heiteren Freude – an der Schwelle zum neuen Tag.

Johannes Broxtermann aus Lüdenscheid.

* Vgl. Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Teil zwei: Von den Priestern (Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, S. 350).

** Hans Dieter Hüsch, Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage. Tvd 2014.

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