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Hörmal | 12.04.2015 | 07:45 Uhr

Der Leib Christi schmeckt fade

Ich weiß noch, wie ich meine erste Kommunion bekommen habe. Es war am Weißen Sonntag, also der Sonntag nach Ostern. Der Tag, an dem in der katholischen Kirche traditionell die erste Heilige Kommunion gefeiert wird. Ich saß rausgeputzt wie noch nie in einem Anzug in der Kempener Paterskirche. Zusammen mit den anderen Kommunionkindern waren wir ganz vorne beim Pastor.

Die Liturgie schritt voran. Zuerst die Lesungen, dann die Predigt über das, was uns erwartet. Dann die Gabenbereitung. Wir fieberten dem großen Moment entgegen. Endlich die Wandlung. Und dann sollte das eintreffen, auf das wir monatelang vorbereitet wurden. Endlich sollten wir auch teilnehmen an dieser Mahlgemeinschaft. Am Leib Christi, wie uns noch einmal gesagt wurde. Und dann kam der Moment, als ich das Brot, den Leib Christi, in meinen Mund legte. Auch wenn wir vorher schon die Oblaten probiert hatten, so erwartete ich doch gerade jetzt, dass sich da irgendetwas tun würde. Der Himmel öffnen oder sonst was. Irgendetwas Magisches. Etwas Heiliges. Denn warum sonst ließ man uns so lange darauf warten?

Und dann biss ich zu. Und ich weiß nicht, ob ich das damals schon so hätte in Worte fassen können, aber das Wort trifft es am besten: Der Leib Christi schmeckte ... fade.

Das war kein magischer Moment. Kein Geschmacksknospenerlebnis oder eine innere Seelenexplosion, die da stattfand. Bei anderen mag es so gewesen sein – ich kann ja nur für mich sprechen. Bei mir schmeckte er vor allem: fad. Und bei all diesem großen Fest rundherum – Geschenke gab es genug – war ich schon etwas enttäuscht. Das sollte es gewesen sein – mit diesem Brot? Irgendwie hatte ich mir mehr versprochen. Und vielleicht ebbte mein Eifer zur Kommunion zu gehen gerade deswegen schneller ab, als ich mir das vorher gedacht hatte. So eine monatelange Vorbereitung auf dieses Fest. Und dann nur dieses einfache Brot: Aus der Zauber. Irgendwie war die Magie dahin.

Heute sage ich mir: Das war auch gut so. Die Erstkommunion ist das Fest, an dem die katholische Kirche sagt: „Du gehörst jetzt zu den Großen“ – und das sagt sie selbst 10-Jährigen. Und zum Glauben der Großen – der Erwachsenen – gehört es auf eine Art, dass man sich vom Magischen löst, von falschen und überhöhten Erwartungen. Denn Glauben ist kein Hexenwerk. Und das Geheimnis des Leibes Christi kann man nicht herausschmecken, wie die Genialität in einem Drei-Sterne-Menü.

Das Geheimnis Gottes liegt allzu oft im Unscheinbaren, im Faden. Ja, sogar in den Enttäuschungen. Denn gerade hier sagt Gott: „Ich bin da“. Und genau das hat Jesus ja auch gesagt, als er beim Abendmahl das Brot nahm und es seinen Jüngern rumreichte und darauf zeigte: „Hier: Ich bin da.“ Dieses „Hier: ich bin da“ – das habe ich bislang öfter erfahren dürfen. Meist ebenso unscheinbar wie die Erfahrung, dass dieser Leib Christi kaum nach etwas schmeckt. Aber es stärkt mich. Und ich habe über die Jahre daran Geschmack gefunden.

Und daher gehe ich heute noch immer zur Kommunion. Nicht enttäuscht darüber, dass sie fad schmeckt, sondern eher froh darüber. Denn ich weiß ja: genau dort: auch im Faden, im Unscheinbaren – ist er da.

Copyright Vorschaubild: gravitat-OFF (flickr) CCBY 2.0

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