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Kirche in WDR 2 | 10.04.2014 | 05:55 Uhr

Der liebe Gott und die Theodizee

Vor einiger Zeit habe ich eine ältere Frau besucht. Sie hat ihren Sohn verloren, ganz plötzlich. Er ist gestorben ohne erfindlichen Grund, in voller Blüte des Lebens. Bald hätte er alles geschafft, wovon er geträumt hatte, doch nun scheint alles hin. Warum durfte er seinen Traum nicht verwirklichen?

Immer wieder höre ich von anderen Katastrophen: Von den Folgen ökologischer Verbrechen, die tausenden von Menschen Hab und Gut, ja Leib und Leben kosten. Von den Opfern häuslicher Gewalt. Von Krankheiten, die einem jede Freude rauben.

Immer wieder: Warum? Wie kann Gott das zulassen? Warum ausgerechnet ich? Warum gerade jetzt? Warum mischt er sich nicht ein – in den Tod, in das Leid der Kinder, des Krieges? Auf diese Fragen habe ich auch keine Antwort. Mein Glaube duckt sich ein wenig, wenn ich so etwas höre. Und mein Halleluja klingt etwas leiser als sonst. Sicher, das meiste Leiden, das haben Menschen zu verantworten, das kann man nicht einfach Gott in die Schuhe schieben. Aber es gibt ein Leiden, das mich fragen lässt: „Wo warst du, Gott?“ „Lieber Gott, warst du denn wirklich lieb, als...“

Als Kind habe ich zum „lieben Gott“ gebetet. Als Erwachsener habe ich in die Bibel geschaut und gemerkt, dass es DEN lieben Gott gar nicht gibt. Gott ist barmherzig, allmächtig, heilig und geheimnisvoll – aber niemals einfach nur „lieb“. Das ist zu billig. Das trägt nicht. Weil es nicht hineinpasst – ins wirkliche Leben.

Mein Glaube hilft mir nicht, das Leid zu verstehen. Aber ich glaube fest, dass er mir hilft, das Leben zu bestehen. Ich bleibe zuversichtlich, auch wenn es schwer wird für mich und andere. Nicht verstehen, aber bestehen; konkret: mitleiden können und irgendwo helfen, das es besser wird. Oft werde ich gefragt: „Wie kann man angesichts des Leidens in der Welt überhaupt noch an Gott glauben?“ Meine Antwort: „Nur weil es einen Gott gibt, kann ich das Leiden überhaupt ansehen. Und mich für die Leidenden einsetzen.“

Der Gott, an den ich glaube, hat nicht weggeschaut, hat mitgelitten, als sein Sohn am Kreuz hing. Er hat ihn nicht im Tod gelassen. Gott hat Jesus auferweckt. Gerade weil es diese Hoffnung gibt, nehme ich das Leben an, so wie es ist. Weil es einen Himmel gibt, gebe ich die Erde nicht auf. Weil später einmal alles gut wird, soll jetzt schon manches besser werden.

Copyright Vorschaubild: olliknipst CC BY-SA 2.0 (flickr)

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