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Kirche in WDR 2 | 24.11.2014 | 05:55 Uhr

Der richtige Zeitpunkt

Vor mir im Laden steht eine Mutter mit ihrer etwa dreijährigen Tochter im Einkaufswagen. Die Verkäuferin reicht der kleinen Nachwuchskundin eine Brezel über die Theke. Die Mutter lächelt ihre Tochter motivierend an und fragt: Wie heißt das Zauberwort Ruth? Worauf die Kleine ohne zu Zögern antwortet: SCHNELL!.

Die kleine, schlagfertige Dame ist ehrlich und spricht das aus, was wir Erwachsenen uns auch in den meisten Situationen wünschen: Es soll schnell gehen. Wir lieben es, wenn die Dinge gleich passieren, „zeitnah“ erledigt werden. Das Schlangenstehen ist nicht unsere Sache. Sekundenkleber. Passfotos in 15 Minuten, Kaffee-to-go, Express Nagellack. Müssen wir warten, suchen wir nach Möglichkeiten, uns die Wartezeit zu verkürzen. Mittlerweile erleichtert uns die Technik diese erzwungenen Leerzeiten. Da gibt es z.B. die Schöner-warten-App. Die App enthält eine bunte Mischung an literarischen Texten, mit denen man die Wartezeit überbrücken kann.

Doch SCHNELL ist gar nicht immer die Lösung. Manchmal dauert es Jahre bis er kommt, - der richtige Zeitpunkt. Kairos (griechisch ) ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung. In der griechischen Mythologie wurde der günstige Zeitpunkt als Gottheit personifiziert.

Wann ist der richtige Augenblick, um die Freundin zur Rede stellen, den Job zu kündigen, die Beziehung zu beenden, ein Kind zu bekommen? Seit Menschengedenken versuchen wir, den richtigen Zeitpunkt zu erforschen, auch deswegen kam es zur Sterndeuterei, den Horoskopen. Der richtige Zeitpunkt hat aber ein Eigenleben. Er lässt sich nicht schubsen oder erzwingen. Schon gar nicht in unseren sozialen Beziehungen. Die kann man nicht beschleunigen. Martin Luther soll einmal gesagt haben: Das größte Schöpfungswunder ist, dass sich die Dinge selber machen.

Man kann den goldenen Zeitpunkt nur entspannt abwarten und darauf vertrauen, dass er kommt. Aber man kann sich für ihn sensibilisieren und erkennen, wann die inneren und äußeren Umstände bestmöglich zusammenpassen. Dafür muss man sich und seine Umwelt im Auge behalten. Auf den eigenen, inneren Rhythmus hören. Wir kennen das von unserem Körper. Wenn wir unsere innere Uhr missachten, werden wir müde, unkonzentriert und schlecht gelaunt. Sogar unsere Zellen besitzen eine innere Uhr. Sich dagegen zu wehren, macht krank.

Jesus sagt "Seid klug wie die Schlangen". Diese Tiere sind äußerst anpassungsfähig und sie warten ab, bis der entscheidende Augenblick da ist. - Klug meint also: Wissen, wann und wie man sich in seine Umgebung einfügt und dann im richtigen Moment zu handeln. Wer zur falschen Zeit auf Fang geht, der kommt mit leeren Händen zurück.

Alles hat eine Zeit, eine bestimmte Stunde. Setzen wir uns selbst keine Fristen. Seien wir nett zu uns und warten einfach ab. Lassen wir uns nicht von dem Geplapper unserer inneren Stimmen, die auf Eile drängen, beunruhigen. Der richtige Moment kommt! Im Neuen Testament kann man auch etwas für die Wartezeit lernen. Dort wird nicht einfach dahingewartet, sondern auf etwas hingewartet, auf eine bessere Zukunft, auf das Einlösen der Versprechen Gottes, das Versprechen einer besseren Welt. Sehen wir die Zeit bis zum richtigen Augenblick als Vorspiel und genießen wir die Vorfreude.

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