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Kirche in WDR 5 | 13.08.2015 | 06:55 Uhr

Der Samariter

Guten Morgen!

Barmherzigkeit ist eines der zentralen Themen in den großen Geschichten die Jesus erzählt. Papst Franziskus hat diese Tugend immer wieder in seinem Pontifikat betont. Kein Wunder, dass die Barmherzigkeit auch im Zentrum der Bischofssynode im Oktober in Rom steht zum Thema der Ehe und Familie. Das deutsche Wort Barmherzigkeit deutet noch sehr schön an, um was es denn eigentlich geht: Das Herz, die Mitte, das eigentliche Wesen eines Menschen in den Blick zu nehmen, und nicht stehen zu bleiben an seinen äußeren Taten, Fehlern, Sünden und Unzulänglichkeiten. Im Grunde ist der Gedanke einfach und gerade bei Eltern ganz natürlich zu beobachten: Das Kind wird doch angeschaut mit den Augen des Herzens, nicht mit den Kriterien von Leistung und Erfolg. Wenn ein Kind eine kostbare Vase zerschlägt, sei es unabsichtlich, sei es mit Absicht, bleibt es doch sicher immer und vollkommen das Kind seiner Eltern, bleibt es sicher in der Liebe der Eltern, ihrer Zuwendung und Hilfe beim Wiedergutmachen des Schadens und auch beim Einsehen der Schuld.

Was in der Familie mehrheitlich sicher als selbstverständlich anzusehen ist, das kennt im Strafrecht sogar auch eine Ausformung: wenn nämlich Rechtsstaat von Resozialisierung spricht. Bei der Resozialisierung erhält jeder Mensch jederzeit und bis in die letzte Minute seines irdischen Lebens hinein jede erdenkliche Hilfe zu Reue und Umkehr und Einsicht und Besserung. All das ist umschrieben mit Barmherzigkeit. Und die bildet demnach den innersten Kern des Rechtes, das auf Einsicht und Besserung setzt, nicht allein und gar nicht zuerst auf Sühne und Strafe.

Was Barmherzigkeit konkret bedeuten kann, dass zeigt besonders eindrucksvoll und besonders wirkmächtig in der Geschichte der Menschheit die Erzählung vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium: Ein Mensch fällt unter die Räuber, unter – so könnte man sagen – die Wegelagerer des Lebens. Das Wegelagerertum von heute verstehe ich so: überfallen von Untreue, überfallen von Habsucht oder überfallen von Ehebruch, überfallen von Neid oder überfallen von Misstrauen, überfallen durch die Ungnade der Geburt in zerfallenden Staaten oder überfallen durch die Ungunst des Lebens in zerfallenden Freundschaften. Keinem bleibt sein Lebensschicksal erspart. Jetzt der rettende Gedanke der Geschichte: Könnte es sein, dass der überfallene Mensch nicht liegen bleiben muss in der tödlichen Falle seines Schicksals eines zerfallenden Lebens? Auch wenn zunächst alle vorübergehen und mit den Achseln zucken? Die Freunde und Nachbarn, auch die Kirche? Könnte es sein, dass jemand vorbei kommt, der schlicht und einfach denkt: Wer, wenn nicht ich? Der denkt: Wärest Du selbst unter die Wegelagerer gefallen, wie sehr würdest Du Dir Hilfe wünschen? Könnte es sein, dass jemand vorbei kommt, der versucht das Herz des überfallenen Menschen zu sehen und wiederzuentdecken? Der sich nicht mit Fragen der Ursachenforschung begnügt: Wie konnte es so weit kommen? Sondern der Zukunftserforschung in Angriff nimmt: Wie kann es zum neuen Anfang und zum neuen Leben kommen? Es müsste ein Mensch sein, der Mut hat, etwas anzupacken; es müsste ein Mensch sein, der ein Herz hat und auch etwas Zeit; es müsste eben ein Mensch sein, und nicht einfach nur ein Roboter oder eine fern gelenkte Maschine, ein anonymes System gar oder eine Sozialversicherung. Es müsste ein Mensch sein, der noch nicht abgehärtet ist gegen die Wechselfälle des Lebens und noch nicht allzu enttäuscht ist über die scheinbare Vergeblichkeit des Mitleids. Es müsste einer sein, der einfach barmherzig ist.

Aus Paderborn grüßt Sie Monsignore Peter Schallenberg

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