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Kirche in WDR 2 | 24.09.2014 | 05:55 Uhr

Der Schutzpatron der Inklusion

Philipp geht aufs Gymnasium. Das ist keineswegs selbstverständlich. Als er ein Baby war, merkten seine Eltern, dass er nur mit viel Mühe krabbelte. Treppenstufen kam er überhaupt nicht hoch und ans Laufen war gar nicht zu denken. Philipp leidet unter einer seltenen Erbkrankheit, die seine Muskeln schwächt. Sein Leben lang wird er auf den Rollstuhl angewiesen sein. Alle paar Monate kommt er nach Köln, um in der Uniklinik an Geräten zu üben, die eigentlich dazu gedacht sind, Astronauten für die Schwerelosigkeit zu trainieren. Es gibt heute einige viel versprechende Therapien, die Philipps Leben erleichtern und verlängern können.

Vor fast 1.000 Jahren sah die Zukunft schlecht aus für ein Kind mit „spinaler Mus-kelatrophie“ – so heißt die Krankheit. Damals litt ein Mann namens Hermann auch darunter. Er lernte nie gehen, war sein ganzes Leben an einen Tragestuhl gebunden und konnte nur schwer verständlich sprechen. Trotzdem war er ein ganz besonderer Mensch. Seine Eltern spürten das von Anfang an. Mit sieben Jahren kam er ins Kloster Reichenau, wo er später das Mönchsgelübde ablegte.

Hermann war trotz seiner Beeinträchtigungen ein guter Schüler. Er ließ sich nicht unterkriegen, sondern machte das Beste aus seinen Talenten: Er studierte Geschichte, Musik, Mathematik und Astronomie. Als ausgezeichneter Kenner dieser Wissenschaften schrieb er sogar einige Bücher. Er wurde 41 Jahre alt und starb heute vor 960 Jahren. Auf der Reichenau wird er als „Hermann der Lahme“ verehrt.

Dabei bewundern die Menschen nicht nur seine geistige Größe, sondern auch sei-nen Mut, seine Beharrlichkeit und sein Gottvertrauen. Für mich ist er ein früher

„Patron der Inklusion“. Dass sein Leben trotz Behinderung so erfolgreich werden konnte, hatte Hermann vielen Menschen aus seinem Umfeld zu verdanken. Seine Eltern und Mitbrüder haben ihn im wahrsten Sinne des Wortes „getragen“.

Ohne ihre Unterstützung hätte aus ihm wohl nie ein Gelehrter werden können. Auch Philipp, mein Bekannter, wird heute von seinen Eltern und Mitschülern „getragen“. Er erlebt eine fast ganz normale Kindheit. Hermann von der Reichenau ist sein Vorbild. Denn manches hat sich in 960 Jahren nicht verändert. Sich aufeinander verlassen zu können, ist heute genauso wichtig wie früher.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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