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Kirche in WDR 2 | 20.01.2016 | 05:55 Uhr

Der Seewandel

Drei Pfarrer, ein evangelischer, ein katholischer und ein orthodoxer, stehen in Israel am See Genezareth und schauen über das Wasser. „Es muss genau hier gewesen“, sagt der Katholik ehrfürchtig, „dass Jesus damals über das Wasser gegangen ist.“ – „Stimmt, und er hat auch gesagt, dass wir ihm nachfolgen sollen“, sagt der Protestant und macht sich sofort auf über den See. Der Katholik folgt ihm und beide kommen sicheren Fußes über das Wasser ans andere Ufer.

Der dritte zögert nun ein wenig, sieht aber die Kollegen am anderen Ufer stehen und winken. Dann nimmt er seinen Mut zusammen – „Was die können, kann ich auch“ – und geht los. Kaum auf dem Wasser bricht er ein, patschnass, und muss ans andere Ufer schwimmen. Dort sehen ihn die beiden anderen. Sagt der Protestant zum Katholik: „Hätten wir dem Bruder vielleicht besser doch sagen sollen, wo die Steine liegen!“

Soweit die Geschichte. Sie ist natürlich ein Witz. Und wer von den drei Geistlichen untergeht, der evangelische, katholische oder orthodoxe, das ist beliebig austauschbar. Je nach dem, wer den Witz gerade wem erzählt. Aber die Botschaft ist eindeutig: Man sollte im Leben wissen, wo die Steine liegen.

Allerdings, es gibt noch eine kleine Fortsetzung: „Hätten wir dem Bruder vielleicht besser doch sagen sollen, wo die Steine liegen“, sagt der eine von den beiden, die trocken über den See gekommen sind. Fragt der andere zurück: „Welche Steine?“

Für mich hat dieser Witz zwei Aussagen: Die erste: Wir sollten wissen, wo im Leben die Steine liegen. Das muss man lernen. Dafür braucht es Menschen, die einem das zeigen. Und da geht es nicht nur um Pfarrer oder Priester. Ich denke an Eltern, auch an Lehrerinnen und Lehrer, an gute Freunde. An solche, die mich an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen.

Und ich glaube, dass diese Steine, auf denen man sich über die Untiefen des Lebens hangeln kann, Menschen sind. Und zwar die, auf die ich mich verlassen kann. Sicherheit hat mit Vertrauen zu tun. Ich wünsche mir Freunde, die nicht schadenfroh sind, wenn ich baden gehe. Die gibt es genug in unserer „Pleiten, Pech & Pannen-Gesellschaft“. Da gibt es ja sogar eigene Fernsehsendungen, in denen sich Menschen über das Unglück anderer lustig machen. Gut, das kann mal witzig sein, aber als Leitbild taugt es nicht.

Ich wünsche mir Menschen, die mir Tipps geben, wie ich durchs Leben komme. Gerade auch, wenn ich mich „auf hohe See“ traue, also neue Wege gehe und nicht weiß, was mich erwartet. Und die das tun, weil sie es gut mit mir meinen.

„Welche Steine?“, lautet die Frage am Schluss. Tja, welche Steine? Vertrauen ist wichtig. Dass mich etwas trägt, was ich nicht sehen kann. Von dem ich nicht genau sagen kann, da ist es. Vertrauen heißt dann Glauben. Das ist für mich die zweite Botschaft dieser Geschichte. Manchmal sind die Steine nicht zu greifen, aber trotzdem da. Sie tragen, wenn ich nur gehe.

Auch das muss man lernen: Ich möchte vertrauen, dass ich nicht untergehe, wenn´s darauf ankommt. Ich möchte vertrauen, dass Gott mich trägt. Mit diesem Glauben erscheint sogar Undenkbares, Wunderbares auf einmal möglich.

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