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Kirche in WDR 4 | 16.12.2014 | 08:55 Uhr

Der Stall

Guten Morgen!

Zu den Dingen, die eine weihnachtliche Atmosphäre verbreiten, gehört meiner Vorstellung nach unbedingt eine Krippe, in der – nicht nur für Kinder – sichtbar und anfassbar wird, was Christen da feiern. Und diese Krippe steht in unseren Wohnungen. Darin liegt doch eine gewisse Spannung: Wir bauen in einem eventuell gut geheizten Raum das Modell eines zugigen Stalles auf. Mir fällt da sofort ein Gemälde von Brueghel oder anderen großen Malern ein, die es ähnlich auf ihre Weise zum Ausdruck gebracht haben. Sie haben das Weihnachtsgeschehen kurzerhand in ihre Zeit verlegt, um es den Menschen zu übersetzen, was da geschieht. Maria, Josef und alle anderen tragen die Kleider ihrer Zeit und der Stall wird zum Bauernhaus. Was uns verkündet wird von der Menschwerdung Gottes, sucht also immer neue Ausdrucksformen, damit die Botschaft die Menschen in jeder Zeit erreichen kann.

In unserer Gemeinschaft hilft uns ein alter Klosterbrauch, mit der weihnachtlichen Botschaft in der Zeit des Advent immer wieder unseren Alltag mit einzubeziehen. Zu Beginn der Adventszeit zieht jede Schwester eine der Figuren. Und mit dieser Figur geht sie durch den Advent. So wird auch eine Schwester mit dem Bild des Stalles auf den Weg geschickt. Und diesen Stall möchte ich Ihnen heute mitgeben.

Zwar fand ich in den Evangelien keinen Stall, wohl ein Haus, in das die Sterndeuter eintreten und dort Maria und das Kind finden. Aber es ist von einer Krippe die Rede, was an eine Futterkrippe denken lässt. Und dass die Hirten von den Feldern Bethlehems so einfach und unkompliziert bei Maria, Josef und dem Kind auftauchen konnten, lässt auch eher an Stall als an Haus denken.

In den verschiedenen Krippendarstellungen ist dieser Stall ein recht zugiges Gebilde, gerade mal ein Unterschlupf. Ungemütlich, höchstens Schutz gegen das gröbste Unwetter. Der Wind dringt durch die Ritzen und vielleicht auch die Feuchtigkeit.

Das ist etwas, was wir aus unserem Alltag kennen, auch wenn wir äußerlich vielleicht im Warmen sitzen. Da gibt es unser Lebenshaus, einerseits fest und solide gefügt, aber zugleich an anderen Stellen voller Brüche und Risse. Jeder hat gelungene Seiten in seinem Leben, die Lebensraum geben. Aber genau so hat auch jeder die zerbrochenen und schwachen Stellen, an denen es zieht und wir uns nicht wirklich niederlassen mögen. Und genau das ist der Ort, an dem Gott Mensch werden will.

Dann gibt es auf der Welt die unzähligen Menschen, die sich freuen würden, wenigstens einen Stall zum Leben zu haben. Flüchtlinge, wohin wir schauen. Flüchtlinge, die aus ihrem Land, ihrer vertrauten Lebenssituation fliehen müssen, um irgendwo anders einen Raum zum Leben zu finden. Dann aber auch die Flüchtlinge, die ständig auf der Flucht aus ihrem eigenen Leben sind und nirgendwo wirklich ankommen. Gehetzte, heimatlose Menschen, die einen Ort für sich suchen, vielleicht würde ihnen schon ein Stall genügen.

Auf Weihnachten hin mit dem Bild des Stalles durch den heutigen Tag zu gehen, das öffnet den Blick für all die Orte, an denen Menschwerdung geschehen will. Orte in meinem eigenen Leben, an denen ich mich trauen darf zu sein, die ich bin. Und Orte, die ich öffne für andere, um ihnen zu helfen, das Kind in der Krippe finden zu können.

Mut zu ihrer eigenen Lebenssituation, auch wenn sie vielleicht einem zugigen Stall gleicht, wünscht Ihnen für heute Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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