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Kirche in WDR 2 | 17.12.2018 | 05:55 Uhr

Der Tannenbaum

Wenn ich an die Weihnachten meiner Kindheit denke, dann fallen mir Plätzchen backen ein und Teig naschen, Schneemänner bauen und Schlittenfahren, Weihnachtsfilme gucken und vor allem: Tannenbaumschmücken.

Schon das Aussuchen des geeigneten Baumes auf dem Weihnachtsmarkt war ein halber Staatsakt: War der ideale Baum gefunden, wurde er auf’s Autodach gebunden und nach Hause transportiert.

Den Baum zu schmücken war bei uns eine Familienaktion.

Und wir entwickelten jedes Jahr aufs Neue den Ehrgeiz, allen, aber auch wirklich allen Baumschmuck, den wir hatten an den Baum zu bringen. Unmengen an Kugeln, Zapfen Nüsse, Zuckerstangen und Sternen wanderten so ins grüne Geäst.

Und am Ende kam Lametta – so viel, bis man ungelogen kein Fitzelchen Grün mehr sehen konnte und die Zweige des Baumes sich unter dem Gewicht nach unten bogen.

Der erste eigene Baum zu Studienzeiten sah da schon ganz anders aus.

In der Wohnküche des Studentenwohnheimes lehnten wir einen Baum an die Wand, der beim Weihnachtsmarkt keinen Käufer gefunden hatte – und so sah der auch aus: Krumm und schief, vertrocknet und schon fast kahl. Ausgekochte Teebeutel und leere Bierflaschen hängten wir an seine Äste. Und anstelle von Lametta umwickelte ein Mitbewohner den Baum mit Stacheldraht. So stand – nein lehnte- er da: Ein Sinnbild jugendlichen Protestes gegen all die idyllischen Weihnachten unserer Kindheit. Wir würden das anders machen, das war klar.

Und überhaupt: was hatte denn bitteschön ein geschmückter Tannenbaum mit der Botschaft von Weihnachten zu tun?

Den ersten Weihnachtsgottesdienst in der ersten Pfarrstelle werde ich nie vergessen.

Die Kirche war prächtig geschmückt: ein riesiger Weihnachtsbaum mit Strohsternen und Glaskugeln und wieder: Jede Menge Lametta. Au Backe – das kannte ich noch von früher.

Pikanter Unterscheid: Der Baum in der Kirche hatte echte Kerzen.

Während des Gottesdienstes las ich aus dem Buch des Propheten Jesaja:

„Das Volk, das im Finsteren wandelt sieht ein großes Licht. Und über denen, die im finsteren Lande wohnen, scheint es hell.“ Bibelstelle angeben

Während ich las, sah ich aus dem Augenwinkel, dass eine der Kerzen heruntergebrannt war.

Kurz darauf fing der Baum tatsächlich Feuer und ich sah uns alle schon in einem Inferno aus brennendem Baum und schmelzendem Lametta zugrunde gehen.

Der Küster hatte allerdings den aufsteigenden Rauch gesehen und den kleinen Brand mit dem bereit stehenden Wassereimer gelöscht.

Seitdem sehe ich die festlich beleuchteten Weihnachtsbäume mit anderen Augen, wenn die Botschaft des Propheten Jesaja im Weihnachtsgottesdienst verlesen wird:

Das Volk das im Finsteren wandelt sieht ein großes Licht.

Natürlich meint Jesaja nicht den brennenden Tannenbaum.

Aber der beleuchtete und geschmückte Weihnachtsbaum ist ein Symbol der Hoffnung, die der Prophet hatte und die er mit uns teilen will.

Es wird nicht ewig finster bleiben. Mag es uns noch so sehr scheinen, dass die dunklen Seiten und Mächte immer den Sieg davon tragen: Das Licht der Hoffnung, dass die Weihnacht auch mit ihren Bäumen verkündet, wird am Ende stärker sein.

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