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Kirche in WDR 5 | 10.06.2017 | 06:55 Uhr

Der Weder-Noch Engel

Guten Morgen!

‚Die Hölle‘, so hieß im Volksmund das kleine Tal zwischen dem Dorf, in dem ich Pfarrer war und dem Nachbarort. Für die meisten Leute, war das nur einer von vielen komischen Flurnamen wie Wolfsanger oder Hasenhecke. Der Weg durch die Hölle war eigentlich ein hübscher Spaziergang.

Entlang der Hauptstraße, wo die Autos fuhren, waren die zwei Dörfer auch fast schon zusammengewachsen. Aber natürlich weiß man auf dem Dorf wo man hingehört und wo nicht. Und dass die da drüben irgendwie – naja – anders sind, weiß man auch.

Und die Älteren erzählten wie sich in ihrer Kindheit die Jungs und jungen Männer geprügelt hätten, wenn einer ins jeweils andere Dorf kam. Zum Beispiel auf dem Weg zum Konfirmandenunterricht oder in die Stadt. Und natürlich auch dann, wenn ein Junge vom Nachbardorf jenseits der Hölle mit einem Mädchen aus dem eigenen Dorf ging.

Hier das eigene, da das andere. Wir hüben, die drüben. Dieses Spiel wird nie alt, nicht zwischen Dörfern, Ländern und Stadtvierteln, und nicht zwischen Abteilungen einer Firma. Ganz zu schweigen von Religionen; vom Derby beim Fußball oder vom Wahlkampf.

Und es ist ja auch nützlich, zu wissen, wer wo dazugehört. Es ist wichtig zu wissen, wofür man steht; was man liebt und woran man glaubt. Aber manchmal, da ist es auch eine Hölle von albernen Abgrenzungen, von kaum mehr Hinsehen und gar nicht mehr Zuhören oder sogar von blanker Gewalt. Hier das eigene, das das andere. Freund oder Feind. Entweder Oder. Wir oder die.

Das Buch Josua in der Bibel hat viel von dieser Entweder-Oder-Logik. Es erzählt wie das Volk Israel in das Land kommt, das Gott versprochen hatte und sich das Leben dort doch erkämpfen muss. Wie in jeder guten Heldengeschichte: Das wirklich Kostbare gibt es nicht umsonst, du musst dich entscheiden, es wollen mit aller Kraft, dich einsetzen auch gegen Widerstände. Man muss kein Hobbit oder Elbenkrieger sein, um zu ahnen: da ist was dran und spürt zugleich: Das ist eine zweischneidige Sache:

Mit dem Kampf für das Gute, ist beinahe schon jede Teufelei gerechtfertigt worden. Und wenn du die Welt nur noch nur noch in schwarz oder weiß sehen kannst, ist da bald kaum noch etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Noch vor dem ersten Kampf im Josuabuch steht eine merkwürdige Geschichte. Josua der, Anführer Israels, begegnet auf dem Feld einem Mann mit gezücktem Schwert und stellt die einzig mögliche und einzig nötige Frage: „Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?“ Aber der Mann antwortet: Schlicht und einfach: „Nein! Ich bin der Fürst der Engel Gottes.“

Freund oder Feind? Wir oder die? Entweder oder? – Nein. Einfach nein! Gott spielt nicht mit. Noch nicht einmal bei den Guten. Er stört die albernen Wir-Gegen-die-Spiele. Gott schickt einen Weder-Noch-Engel, der neu denken, neu sehen und neu hinhören lässt.

„Da fiel Josua auf sein Angesicht, betete und sprach: Was willst du mir sagen, Gott?“ Wo ich wohl heute so einen Weder-Noch-Engel nötig habe? Oder selbst einer werden könnte?

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