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Hörmal | 10.01.2016 | 07:45 Uhr

Der Würfel ist gefallen

„Alea iacta est!“ – „Der Würfel ist gefallen!“ – So soll Caesar genau am 10. Januar im Jahre 49 vor Christus gesagt haben. Damals hatten seine Soldaten den kleinen Fluss Rubicon in Mittelitalien überschritten und marschierten auf Rom zu. Das war Revolution, denn keinem Feldherrn war es zu dieser Zeit erlaubt, mit seinen Soldaten gegen Rom zu ziehen. Aber für Caesar war das der entscheidende Schritt zur Alleinherrschaft. Kurz zuvor soll Caesar noch zögerlich gewesen sein und gesagt haben: „Noch gibt es für uns ein Zurück; haben wir aber diesen Steg erst einmal überschritten, dann gibt es nur noch eine Lösung: Krieg.“

In Caesars Biographie heißt es, den Befehl zum Aufbruch habe nicht er gegeben, sondern er sei auf wundersame Weise durch einen Unbekannten erfolgt, so dass es wie ein Schicksalsschlag für Caesar kein Zurück mehr gab. Im Nachhinein soll Caesar diesen Aufbruch aber doch noch begründet haben mit den Worten: „Man soll dorthin gehen, wohin der Götter Zeichen und die Ungerechtigkeit der Feinde einen rufen. Der Würfel ist gefallen.“

Ich weiß nicht, ob Caesar überhaupt gewürfelt hat, um Entscheidungen durch ein Zufallsprinzip herbeizuführen. Aber so, wie Caesar das Bild von dem gefallenen Würfel hier verwendet hat, bedeutet es ganz klar: Diese Entscheidung ist unumkehrbar, komme, was wolle! Es gibt kein Zurück mehr!

Und: Dahinter steht ein göttliches Zeichen und sogar die Verpflichtung, gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen, wie Caesar es formuliert hat.

In diesen Tagen bekommt die Geschichte von Caesars Kriegsentscheidung für mich eine erschreckende Aktualität: Spätestens seit den Anschlägen von Paris wird auch wieder von Krieg geredet. Gibt es da auch kein Zurück mehr? Gott bewahre, dass es dann wieder heißt: „Der Würfel ist gefallen“.

Aber nicht nur, wenn es um Krieg und Frieden geht, frage ich mich: Kann ich durch Würfeln verantwortliche Entscheidungen treffen und sogar begründen?

Ja, in unentschiedenen Situationen, wenn ich eine Entscheidung durch einen Zufall herbeiführen will: Ob es abends ins Kino geht oder in die Kneipe – darüber kann ich natürlich spaßeshalber Knobeln.

Aber sonst? Da muss ich abwägen und ringen, hin- und herüberlegen, zumal wenn es um weitreichende Entscheidungen geht in meinem Leben – wie etwa Lebensform, Partnerschaft und Berufswahl.

Bei Caesars Kriegsentscheidung kommt noch etwas hinzu: Er verband mit dem Würfelentscheid einen göttlichen Hinweis als Bestätigung für das, was dann kam. Aber das ist für mich doch sehr zweifelhaft.

Als ob Gott es fügen würde: Krieg oder Frieden, wie bei Caesar, oder diese oder jene Entscheidung in meinem Leben. Das wäre oftmals für mich sicherlich bequemer oder auch einfacher, als selbst zu entscheiden und die Konsequenzen daraus zu tragen. Nein: Alle, die derart auf göttliche Fügung setzen, setzen die menschliche Freiheit aufs Spiel.

Dagegen wäre es doch viel angemessener, Gott angesichts schwerer Entscheidungen um seine Hilfe zu bitten: Dass er mir in der Entscheidungsfindung beisteht und dann diese meine eigene reiflich überlegte Entscheidung mitträgt. Die Bitte, dass Gott mich in meinem Leben weiter begleiten möge, gilt vor allem dann, wenn der Würfel bereits gefallen ist, sprich, die Entscheidung schon gefällt wurde und ich mit den Konsequenzen leben muss.

*Sueton, Divus Iulius, 31, in: De Vita Caesarum, dt. Übersetzung Hans Martinet, Das Leben der römischen Kaiser, Düsseldorf 2001, 33f.

Ebd. Divus Iulius, 32f, Martinet, 34.

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