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Sonntagskirche | 04.09.2016 | 08:55 Uhr

Die Arbeitsdusche

Guten Morgen!

„Mit der Arbeit ist es wie mit einer Dusche ohne Aus-Knopf.“ Meine Freundin ist sauer. Gerade habe ich ihr mal wieder gesagt: „Nächste Woche habe ich leider keine Zeit.“ Ihre Antwort: „Mit der Arbeit ist es wie mit einer Dusche ohne Aus-Knopf“ kommt liebevoll direkt. Sie bringt mich zum Grübeln.

Ich liebe meine Arbeit. Es ist schön, eine Aufgabe zu haben. Arbeit erfüllt mich. Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden und Erfolgserlebnisse zu haben.

Arbeit als Wasser, das immer weiter aus der Dusche läuft. Und läuft. Und läuft.

So ein Wasserstrahl, der nicht aufhört, kann aber auch schnell schon mal zum Wasserfall werden. Einem ziemlich heftigen sogar. Zu so einem, unter dessen gewaltiger Wucht man nicht mehr aufrecht stehen kann. Oder wenn, dann nur eine kurze Zeit.

Vielleicht gilt das für alle Aufgaben. Mir geht das oft so: Es gibt Tage, da genieße ich die Arbeit und alle anderen Aufgaben wie eine belebende Dusche am Morgen. Doch dann: Die Aufgaben vermehren sich.

Rinnen unablässig. Dusche ohne Aus-Knopf.

Da sind die Aufgaben, die gesellschaftlich relevant sind. Da, wo ich mich ehrenamtlich engagiere - sozial oder politisch. Dann gibt’s Aufgaben, mit denen ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Die geben mir eine Tagesstruktur vor. Dann sind da die familiären Aufgaben: Kinder begleiten und erziehen. Die alt gewordenen Eltern versorgen. Freunde und Angehörige, die Unterstützung brauchen.

Manche Dinge suche ich mir. Einige Aufgaben kommen ungefragt.

Ist die eine Aufgabe, das eine Projekt erledigt, ist das nächste schon längst da.

Unter der Arbeitsdusche entsteht schnell der Eindruck, dass ich keine Wahl habe. Die Aufgaben prasseln auf mich nieder. Ich kann nur noch auf sie reagieren und sie abarbeiten.

Bestenfalls kann ich noch entscheiden, welche Seite meines Körpers ich dem Wasser hinstrecke.

Bekomme ich alles aufgefangen? Wohl kaum… Die Konsequenz?

Unter dem Wasser werde ich passiv. Ich gestalte nicht, ich reagiere nur noch auf das, was kommt und halte aus. Entspannung? Private Verabredungen? Keine Zeit.

Zudem ist es laut unter der Arbeitsdusche. Die Arbeit macht viele Geräusche. In meinem Kopf plätschert es auch schon: Das muss ich dringend noch machen. Wo kriege ich das noch unter?

„Man muss irgendwann unter dem Wasser wegtreten.“, sagt meine Freundin.

Langsam verstehe ich. Ab und zu brauche ich Abstand. Wenn ich weggehe, wird das Geräusch des Wassers erst mal nur langsam leiser. Ich habe mich an das Rauschen und Plätschern gewöhnt.

Ich kann mir vorstellen, dass es eine ganze Weile braucht, bis es nicht mehr zu hören ist.

Heraustreten aus der Arbeitsdusche, das Wasser der Aufgaben von außen anschauen. Manches fließt auch ohne mich zu einem guten Ziel. Für anderes kann ich vielleicht einen Kanal bauen oder ein Auffangbecken. Es kann später erledigt werden. Wegtreten und von außen draufgucken. Einfach mal etwas ganz anderes machen. Gott befragen.

Das Plätschern in mir zur Ruhe bringen.

Und dann wieder hintreten und mich darauf freuen.

Ich liebe meine Arbeit. Es ist schön, Aufgaben zu haben. Sie können eine Kraftquelle für das Leben sein.

Wie eine Quelle, aus der ich schöpfen kann, um das Leben zu gestalten.

Im Psalm 36 heißt es: „Denn bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens.“ (Psalm 36,9)

Einen guten Sonntag wünscht Ihnen Miriam Haseleu, Pfarrerin in Köln.

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