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Choralandacht | 06.09.2014 | 07:50 Uhr

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Die Erde ist des Herrn (eg 677)

Musik 2: Choral, 1. Strophe

Die Erde ist des Herrn.

Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.

Drum sei zum Dienst bereit,

gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

Sprecherin: Die Erde ist des Herrn.

Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.

Drum sei zum Dienst bereit,

gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Wir haben Zeit - so hat es der Chor eben gesungen. Allerdings haben wir diese Zeit nicht einfach so - zu unserem Vergnügen oder um sie zu verplempern. Sondern Gott hat uns diese Zeit geliehen, damit wir sie nutzen. Für die Erde, auf der wir leben. Denn diese Erde gehört Gott. Niemandem sonst.

So sagt es die erste Strophe des Liedes „Die Erde ist des Herrn“. Sie verweist damit auf Psalm 24. Der beginnt nämlich mit den Worten:

Sprecher: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“ (Psalm 24, 1)

Autor: Bibeltext und Lied sind sich also einig: Nicht wir sind die Herren der Welt. Sondern Gott. Alles, was wir zur Verfügung haben an Raum und Zeit, ist uns von Gott anvertraut worden. Wie etwas total Kostbares, Wertvolles. Und gleichzeitig etwas Lebensnotwendiges. Denn wir können ja nur leben, wenn Gott uns Zeit und Raum gewährt.

Deshalb sind wir dafür verantwortlich, wie wir damit umgehen. Nicht nur wegen der nachfolgenden Generationen, die auch noch Zeit und Raum für ihr Leben brauchen. Sondern auch, weil wir eine Verantwortung vor Gott haben.

Neben diesen Ermahnungen verbreitet das Lied aber auch viel Zuversicht. Es besingt unsere Möglichkeiten: Wir sind tatsächlich in der Lage, unserer Verantwortung vor Gott nachzukommen. Ihr sogar einigermaßen gerecht zu werden. Und zwar jeder von uns - egal, wie alt, wie reich oder wie klug wir sind. Es gibt nur eine Voraussetzung: Wir müssen bereit sein, uns in den Dienst Gottes stellen zu lassen.

Musik 1: Choral, 1. Strophe

Die Erde ist des Herrn.

Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.

Drum sei zum Dienst bereit,

gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

Autor: „Die Erde ist des Herrn“ - das war auch die Losung für den Kirchentag 1985 in Düsseldorf. Vier Tage lang stand dieser Bibelvers im Mittelpunkt zahlreicher Debatten und Diskussionen. Viele Aktionen wurden dadurch ausgelöst und eine Menge Kreativität freigesetzt.

So auch bei Pfarrer Jochen Rieß, der schon im Vorfeld des Kirchentages von diesem Motto inspiriert wurde. Der Satz „Die Erde ist des Herrn“ weckte in ihm so viele Assoziationen, dass er sich spontan hinsetzte und vier Strophen dazu aufschrieb. Nach seiner Erinnerung brauchte er dafür nur etwa 10 Minuten.

Ähnlich spontan entstand die Melodie. Komponiert hat sie Matthias Nagel. Er stieß auf das Gedicht von Jochen Rieß in einem Materialheft für den Kirchentag. Für ihn war sofort klar: „Diese Verse müssen unbedingt vertont werden!“ 20 Minuten später war die Melodie fertig und damit ein neues Lied geschaffen.

Musik 1: Choral, 2. Strophe

Gebrauche deine Kraft.

Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.

Vertraue auf den Geist,

der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Sprecherin (overvoice):

Gebrauche deine Kraft.

Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.

Vertraue auf den Geist,

der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Autor: Tatsächlich geht die Melodie auf einige Besonderheiten des Textes ein. So zum Beispiel beim Taktwechsel in der Mitte und am Ende jeder Strophe. Hier wird aus dem sonst verwendeten 2/2-Takt ein 3/2-Takt. In manchen Liedern sind solche Wechsel etwas sperrig und schwierig zu singen. Hier aber ergibt sich die Veränderung des Metrums ganz organisch, weil auch die entsprechen¬den Textzeilen länger sind.

Dass die Melodie in Moll steht, ist ebenfalls dem Charakter des Textes geschuldet. Matthias Nagel war der Ansicht, dass die vier Strophen zu ernst, auch zu gewichtig seien, um sie in eine einfache, lockere Dur-Melodie zu kleiden. Deshalb hat er sich für den Stil eines Chorals entschieden. Damit wollte er das Nachdenkliche des Textes unterstreichen, der einerseits ermahnt und ganz klar sagt, was zu tun ist. Der andererseits ermutigt. Und damit wirkt er verheißungsvoll, wie ein großes Versprechen. So zum Beispiel in der dritten Strophe:

Musik 1: Choral, 3. Strophe

Geh auf den andern zu.

Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen.

Leg deine Rüstung ab.

Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

Sprecherin (overvoice):

Geh auf den andern zu.

Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen.

Leg deine Rüstung ab.

Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

Autor: Typisch für dieses Lied ist, dass der Imperativ „Geh auf den anderen zu!“ nicht für sich steht, als bloße Aufforderung. Sondern er wird sofort verbunden mit der Aussicht auf das, was möglich ist, wenn wir aufeinander zugehen. Dann entsteht nämlich aus lauter einzelnen Ich’s ein Wir, eine echte Gemeinschaft, in der wir es wagen können, unsere Rüstungen abzulegen. Also unsere harte Schale, mit der wir unser Inneres schützen, unsere Fassade, hinter der wir unsere Fehler verbergen, und auch unsere Vorbehalte, mit denen wir uns von anderen abgrenzen, damit sie uns nicht zu nahe kommen.

All das kann wegfallen und das Lied vermittelt einen wunderbaren Vorgeschmack davon, wie befreiend es ist, wenn wir das alles nicht mehr brauchen. Weil ein¬fach Frieden herrscht zwischen uns Menschen. Nicht bloß Waffenstillstand, der durch Rüstung aufrecht erhalten werden muss, sondern echter Friede.

Musik 2: Instrumental

Autor: Diese Botschaft klingt gut. Aber sofort fallen mir jede Menge Erfahrungen und Bilder ein, die dagegen sprechen: Verwerfungen, Unfrieden, Schuld. In Syrien zum Beispiel tobt der Bürgerkrieg seit mittlerweile 3 ½ Jahren. Alle Versuche, aufeinander zuzugehen, sind bisher gescheitert. Stattdessen sterben immer mehr Menschen, über 150.000 sollen es inzwischen sein. Und auch wenn ich nicht in die weite Welt blicke, sondern etwa in meine Kirchengemeinde, dann gibt’s da ja auch Dinge, die die Gemeinschaft belasten. Alte Geschichten zum Beispiel, die längst erledigt sein müssten und trotzdem immer noch zwischen den Menschen stehen.

Und dann frag’ ich mich: Wie soll ich dagegen angehen? Woher soll ich die Kraft dafür nehmen, den langen Atem, der nötig ist, bis tatsächlich Frieden herrscht?

Musik 1: Choral, 4. Strophe

Verlier nicht die Geduld.

Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke.

Denn der in Jesus Christ

ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Sprecherin (overvoice):

Verlier nicht die Geduld.

Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke.

Denn der in Jesus Christ

ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Autor: In der Tat kann man ja die Geduld verlieren, wenn man in die Zeitung schaut oder die Nachrichten hört. Man kann den Glauben verlieren, dass es eine Chance gibt für den Frieden, für die Gemeinschaft und für die Bewahrung der Schöpfung. Zuviel Schuld, zuviel Versagen, zu große Aufgaben.

Aber genau da ist Gott zu finden. Er ist kein Schönwettergott, den man nur dann antreffen würde, wenn es angenehm ist und sauber. Sondern Gott ist auch da, wo es schmutzig ist und unschön, wo Menschen leiden und wo Menschen sich schuldig machen. Denn Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal. Sondern er begibt sich mitten in unser Schicksal hinein.

Genau das wird ja an Jesus Christus deutlich! Der eben nicht zu den Schönen und Reichen, den Satten und Wohlhabenden gesandt war. Sondern zu den Schuldigen, den Armen, den Kranken, den Ausgegrenzten. Da wird Gottes Kraft gebraucht. Deswegen setzt Gott sie auch genau da ein. Und setzt darauf, dass wir unsere Kraft mit seiner Kraft verbinden.

Musik 2: Choral, 4. Strophe

Verlier nicht die Geduld.

Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke.

Denn der in Jesus Christ

ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Autor: Gott ist am Werk. Auch dann, wenn wir nur Schuld sehen und vergebliche Liebesmühe. Auch dann können wir voll auf Gottes Möglichkeiten vertrauen. Dass er uns genug Zeit gibt, um etwas zu bewegen. Dass er uns genug Mut und Ausdauer gibt, um den Glauben an die Zukunft hochzuhalten. Dass er uns die Kraft gibt, uns für diese Zukunft einzusetzen. So dass wir tatsächlich Schritte auf andere Menschen zugehen können. Alte Geschichten und Vorbehalte überwinden und uns auf die Gemeinschaft mit anderen einlassen.

Und dass wir darauf achten, wie wir mit Gottes Erde umgehen. Zum Beispiel nicht mehr verbrauchen, als wir tatsächlich nötig haben. Das Auto öfter stehen lassen, beim Einkaufen auf die Nachhaltigkeit der Produkte achten oder fair gehandelte Waren bevorzugen. Oder noch ganz andere Möglichkeiten nutzen.

Wenn wir so leben, dann verbindet sich tatsächlich Gottes Kraft mit unserer Kraft. Dann entstehen ganz neue Möglichkeiten. Und dann bleibt die Erde das, was sie ist: Ein Stern, ein wunderbarer Planet, den Gott uns geliehen hat, damit wir und alle anderen Menschen darauf leben.

Musik 1: (instrumental)

Musik I.

CD-Name: Chorlieder im Jahreskreis – Was wir zum Leben brauchen

Track-Titel: Die Erde ist des Herren

Interpret: Christlicher Sängerbund

Leitung: Horst Krüger

Verlag: Verlag Singende Gemeinde Wuppertal

Musik II.

CD-Name: Alte Choräle in neuen Sätzen

Track-Titel: Die Erde ist des Herrn

Text: Jochen Rieß

Melodie: M. Nagel

Satz: Matthias Schlothfeld

Interpret: Westfälische Kantorei Herford

Leitung: Hildebrand Haake

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