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Das Geistliche Wort | 11.10.2015 | 08:40 Uhr

Die frohe Botschaft zu den Menschen bringen

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Mein Name ist Andreas Süß, ich bin Pfarrer in Bensberg und Moitzfeld im Bergischen Land. Wer an einem Samstagabend in einer großen Stadt noch unterwegs ist, mit Einkäufen beschäftigt oder auf dem Weg ins Kino, in ein Restaurant oder in eine Bar zwischen 18.00 Uhr und Mitternacht, der kann vielleicht Erstaunliches erleben. Junge Menschen sind fröhlich und aufgeweckt und laden ein für ein paar Minuten in eine Kirche zu kommen, um eine außergewöhnliche – vielleicht auch schöne – Atmosphäre zu erleben.

Es geht um „Nightfever“ – nicht den Discofilm „Saturday Nightfever“ aus den späten Siebzigern mit John Travolta in der Hauptrolle, sondern es geht um ein Event ganz eigener Art. Seit fast zehn Jahren sind nämlich junge Menschen von der Idee entflammt, einer Idee, die sich ausgebreitet hat von Deutschland nach Brasilien, USA und Kanada bis nach Australien. Samstagsabends treffen sich junge Menschen verschiedener Ausbildungs- und Studienrichtungen um Nightfever in einer Kirche zu feiern.

Musik I

Nightfever ist direkt nach dem Kölner Weltjugendtag 2005 in Bonn entstanden. Vor zehn Jahren verwandelte ein wunderbarer Sommer aus Tänzen, Gebeten und Gesängen in den Bahnhöfen, auf den Straßen und Plätzen nicht nur die Stadt Köln als Gastgeber in ein einziges Festival, sondern viele Städte Deutschlands! Brasilianisches und italienisches Temperament, philippinische, portugiesische, polnische, französische ... ausgelassene Jugendliche aus allen Nationen kamen voller Freude hierher, um ihren Glauben gemeinsam zu feiern! Der Funke sprang auch auf die Stadtbewohner über. Selbst die Polizei war überrascht, wie viel Friede, durch diese vielen jungen Menschen in die Stadt gebracht wurde: keine Tumulte, sondern Zuvorkommenheit, Rücksicht und freundliches Lächeln. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, ich war damals noch Student der Theologie: Vor lauter Andrang musste der Kölner Hauptbahnhof gesperrt werden. Geduldig ertrugen die Jugendlichen das Vorgehen der Polizei und verwandelten den Bahnhofsvorplatz in ein riesiges Tanzpacket: Begeistertes Trommel, ein Tanz-Konzert für den Glauben an die Frohe Botschaft, dass der christlicher Gott jeden einzelnen Menschen liebt, jeder ein liebevoller Gedanke Gottes ist, Christus für alle Menschen in die Welt gekommen ist, um ihnen diese Liebe zu bringen. Welch’ frohe Botschaft von dem Gott der durch seinen Tod am Kreuz den Tod besiegt hat und neues, ewiges Leben schenkt. Immer wieder hörte ich ein von den jungen Leuten in den Straßen und Kirchen gesunges Lied: „Jesus Christ you are my life, alleluja alleluja“, „Jesus Christus, du bist mein Leben, Halleluja, Halleluja.“

Musik II: LIED: Jesus Christ, you are my life.

Während der Tage des Weltjugendtages waren neben Köln auch Bonn und Düsseldorf Tag und Nacht voller junger Menschen, die sangen und beteten. Die Kirchen waren auch noch nach Mitternacht gut gefüllt und man konnte den jungen Geist der Kirche spüren und sehen. Doch nach diesem Megaereignis schien alles wieder wie früher: Die jungen Menschen waren wieder zu Hause und damit blieben die Kirchen nachts geschlossen und leer. Damals hatten eine Mitstudentin und ich die Idee unter dem Titel „Nightfever“ eine Initiative ins Leben zu rufen: Diese guten Erfahrungen, dieses Feuer des Weltjugendtages sollte weiter brennen.

Die Idee, die hinter Nightfever steckt, ist ganz einfach: Junge Christen öffnen Kirchen zu einer Zeit, zu der sie sonst verschlossen sind. Die Nightfever-Abende beginnen mit einer Heiligen Messe. Danach folgen Gebete, Gesang und Gespräche. Dazu stehen Priester bereit, um einen persönlichen Segen oder sogar das Sakrament der Versöhnung zu spenden. Außerdem wird in der Gestalt des Brotes Christus verehrt. Verschiedene Musikgruppen spielen ruhige Livemusik, die den Besuchern helfen soll ins Gebet zu kommen. Die Kirchentüren stehen – und das ist sehr wichtig – allen offen: Jeder ist eingeladen und kann kommen und gehen, wie er möchte. Ich selber bin bis heute überrascht, wie groß die Resonanz auf diese Idee ist.

Musik III

Während der Nightfever-Aktion gehen außerdem einige junge Menschen direkt auf die Straßen und Plätze vor den Kirchen der jeweiligen Stadt und laden Passanten mit einer Kerze ein, in die Kirche zu kommen. Fremde Menschen anzusprechen und dann auch noch in die Kirche einzuladen: Dazu gehört schon eine gewisse Portion Mut. Das war für mich beim ersten Mal nicht anders. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, die der Apostel Paulus im zweiten Korintherbrief beschreibt: „Die Liebe Christi drängt uns!“ (2 Kor 5,14). Sie drängt mich, die Erfahrung der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit weiterzutragen. Und ich glaube, genau das ist es auch nicht nur für mich, sondern für die vielen jungen Menschen bei Nightfever: Sich ermutigt und berufen zu fühlen, die frohe Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Das ist heutzutage gart nicht einfach: Mit fremden Menschen über den Glauben an Gott ins Gespräch zu kommen, denn Glaube wird in der heutigen Gesellschaft oft als Privatsache angesehen. Die Tatsache über Gott zu sprechen – so ist es jedenfalls meine Erfahrung in der Pastoral – führt nicht selten zur Ausgrenzung, Vorurteilen oder Ablehnung. Gerade Jugendliche, die an Gott glauben und dazu stehen, sind schnell in der Gefahr in ihrem Freundeskreis ein Außenseiter zu werden. Und doch lässt sich für mich am Beispiel von Nightfever eine andere Erfahrung festmachen: wenn ich ganz auf Gott vertraue, dann kann es mir trotzdem gelingen, Gottes lebensbejahende Botschaft weiterzugeben. Junge Menschen wurden einmal gefragt, warum sie sich für Nightfever engagieren. Eine Stimme steht stellvertretend für viele:

O-TON Hubert Gatzweiler:

Was mir immer besonders gut gefällt und wo ich auch am meisten Freude dran habe ist, wenn ich Leute einladen kann, in die Kirche zu kommen. Das, was uns auch Papst Franziskus sagt: Auf die Menschen zugehen und sie ansprechen und sie dort abholen, wo sie sind. Nämlich draußen auf der Domplatte, bei dem was sie tun, weiß nicht, keine Ahnung, die wollen vielleicht gerade in die Kneipe gehen oder ins Restaurant. Und sie dann einfach anzusprechen und zu sagen: „Hey, da in der Kirche, da ist Jesus, der wartet auf Dich, willst du nicht mal kurz hallo sagen?“ Und ich durfte schon oft erleben, wie dann Leute rauskamen und sich bei mir bedankt haben, dass ich sie eingeladen habe, dass sie da in die Kirche gehen konnten und irgendwas da in der Kirche erfahren haben. Ich kann das nicht erklären, was das ist, ich weiß es nicht, aber irgendwie ist es eine Freude, die diese Menschen erfahren, mit der die auch wieder rauskommen. Und das ist für mich immer sehr schön und beeindruckend, wenn man das so erleben darf, dass den Menschen, das, was wir in der Kirche anbieten, Freude geben kann.

Wir können nur das wirklich glaubhaft verkünden, was wir selbst empfangen haben, so die durchgängige Erfahrung der Jugendlichen. Bevor die Teams während der Nightfever-Abende auf die Straßen gehen, nehmen sie sich Zeit zum Gebet. So wie Jesus seine Jünger zu zweit ausgesendet hat, so sind auch bei Nightfever die Helferinnen und Helfer in Zweierteams unterwegs, um die Passanten einzuladen. Im Vertrauen darauf, dass es nicht sie alleine sind, die einladen, sondern dass der Heilige Geist ihnen die richtigen Worte gibt, trauen sich die jungen Menschen, Passanten anzusprechen.

Die Passanten sind am Samstagabend auf dem Weg ins Kino, ins Restaurant oder in den nächsten Club. Trotzdem nehmen viele die Einladung an, in die Kirche zu kommen – für ein paar Minuten oder sie bleiben überraschenderweise sogar die halbe Nacht. Oft ist diese Begegnung nach langer Zeit für viele Menschen wieder einmal ein Berührungspunkt mit Gott. Für manche sogar der erste Berührungspunkt, denn Nightfever gelingt es sogar Kirchenferne anzusprechen.

Musik IV

Wieder mit Gott in Berührung kommen: Vielleicht ist Nightfever ein ungewöhnlicher Weg, direkt über die Erfahrung der eigenen Glaubensfreude mit Menschen in Kontakt zu kommen. Aber es ist ein sehr einfacher, einladender und bewegender Weg – wie ich es seit zehn Jahren beobachten kann, in denen es diese Bewegung gibt. In den Kölner Dom kommen zum Beispiel jeden dritten Samstagabend im Monat zwischen 3.000 und 4.000 Menschen für ein kurzes Gebet. Viele sind sehr berührt, freuen sich über ein Gespräch mit einem der jungen Menschen oder mit einem der Priester, die offen auf die Fragen der Besucher eingehen. Manche kommen mit ihren Anliegen, beten für anstehende Prüfungen oder aus persönlichen Sorgen für sich und andere.

Inzwischen sind es unzählige junge Menschen, die diese Abende organisieren – übrigens ehrenamtlich und das nicht nur in Köln. Durch ihre Begeisterung haben viele junge Menschen in den letzten zehn Jahren Nightfever in 27 Nationen getragen. Über 2000 Abende konnten weltweit gefeiert werden. Mich freut diese Entwicklung, zeigt sie doch etwas von der Nachhaltigkeit des Weltjugendtages hier in Köln, von der Nachhaltigkeit des Glaubens und schließlich von der Nachhaltigkeit der vielen jungen Menschen – nicht nur hier in unserem Land.

Musik V

Die frohe Botschaft zu den Menschen zu bringen – ja das gelingt auch heute noch und es gelingt durch junge Menschen alle Generationen anzusprechen und ihnen eine Erfahrung mit Gott zu eröffnen!

Aus Bensberg grüßt sie Ihr Pfarrer Andreas Süß

Copyright Vorschaubild: rdesoras CCBY-SA 2.0 flickr

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