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Kirche in WDR 4 | 05.02.2014 | 08:55 Uhr

Die Hand zur Versöhnung ausstrecken

Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer,

heute vor genau zwei Monaten ist Nelson Mandela gestorben. Mit 95 Jahren in einem fast biblischen Alter. Die ganze Welt hat für einen Moment den Atem angehalten. Ein ganz Großer der Geschichte lebt nicht mehr. Nelson Mandela hat die Welt zum Guten hin verändert. Er überwindet die Apartheid und macht nicht nur aus Südafrika ein neues Land mit einer neuen, versöhnten Gesellschaftsordnung. Für viele ist er dadurch zu einem modernen Heiligen geworden.

Jesus hätte ihn zumindest seliggesprochen. Denn in der Bergpredigt preist er die Menschen selig, die Frieden stiften. Sie sollen Kinder Gottes heißen.

Ein Satz von Nelson Mandela hat mich besonders bewegt: „Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein.“ (1)

Das sagt einer, der 27 Jahre unschuldig im Gefängnis saß, verfolgt wegen seiner Hautfarbe und wegen seiner politischen Gesinnung. Einer, der allen Grund hätte, die zu hassen, die ihm das angetan haben. Aber stattdessen reicht er seinen Verfolgern und Gegnern die Hand zur Versöhnung. Und die lassen sich darauf ein. Und fangen neu miteinander an. Unglaublich. Ist das wirklich so einfach?

Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein. Hass hält uns gefangen in unseren Gedanken und in unserem Handeln. Ich denke an Menschen in meiner Nähe, denen schon früh in ihrem Leben Gewalt angetan wurde. Geschlagen und missbraucht lässt sie diese Erfahrung niemals mehr los. Manchmal reicht ein einziges, unbedachtes Wort, eine Berührung oder ein erinnerter Geruch, um die traumatische Erfahrung von damals gegenwärtig werden zu lassen.

Und da wundert es nicht, wenn auch Hass ins Spiel kommt. Hass auf den Täter oder die Täterin. Hass auf das eigene Leben, das ohne diese Erfahrung vielleicht anders, vielleicht besser verlaufen wäre. Eine verletzte Seele, die einen Menschen traurig zurück lässt. Einmal sagte ein Freund zu mir: „Wenn ich noch hassen kann, dann weiß ich, dass ich lebendig bin. Nicht eingeschlossen in meiner Traurigkeit und Verzweiflung. Der Hass auf das Vergangene hilft mir, den Augenblick zu überstehen. Weiter kann und will ich nicht denken.“

Ich weiß noch, dass ich ziemlich ratlos nach diesem Satz war. So gerne hätte ich widersprochen. So gerne hätte ich dem Hass und der gefangenen Seele etwas Versöhnliches und Heilendes sagen wollen. Aber es kam mir damals falsch vor. Heute weiß ich: Es war auch falsch, zu schweigen. Denn Hass kann auch zerstören. Ich kann in ihm gefangen bleiben. Er kann mich an meine Vergangenheit ketten. Der Blick zurück hält mich vom Leben hier und jetzt ab.

Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein.

Menschen wie Nelson Mandela haben es der Welt gezeigt: Versöhnung ist trotz aller Unterschiede möglich. Trotz aller schlimmen Erfahrungen in der eigenen Lebensgeschichte. Versöhnung ist möglich, auch mit Menschen, die mir übel mitgespielt haben. Wenn ich bereit werde, die geballte Faust zu öffnen und zur Versöhnung auszustrecken. Dann ist jedenfalls ein Anfang getan. Das ist oft ein langer Weg und nicht immer muss das heißen, dass ich mit den Peinigern persönlich das Gespräch suchen muss.

Wichtig ist: Nach vorne zu schauen und den Frieden für möglich zu halten. Innerlich einen Schritt zu gehen – und wenn es möglich ist – auch nach außen. Wer so den Hass überwindet, der kriegt den Kopf und das Herz frei für neue Erfahrungen. Der kommt neu in Kontakt mit dem Leben. Und manchmal auch mit dem Glauben. Denn wie hat Jesus so zutreffend gesagt: Selig sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes heißen. Es lohnt sich also, das heute mal auszuprobieren: Die geballte Faust zu öffnen und dem Wunder der Versöhnung die Hand hinzuhalten. Manchmal schaffen wir es dann, neu miteinander anzufangen. Viele Mut machende Erfahrungen wünscht Ihnen Pfarrer Sven Dreiser aus Lövenich-Erkelenz.

1 http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/nelson-mandela-nachruf

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