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Sonntagskirche | 27.08.2017 | 08:55 Uhr

Die Laute

Vor dem Lutherhaus hält ein Pferdefuhrwerk. Das Ganze sieht nach einem kleinen Umzug aus. Federbetten sind unter Truhen, Kisten und Kommoden gestapelt. Klappernd und scheppernd verteilen sich daneben Geschirr, Zinnkrüge und Holzlöffel. Über allem sitzt gleich einer Prinzessin Katharina von Bora. Musste sie vor Wochen noch auf einem Fluchtwagen in einem Heringsfass sitzen, so kommt sie heute als strahlende Ehefrau des Mannes, der Reformationsgeschichte schreibt. Verheiratet durch den Kollegen Bugenhagen sind sie schon. Nun also ihr offizieller Einzug.

In der Tür steht ihr Gatte, Doktor Martin Luther. Sonst zuversichtlich und souverän, wirkt er heute ein wenig verunsichert. Denn was kommt da jetzt alles auf ihn und sein Haus zu?

Nun muss man wissen: Luthers Wohnstätte hat eine lange Tradition. Früher war es ein Kloster. Da hatte Luther schon selber drin gewohnt. Damals noch als Mönch. Dann kamen die Umbruchszeiten. Die Mönche suchten sich andere Aufgaben – zum Schluss war das Kloster leer, und der großherzige Landesvater schenkte es seinem Vorzeigeprofessor als Wohnhaus. Bisher also hatte Martin Luther allein hier gelebt. Viel Platz hatte er in den vielen Zellen nicht belegt.

Nun aber der Umzugswagen von Katharina. Das sah beträchtlich nach Hausübernahme, gar Wohnungsbesetzung aus. Nicht, dass sich Luther über den Einzug seiner Käthe nicht freuen würde. Aber war denn der Rest ihres Hausrates wirklich nötig? Es war doch eigentlich alles schon da.

Katharina von Bora merkt seine Verstimmung. Sie steigt vom Fuhrwerk herab, öffnet im hinteren Teil eine Klappe und zieht unter einem bunt bestickten Schal eine Laute hervor. „Martin“, sagt sie und geht damit auf ihn zu, „Wie gut dass wir im alten Kloster so viel Platz haben, da werden wir für uns und die Kinder leicht auch ein Musikzimmer einrichten können.“ Und dann drückt sie ihrem Mann das Musikinstrument in die Hand. Damit hat sie ihn gewonnen. Denn man muss wissen: Musik hat ihm immer schon an guten Tagen, aber eben auch in schlimmen Stunden geholfen. Zu Freunden hat er einmal gesagt: „Musik verjagt den Trübsinn, sie erquickt und befreit von schwerer Last.“ (1) Die beiden lassen den Wagen stehen und gehen als erstes mit dem Instrument in der Hand durchs Haus. Im oberen Stockwerk mit Blick auf Wittenberg erklären sie eine frühere Zelle offiziell zum Musikzimmer. Ein Zimmer voller Musik verbindet Menschen. So hat Luther in dieser Stube nicht nur das Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ verfasst. Sondern er hat sich dort auch von Musik trösten lassen, allein, mit Freunden oder seiner Familie, „weil“, so sagt er einmal: Musik “ein Geschenk Gottes und nicht der Menschen ist, (…) weil sie die Seele fröhlich macht, (…) weil sie den Teufel verjagt, (und) weil sie unschuldige Freude weckt. Denn es ist nichts in der Welt, das nicht ein Schall und Laut von sich gebe, durch welches der Geist wunderbarliche und große Geheimnisse anzeigt.“ Wenn also Luther einen Windhauch über Lautensaiten streichen hörte, dann fühlte er göttliche Harmonie. Vielleicht erleben ja auch Sie dieses Musikglück am heutigen Sonntag.

( 1 ) Martin Luther "Über die Musik", WA 30,II, 696.

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