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Kirche in WDR 2 | 18.01.2016 | 05:55 Uhr

Die Loreley

Wer mit dem Auto, noch schöner mit dem Zug von Köln über Bonn nach Mainz fährt, kommt genau daran vorbei: dem Felsen der Loreley im Weltkulturerbe Mittelrhein. Tja, die Loreley. Sie muss wunderschön gewesen sein, als sie dort auf dem Felsen saß, sang und dabei ihr langes, güldenes Haar kämmte. Scharenweise hat sie die Rheinschiffer so in den Bann gezogen, dass diese nicht mehr auf die Strömung achten konnten. So zerschellten ihre Schiffe zu Hauf am Felsenriff.

Heute weiß auch der geneigte Rheinromantiker: Die Geschichte von der schönen Dame an der Loreley ist eine Legende. Aber Legenden haben immer einen wahren Kern. Und der wahre Kern der Loreley, das sind die gesunkenen Schiffe und die Felsen im Wasser. Die kann man noch immer bei jeder Vorbeifahrt gut erkennen. Und der wahre Kern ist auch, dass der Mensch halt immer Ausflüchte sucht: „Nein, nicht ich, der Kapitän, habe mein Schiff auf Grund gesetzt. Nein, schaut her: Schuld trägt eine höhere Gewalt, nämlich diese so schöne, geheimnisvolle und doch heimtückische Frau!“

Seit Kindertagen hat mich diese Geschichte von der Loreley fasziniert. Heute aber ist sie für mich ein Lehrstück, es anders zu machen: Ich wünsche mir den Mut, zu eigenem Versagen zu stehen. Und ich wünsche mir Menschen, die vergeben können. Das ist Voraussetzung für diesen Mut –Ich habe dabei das Wort von Jesus im Ohr: „Vergebt einander, so wird auch euch vergeben“ (Lukas Kap. 6, Vers 37). Vergebung erfahren und selbst vergeben können. Das gehört zusammen und das ist lebenswichtig. Denn niemand ist perfekt.

Leider ist Vergebung heute an vielen Orten unserer Welt ein Fremdwort: In der großen Politik, wo viele anscheinend nur darauf warten, die Schwäche des anderen für sich selbst zu nutzen. Keiner sollte es dort wagen, Fehler einzugestehen. Doch ich erlebe es auch in der kleinen Politik: in der Familie, im Beruf, unter Menschen, die mir persönlich nahe sind –

und da nehme ich mich selbst gar nicht aus.

Vergebung kommt in den Lehrplänen unserer Leistungsgesellschaft nicht vor. Sei stark, heißt es dort, sei mutig und vor allem erfolgreich. Wer um Vergebung bittet, wer auf Vergebung angewiesen ist, der wirkt wie ein Schwächling.

Und dann ist das so: Wer keine Vergebung zu erwarten hat, dichtet im schönsten Fall Geschichten wie die von der Loreley: „Ich war’s nicht. Ich konnte nichts dafür.“ In den meisten Fällen aber wird der Mensch hartherzig und bösartig – und zwar zu sich selbst wie zu anderen.

Ich möchte meinen Kindern daher mehr Geschichten vom Vergeben erzählen. Davon, dass Menschen ihre Schwächen annehmen können. Dass sie sich trauen zuzugeben, wenn sie versagt haben. Und dass sie dabei erfahren: Davon gehe ich noch nicht unter. Sondern: Ich kann wachsen. Ich bin geliebt, obwohl ich nicht perfekt bin. Sogar dann, wenn Dinge aus dem Ruder laufen.

Schiffbruch kann jeder erleiden. Aber das Leben geht weiter. Frage ist nur, wie? Und dann ist die Erfahrung, mir wird vergeben und ich darf auch anderen vergeben, keine Legende, sondern eine wahre und tolle Geschichte vom Leben.

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