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Kirche in WDR 3 | 18.04.2018 | 07:50 Uhr

Die Patientenverfügung

Mein Umzug in den Ruhestand brachte viele Entdeckungen. In einer Schreibtisch-schublade schlummerte eine Broschüre, die ich unbewusst vor mir selbst versteckt hatte. Schon vor Jahren wollte ich mich mit ihr beschäftigen. Lange vor meinem Ru-hestand hatte ich mir ein Formular einer christlichen Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht besorgt, aber sie gleichzeitig unter den vielen Papieren im Schreibtisch entsorgt. Dabei wäre der Eintritt in das Rentenalter auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt gewesen, um sie ausgefüllt weg zu legen. Doch ich wollte sie übersehen.

Nun lag das Formular auf dem Tisch. Ich staunte über mich selbst, denn ganz so sorglos war ich nicht gewesen. Einige Abschnitte hatte ich bereits mit Bleistift ausgefüllt. Doch bis zur Endgültigkeit der Tinte war ich nicht vorgedrungen. Auch fehlten Datum und Unterschrift. Solch eine Patientenverfügung war wertlos. Was ich verfügen wollte, konnte jedem Radiergummi zum Opfer fallen. Ob irgendeiner irgendwann radieren wird, hatte ich nicht überlegt. Hauptsache, ich lebte noch. Mochten andere erkranken und sterben, ich fühlte mich sicher zu überleben. Damals verzichtete ich zu verfügen. Aber reicht es, gesund zu sein, um dem Tod die Stirn zu bieten? Ist das Alter nicht Anlass genug, darüber nach zu denken? Auf den romantisch verklärten Lebensabend folgt allzu schnell die Nacht.

Weil ich nicht sterben will, verteidige ich das Leben, so lange wie es geht. Was treibt mich in meinem Protest gegen den Tod um? Wir sind Protestleute gegen den Tod, hat einmal ein kluger Mensch behauptet. Als Protestierender wehrte ich mich, die Art und Weise meines Sterbens anzuordnen. Sobald ich unterschrieb, dass ich mich einmal in einem „unabwendbaren Sterbeprozess oder im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit befinde“, kapitulierte ich. Damit gab ich dem Tod alles in die Hand. Er hat mich gewonnen, und ich habe mich mit ihm abgefunden. Der Tod glaubt fest an mich, und jede Patientenverfügung bestätigt sein Glaubensbekenntnis. Ich will nicht sterben und mache mir vor, dass ich es nicht muss. Selbst die vollen Friedhöfe sind für mich kein Anlass, realistischer zu werden.

Inzwischen habe ich die Patientenverfügung ausgefüllt und unterschrieben. Ich habe sie mit meinem Hausarzt besprochen, so dass er weiß, wie ich in der Todesstunde zu behandeln bin. Mein Neffe, der einmal die Betreuung übernehmen wird, hat sie bestätigt. Letztlich bin ich froh, sie in meinem Schreibtisch wieder entdeckt zu haben. Dass ich sie ausgefüllt habe, hat mich weder depressiv noch lebensuntüchtig gemacht. Im Gegenteil, manchmal meine ich jetzt ruhiger und gelassener zu leben.

Gelassenheit wünscht Ihnen Ihr Albert Damblon aus Mönchengladbach

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