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Kirche in WDR 2 | 10.09.2015 | 05:55 Uhr

Die Schöpfung fühlen

Als Kind habe ich unheimlich gerne Blätter berührt. Wenn ich auf dem Bürgersteig an den Vorgärten vorbeiging, habe ich mit der Hand an den Hecken und Zäunen entlang gefühlt. Ich wusste natürlich, dass man das nicht tut, aber es hat einfach großen Spaß gemacht. Das kribbelte in der Handfläche. Manchmal hab ich im Vorübergehen ein Blatt abgezupft, daran gerochen und es je nach Konsistenz eingerollt oder gefaltet. Ich habe kleine Blüten oder Früchte abgeribbelt und das Blatt langsam zwischen den Fingern zerrieben.

Das Schöne daran war, dass mein Weg nie langweilig wurde und ich immer wieder etwas Neues zu begreifen hatte. Und zwar „begreifen“ im wahrsten Sinne des Wortes: Mit jedem Blatt hatte ich mich an die Natur herangetastet und war ganz selbstverständlich angebunden an die Schöpfung.

Das fehlt mir heute manchmal. Wenn ich im Auto unterwegs bin, habe ich meist keinen Blick für die Umgebung. Alles geht so schnell, die Landschaft rauscht einfach vorbei. Im klimatisierten Büro merke ich gar nicht, wie das Wetter draußen ist, keine Brise frischt meine Gedanken auf. Und das Gemüse im Supermarkt wurde im Gewächshaus gezogen, das Obst unreif geerntet und beides rundum verpackt, damit es ja keiner berührt.

Die Erde, „unser Haus“, wie Papst Franziskus sagt, wird immer mehr zugebaut. Oft können wir die Schönheit der Natur kaum noch erleben. In seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ sagt Franziskus: „Es entspricht nicht dem Wesen der Bewohner dieses Planeten, immer mehr von Zement, Asphalt, Glas und Metall erdrückt und dem physischen Kontakt mit der Natur entzogen zu leben.“

Mir ist es nicht nur wichtig, die Natur zu schützen. Ich möchte sie auch anfassen und genießen dürfen – gerade jetzt im Spätsommer. Wenn ich in der Mittagspause spazieren gehe, ziehe ich meine Schuhe aus und laufe barfuß am Rhein entlang. Wenn ich im Garten arbeite, trage ich keine Handschuhe, damit ich was fühle. Unser eigenes Obst und Gemüse lasse ich mir auf der Zunge zergehen, weil es so lecker schmeckt. Und wenn mir beim Radfahren ein Zweig direkt vor der Nase baumelt, dann kann ich nicht anders: Ich greife danach und zupfe ein Blatt ab – so wie früher als Kind, und fühle die Schöpfung. Ich glaube, Gott hat nichts dagegen.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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