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Kirche in WDR 2 | 13.11.2015 | 05:55 Uhr

Die Welle

O-Ton: Erst mal dachte man, das ist einfach nur ne Rolle, aber das hat einen schon super reingezogen, so dass ich auch alle hier im Stück herum kommandiert habe.

O-Ton: Es ist auf jeden Fall schon mal was anderes, sich mal gegen eine ganze Gruppe zu stellen auf der Bühne.

Autor: Mitmachen oder sich dagegen stellen, darum ging es. Über zwanzig Jugendliche aus der Evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg am Niederrhein haben „die Welle“ einstudiert und als Theaterstück auf die Bühne gebracht. Die Geschichte: Mit einem Experiment will der Lehrer Ben Ross seiner Klasse zeigen, wie die Nazi-Diktatur entstehen konnte. Warum so viele mitmachten, welche Dynamik entsteht, wenn alle gleichgeschaltet werden, wie schwer es auf einmal ist, zu widersprechen.

O-Ton: Ich fand es schon ein bisschen schwierig am Anfang, zu zeigen, dass man dagegen ist, wenn alle andern dafür sind. Aber ich find’s persönlich auch wichtig, dass man immer zu sei-ner Meinung steht und dass man seine Meinung dann äußern kann.

Autor: Doch es gibt Zeiten, da fällt das schwer. „Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft, Stärke durch Aktion!“ Das sind die Schlachtrufe der Schüler in der Klasse von Ben Ross. Plötzlich gibt es Autorität, klare Regeln, ein Gruppengefühl, dem sich kaum einer entziehen kann. Mr. Ross erfindet einen Gruß und ein Symbol: die Welle. Ausweise und eine Uniform werden eingeführt. Die Jugendlichen merken, wie die einen verändert.

O-Ton: Sie hat uns einfach jegliche Persönlichkeit genommen und uns zu einer Einheit ohne Gesicht gemacht.

O-Ton: Das ist ja das, was das Stück ausdrücken soll, dass unter dieser Diktatur alle gleich werden und halt jeder so seine eigene Persönlichkeit verliert.

Autor: Nur Laurie fällt auf. Sie trägt weiter ihre eigenen Klamotten und widerspricht. In der Schülerzeitung schreibt sie einen kritischen Artikel und berichtet über zwei Vorfälle. Ein junger Schüler wurde bedroht, weil er der Welle nicht beitreten wollte, ein jüdischer Junge sogar zusammengeschlagen, weil er sich kritisch gegenüber der Bewegung geäußert hatte. Jetzt merkt Geschichtslehrer Ben Ross, dass ihm das Experiment entgleitet.

O-Ton: Man spürt, dass da so eine Energie hinter steckt und eben so eine Dynamik in dieser Gruppe. Ich denke, wenn da der richtige Mensch sich findet, der dann diese Gruppe anleitet, so wie das hier jetzt der Ross war, dann wird das auch auf jeden Fall funktionieren können.

Autor: Vielleicht auch heute? Morton Rheu schrieb den Roman „Die Welle“ 1981. Als die Jugendlichen in Schwanenberg vor einem Jahr mit den Proben begannen, ahnten sie noch nicht, in welche Zeit die Aufführungen fallen würden.

O-Ton: Mit den ganzen Flüchtlingen wird es natürlich noch immer etwas aktueller und man hört natürlich wesentlich mehr Stimmen, die irgendwas ausländerfeindliches oder so sagen.

O-Ton: Was man da so mitkriegt, auf Facebook zum Beispiel, dass da soviel Hass wirklich aufkommt, und wenn man dann halt dieses Stück betrachtet, das sieht sehr gefährlich aus momentan find ich. Dagegen zu halten, ist nicht einfach. Das erleben die Jugendlichen schon im Kleinen.

O-Ton: Wenn man sich zu den Leuten hält oder die unterstützt, die manchmal ausgeschlossen werden oder so, dass es dann schwierig ist, mit seiner Meinung alleine zu stehen. Dass man dafür ziemlich viel Selbstbewusstsein braucht.

Autor: Ob so etwas wie bei der „Welle“ noch einmal geschehen könnte, ist unter den Jugendlichen umstritten. Sie wissen aber auch, was es in solchen Zeiten braucht. Zum Beispiel einen,

O-Ton: …der wirklich dagegen spricht. Und seine Meinung äußert.

O-Ton: Einen, der wirklich noch weiß, was passiert, und einen, der sozusagen im Frühstadium wachrüttelt.

O-Ton: Wenn man dann merkt, dass so etwas aufkommt, eben so ein Hass, und sich da irgendwie eine Gruppe bildet, da würde ich dann vielleicht auch eher mal den Mund aufmachen und was dagegen sagen.

Autor: Alle fünf Vorstellungen in Schwanenberg waren ausverkauft. Wachgerüttelt haben die Jugendlichen ihr Publikum auf jeden Fall.

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