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Kirche in WDR 3 | 18.06.2014 | 07:50 Uhr

Die Windeln Jesu

Windel wechseln: Ich vermute fast keiner macht das gerne. Wenn Sie kleine Kinder haben oder hatten, wissen Sie, wovon ich spreche. Es ist eine Pflicht, oft eine lästige. Aber wer Kinder hat, der kommt nicht drum herum.

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Ich selbst habe keine Kinder - und ich habe auch noch nie ein Kind saubergemacht.

Ehrlich gesagt, empfinde ich das auch nicht als großen Verlust.

Und vielleicht ist das für die meisten Eltern einfach selbstverständlich, so etwas zu machen.

Aber ich finde: Gerade das Windeln wechseln spricht für die bewundernswerte Sorge von Eltern um ihre Kinder – eben deshalb, weil es etwas so intimes ist und natürlich – Verzeihung - eine dreckige Angelegenheit.

Windeln wechseln - an diesen unangenehmen, aber notwendigen Vorgang muss ich denken, wenn bei der diesjährigen Heiligtumsfahrt in Aachen die Windeln Jesu gezeigt werden,zehn Tage lang, vom kommenden Freitag an.

Die Windeln Jesu - das ein Stück Filzstoff - ungefärbt, dunkelbraun, aus Kamel- oder Ziegenhaar, knapp 70 cm breit und 90 cm lang, wohl aus einem größeren Gewand ausgeschnitten.

Bei der Heiligtumsfahrt wird es zusammengefaltet gezeigt, von einem schmalen gelben Seidenband zusammengehalten.

Die Winden Jesu!

Das ist wohl das befremdlichste Heiligtum, das alle sieben Jahre in Aachen gezeigt und verehrt wird.

Windeln Jesu!

Es ist nicht schwer, das Ganze lächerlich zu machen.

Da kommen Pilgerinnen und Pilger aus aller Herren Länder nach Aachen, um daran zu erinnern, das Jesus, wie alle Kinder, in die Hose gemacht hat!

Und deshalb steckt eine tiefe Wahrheit über unseren Gott in diesem dreckigen Zeichen.

Das erste Kleid Jesu ist nichts anderes, als was alle Kinder tragen, was alle Kinder brauchen: Windeln!

Gott wird Mensch - und zwar in all seiner Bedürftigkeit, in all seiner Banalität.

In der Geschichte von der Geburt Jesu erwähnt der Evangelist Lukas gleich zwei Mal die Windeln.

Maria, so heißt es in der Weihnachtsgeschichte, brachte ihren Sohn, den Erstgeborenen, zur Welt. „Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lk 2,7).

Und den Hirten auf dem Feld verkündet ein Engel die Geburt Jesu und fordert sie auf, das neugeborene Kind zu besuchen: „Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12).

Die Windeln Jesu - ein Zeichen!

Ein Zeichen dafür, dass Gott Mensch wird. Wirklich Mensch! Von Anfang an!

Vom Schrei des Neugeborenen in der Krippe bis zum Schrei des Sterbenden am Kreuz.

Nichts Menschliches ist Gott fremd.

Er weiß, was es bedeutet, Mensch zu sein,

abhängig zu sein, bedürftig, ausgeliefert, wehrlos!

Schon am Anfang ist er der heruntergekommene Gott.

Er kennt die ganze Bandbreite unserer Gedanken und Gefühle,

weiß, wie alltäglich unser Leben oft ist, und wie manchmal erschreckend banal.

Dafür stehen die Windeln Jesu!

Und wenn man so will, ist das Windeln Wechseln, das Maria gemacht hat, der erste Gottes-Dienst. Ihre Sorge um diesen schutzlosen Menschensohn ist eigentlich etwas völlig Alltägliches. Aber gerade darin lässt Gott sich finden.

Kommen Sie gut in diesen Tag, mit all seinen Alltäglichkeiten, das wünscht Ihnen Pfarrer Peter Dückers aus Aachen.

(Copyright Vorschaubild: wikipedia)

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