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Kirche in WDR 4 | 29.12.2015 | 08:55 Uhr

Die Zwischen-Zeit

Guten Morgen!

Zwischen den Jahren, so werden landläufig diese Tage nach Weihnachten und vor Silvester genannt. Dabei gibt es eigentlich kein zwischen den Jahren – entweder altes oder neues Jahr, entweder 2015 oder 2016. Die Zeitrechnung kennt kein „Zwischen“. Und doch empfinden viele Menschen ein „dazwischen“: Das alte Jahr ist mit dem Weihnachtsfest praktisch abgeschlossen und das neue hat noch nicht begonnen. Es entsteht ein gefühlter Zwischenraum, der für mich wie ein Bonus-Track auf einer CD ist, also ein Plus an Zeit.

Und ich freue mich einfach, dass ich dieses gefühlte Mehr an Zeit habe. Ich empfinde sie als geschenkte Zeit, die mich einlädt, inne zu halten.

So, wie viele Firmen in diesen Tagen Inventur machen, also eine Bestandsaufnahme dessen was da ist, so mache auch ich eine Art Lebens-Inventur: Das Erreichte wird errechnet, Fehlbeträge festgestellt, der aktuelle Stand des Unternehmens, also meines Lebens wahrgenommen. Zwischen den Jahren schaue ich zurück auf die letzten zwölf Monate. Was hat sich da entwickelt und verändert? Wie bin ich in das Jahr 2015 hinein gegangen, wie gehe ich hinaus? Welche Menschen sind neu in mein Leben getreten und von welchen musste ich mich verabschieden.

In meiner Pfarrei zum Beispiel wird auch eine Statistik gemacht: Wie viele Taufen, Kommunionkinder, Hochzeiten, Beerdigungen, Kirchenaus- und -wiedereintritte gab es da? Hinter jeder Zahl stehen allerdings konkrete Menschen mit ihren besonderen Lebenssituationen. Die Begegnungen mit ihnen wirken immer noch nach. Es geht um Wahrnehmung von Entwicklungen, Festhalten von außerordentlichen Ereignissen und einem Resümee: Wer und was ist mir da alles begegnet.

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich so gesehen sehr wichtig. Und solche Zwischenzeiten, die sollte es öfter geben, denn sie geben die Möglichkeit, Vergangenes gut abzuschließen und Neues bewusst zu beginnen. Manche Menschen nehmen sich sehr bewusst solche Zwischenzeiten auch unabhängig vom Kalenderjahr: Dann zählen Anlässe, bedeutsame Einschnitte im Leben. Bei beruflichen Veränderungen tut es zum Beispiel gut, einen zeitlichen Puffer zwischen alter und neuer Stelle zu haben. Oder wenn eine Krankheit das Leben verändert wird oft eine Reha verschrieben. Was ist das anders als eine Zwischenzeit zur Neubesinnung. Welche Botschaft liegt in der Krankheit für mich? Wie lerne ich mit der Krankheit zu leben?

Zwischenzeiten sind wichtig. Zeit, um sich zu Sammeln, zur Inventur, zum Umdenken und – das stelle ich immer wieder fest – auch um Gottes Spuren im gelebten Leben aufzuspüren. Gott zeigt sich manchmal genau in diesem Zwischen. Echte Gottsucher lernen zwischen den Zeilen des Lebens zu lesen und entdecken nicht selten Spuren des Heils.

Ich selbst versuche über die Zeit zwischen den Jahren hinaus, mir immer wieder mal Zeit zu reservieren, in der ich aus dem ständigen Fluss heraus trete, um zu mir zu finden und um den Menschen, die mich umgeben, nachzudenken. Es hilft, das eigene Leben zu vertiefen – und das nicht nur in der Zeit zwischen den Jahren.

Pfarrer Dietmar Röttger aus Hüsten.

Bildrechte: CCO Pixabay

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