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Das Geistliche Wort | 05.01.2014 | 08:40 Uhr

Draußen zu Hause! Wenn Gott zur Welt kommt ...

Guten Morgen liebe Hörer und Hörerinnen!

Monat für Monat höre ich ihre Stimme auf dem Domplatz in Münster rufen: „Die neue ‚draußen!’“ „Die neue ‚draußen!’“. Die Frau steht zwischen den bunten Marktständen mit Obst und Gemüse und preist ihr Produkt an. „Draußen!“ ist das Straßenmagazin für Münster und das Münsterland und die Frau zählt zu den Arbeits- und Wohnungslosen, die es auch in Münster gibt. Hinter dem Verkaufsangebot steht ein gemeinnütziger Verein; der will durch seine Arbeit und die Produktion des Magazins genau diesen Menschen helfen: den arbeits- und wohnungslosen Menschen soll so eine Einnahmequelle gegeben werden. Das Magazin berichtet über aktuelle politische und sozialkritische Themen. Da geht es vor allem um das Schicksal der Menschen, die draußen sind, ausgegrenzt und isoliert, die eben keine Lobby haben und die sonst nicht zu Wort kommen.

Mich irritiert und beeindruckt zugleich dieser Titel des Magazins: es genügt ein Wort, um zu sagen, was viele Menschen in unserem Land betrifft, was sie erleiden!

Wenn ich darüber nachdenke, dann gehen mir viele Beispiele durch den Kopf:

Denn: Draußen zu sein ist eine Wirklichkeit, die ja nicht nur die Welt der Arbeits- und Wohnungslosen beschreibt, die Monat für Monat das Magazin anbieten.

- Draußen – sind auch Menschen im Strafvollzug, die gar keinen Außenkontakt mehr haben und deren Familien sich oft von ihnen abgewandt haben, weil sie selbst mit der Situation überfordert sind;

- Draußen – stehen Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, die sich prostituieren.

- Draußen – erfahren sich psychisch kranke Menschen, weil sie oftmals hinter den alltäglichen Anforderungen des Lebens zurückbleiben und dabei den Anschluss an ihr soziales Umfeld verlieren.

- Draußen zu sein geschieht sogar innerhalb des familiären Umfeldes, wenn Väter oder Mütter nach der Trennung von ihrem Partner keinen rechten Kontakt mehr zu ihren eigenen Kindern finden.

- Draußen waren sicherlich auch viele an diesem zurückliegenden Weihnachtsfest, weil sie unfreiwillig allein waren, vergessen und ausgegrenzt.

Musik I

Draußen sein meint nicht bloß in der Natur zu sein; draußen sein ist für viele Menschen eine soziale Realität. Sie sind isoliert, ausgegrenzt, und das haben sie in den seltensten Fällen selbst verschuldet.

Freiwillig nach draußen – und das bei Wind und Wetter – gehen in diesen Tagen die Sternsinger. Sie bringen die Botschaft von einem Gott zu den Menschen, der sich nicht zu schade war, draußen zu sein, ausgesetzt einer Fremde und einer Verständnislosigkeit. Das fing schon mit seiner Geburt an. Nicht in einer Herberge, sondern in einem Stall kommt er zur Welt. Später wird er einmal sagen: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Mt 8:20)

Das spricht eine andere Sprache als ein heimeliges Weihnachtsfest.

Ich weiß, Weihnachten feiern viele Menschen, und sicher mehr als es Christen gibt. Und ich vermute, dass Weihnachten überhaupt viele dieser Menschen auf eine ähnliche Weise anspricht. Denn hier werden sie besonders auf eine Sehnsucht angesprochen: Ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Wunsch angenommen zu werden, nach dem Geschenk von Zuneigung und Liebe. Leider bleibt diese Sehnsucht viel zu oft unerfüllt. Zu aufgeladen sind die Erwartungen gerade am Weihnachtsfest. Kurioserweise ist das Fest der Liebe gerade der Auslöser für Streit und Hass: die Enttäuschung über ein falsches Geschenk oder das falsche Wort zur falschen Zeit. Eigene Fehler und Schwächen und alte Konflikte brechen da wieder auf. So kann Weihnachten auch bedeuten draußen zu sein – weit weg von der Erfüllung eigener Sehnsüchte nach etwas mehr Heil und Frieden.

Ich denke aber, dass dieses Draußen-Sein wieder sehr viel mit dem eigentlichen Weihnachten zu tun hat: denn draußen ist der Ort, wo Gott Mensch wird. Er war so frei, draußen zu Hause zu sein.

„Draußen zu Hause!“ – womit sonst ein Ausrüster für Outdoorbekleidung wirbt, das könnte auch als Slogan für Jesus gelten; quasi als der Menschwerdungsauftrag Gottes.

Ja, Jesus war draußen zu Hause, bei all den ausgegrenzten Menschen; auch bei denen, die sich selbst ausgegrenzt haben durch ihre Laster und Konflikte. Mehr noch: Jesus war draußen außerhalb so einiger Normen, die soziales Leben in unheilvolle Schranken weisen konnten. Und damit stellt er vieles auf den Kopf.

Das löste schon bei König Herodes Sorge und Angst um eigenen Machtverlust aus. Für andere wie die Hirten und Sterndeuter war das ein Grund zur Hoffnung! Mit dem ersten Auftreten Jesu in der Welt an Weihnachten, drehten sich die Verhältnisse in der Welt um.

Und das sollte sich noch in seinem späteren Leben und Wirken weiter durchsetzen ...

Musik II

Mit Gottes Menschwerdung an Weihnachten kehren sich die Verhältnisse in der Welt um. Und das setzt sich im Leben Jesu dann weiter fort:

- Jesus heilt eine von jahrelanger Last gebeugte Frau. (vgl. Lk 13,10-17)

Ihre gebückte Existenz hinderte sie daran, auf Augenhöhe im Kontakt zu anderen Menschen zu stehen. Das schließt automatisch aus. Jesus, der sie im wahrsten Sinne des Wortes aufrichtet, gibt ihr durch diese Begegnung eine ganz neue Perspektive für ihr Leben. Jetzt findet sie wieder Anschluss.

- Jesus steht auf der Seite einer Ehebrecherin und nicht auf der Seite der Ankläger, die sie verurteilen, weil sie gegen das Gesetz verstoßen hat. Seine Aufforderung: Geh hin und sündige nicht mehr, heißt: du bist nicht mehr ausgegrenzt. (vgl. Joh 8,1-11) Jesus weiß um menschliche Schuld, er weiß aber auch um die Möglichkeit, dass Menschen umkehren und neu anfangen können. Er macht ernst mit der zweiten Chance und schließt damit ein – nicht aus.

- Jesus holt den verstorbenen Sohn einer Witwe ins Leben zurück. Der Verlust ihres einzigen Nachkommen bedeutete ihr Aus. Sie hatte jede soziale Absicherung und Grundlage verloren. Egal wie man sich Totenerweckungen vorstellt: Jesus holt damit die Witwe aus ihrem Abseits heraus.

Jesus, der Sohn Gottes, geht nach draußen, geht an den Rand der Gesellschaft und holt die Menschen dort ab, wo sie sind. Er hat ein Interesse am Menschen: Garantiert lebenslang und noch über den Tod hinaus ist seine Verheißung für die, die draußen stehen. Immer geht es ihm darum, Menschen zum Leben zurückzuführen, in die Gemeinschaft wieder aufzunehmen, sie zu resozialisieren. Dafür ist er zur Welt gekommen: „damit wir Menschen das Leben haben, und es in Fülle haben.“ (vgl. Joh 10,10) Das ist sein Angebot an uns.

Musik III

Leben in Fülle! Dieses Angebot Gottes an die Menschen ist zugleich aber auch sein Anspruch an diejenigen, die sich auf ihn berufen und ihm nachfolgen wollen. Was das heißt? Wer mit Jesus damals unterwegs war, hat das zu spüren bekommen; der musste sich nämlich darauf gefasst machen, dass es auch unbequem werden konnte: nicht beschaulich unter sich zu bleiben, sondern auch auf andere zuzugehen; nicht selbstzufrieden, sondern unruhig zu sein. Kein Wunder, dass ihn viele Jünger verlassen haben (vgl. Joh 6,66), denn wer die Menschen draußen abholen will, der muss auch bereit sein, nach draußen zu gehen. Das ist nicht immer leicht. Aber sein Anspruch gilt bis heute. Und auch seine Zusage, dass er mitgeht. So spannungsgeladen sich das anhören mag, darin liegt auch die Chance zu einer ungeahnten Freiheit. Der eigene Weg führt dann aus der Gewohnheit heraus und über manche soziale Schranke hinweg.

Für mich wird jedes Jahr an Weihnachten genau diese Spannung greifbar.

Was heißt das denn? Gott wird Mensch, Gott entäußert sich, wird wie ein Sklave und den Menschen gleich, wie es beim Apostel Paulus heißt (Phil 2,7). Gott geht nach draußen, wo Menschen sind, die am Rande stehen.

Das Fest, an dem Gott zur Welt kommt, stellt meine Welt darum immer wieder auf den Kopf. Und so fordert mich Weihnachten wirklich heraus. Ja, nach draußen; dorthin, wo Menschen Anschluss ans Leben suchen.

Ich habe mir für diese Woche daher zwei Dinge vorgenommen: ...

Ich öffne den Sternsingern die Tür und lasse sie von draußen herein. Und ich lasse sie auch mit ihrem Anliegen an mich heran: denn sie sammeln Geld für Flüchtlingskinder in Malawi und weltweit, damit Kinder, die dort draußen am Rande stehen, eine Zukunft haben.

Und wenn ich morgen nach meinen Weihnachtsferien wieder zur Arbeit gehe, werde ich einen Schlenker über den Domplatz machen zu der Frau, die das Straßenmagazin anbietet. Und kaufe bei ihr die neue draußen!

Was ich jetzt schon weiß: ich gehe beschenkter von ihr weg als ich gekommen bin.

Denn es ist gut, auch draußen bei ihr zu sein.

Musik IV

Die Erfahrung, draußen zu hause sein zu können, weil Gott draußen zu hause ist, wünscht Ihnen Graciela Sonntag aus Münster.

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