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Das Geistliche Wort | 11.06.2017 | 08:35 Uhr

„Drei in Eins“

Guten Morgen!

„Wer bist Du?“ – Das fragte mich vor einigen Wochen ein Kind in einer Kindertageseinrichtungen meiner Pfarrei, wo ich Kaplan bin.

Eigentlich eine gute Frage: Wer bist Du? „Ich bin Andreas Möhlig“, habe ich geantwortet. Ich glaube zwar nicht, dass das Kind danach besser wusste, wer ich bin, aber offenbar reichte das dem Kind. Ich selber hätte mich mit dieser Antwort jedenfalls nicht zufrieden gegeben.

Wer bist du? – Wenn mich diese Frage wirklich interessiert, dann möchte ich doch mehr wissen als bloß den Namen. Natürlich: Mein Name begleitet mich durch mein ganzes Leben; und viele Menschen verbinden dann mit diesem Namen auch Geschichten mit mir.

Und wenn ich danach frage, wer ein anderer Mensch ist, dann interessiert mich doch, wie der andere lebt und was ihn so einzigartig macht.

Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, dass ich also so bin, wie ich bin, die sehe ich als Christ darin begründet, dass Gott mich geschaffen hat.

Ja mehr noch: Im ersten Buch der Bibel, dem Buch Genesis, heißt es sogar, dass Gott den Menschen als sein Abbild erschaffen hat (Gen 1,27). Jeder Mensch trägt also etwas von Gott in sich. Also, glaube ich, ist auch die Frage erlaubt: Wer bist Du – Gott?

MUSIK I: Instrumental

Wer ist Gott und wie ist er? – Diese Frage stellt sich in vielen Religionen.

Das Christentum hat auf diese Frage eine Antwort gegeben: Es gibt nur einen Gott. Damit steht das Christentum in der jüdischen Tradition. Und davon erzählt auch Jesus seinen Zeitgenossen: Neben diesem einen Gott gibt es keinen anderen.

Aber dann geht Jesus über die jüdische Tradition hinaus. Er spricht in der Autorität dieses Gottes und er sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30). Anders formuliert: Dieser eine Gott ist also Vater und er ist Sohn.

Doch dabei bleibt es nicht. Jesus spricht davon, dass die Menschen den Heiligen Geist empfangen sollen, Gottes Gabe (vgl. Joh 20,22). Und auch der Heilige Geist ist Gott selber, obwohl Jesus über diesen Geist sagt, dass er ein anderer ist als der Vater (Joh 14,16).

Doch diese Erfahrung machen schließlich die Christen von Anfang an: Gottes Kraft spricht aus diesem Geist. Er trägt die Menschen und bringt sie in Bewegung. Gott ist also Vater, er ist Sohn und er ist Geist. Ein Gott in drei Personen: „Dreifaltig“ nennt es das Christentum.

Übrigens: Evangelische und katholische Christen nennen den heutigen Sonntag: Trinitatis – Dreifaltigkeitssonntag. Und das geschieht bewusst eine Woche nach Pfingsten; wie eine Zusammenfassung der ganzen Heilsgeschichte: In Jesus wird Gott Mensch, stirbt am Kreuz, wird von Gott auferweckt und sendet den Heiligen Geist als ständigen Beistand.

Jedes Jahr rückt das Christentum diese zentrale Glaubensaussage auf die Frage, wer Gott ist, nochmals ins Bewusstsein.

Aber ich gebe zu, der Dreifaltigkeitssonntag ist ein schwieriges Fest. Wahrscheinlich, weil der Inhalt nicht leicht zu verstehen ist. Ein Freund sagte mir sogar mal: „Das ist doch ein Fest der Theologen.“ Und da hat er wohl nicht ganz Unrecht.

Als Theologe könnte ich jetzt ganz viele Erklärungen aus der Kirchengeschichte geben, was die Dreifaltigkeit sonst noch zu bedeuten hat. Aber eigentlich kann ich dazu nur stammeln.

Und da bin ich in guter Gesellschaft: Denn auch der Heilige Augustinus hat sich darüber den Kopf zerbrochen und der war ein sehr großer Theologe des 4./5. Jahrhunderts. Er fragte sich auch: Wie kann ich verstehen, dass es nur einen Gott gibt, der aber in drei Personen handelt? – als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist?

Eines Tages soll Augustinus am Strand spazieren gegangen sein. Und dabei hat er ein Kind entdeckt, das ein Loch in den Sand gebuddelt hat. Mit einer Muschel hat es versucht, das Meerwasser in diese Grube zu schöpfen. Immer und immer wieder lief das Kind zwischen Wasser und Grube hin und her und füllte das Loch mit Meerwasser.

„Was machst du da?“, fragte Augustinus das Kind. „Ich fülle das Meer in dieses Loch“, war die Antwort. „Das ist doch unmöglich. Du kannst doch das große Meer nicht in diese kleine Grube füllen. Das wird dir nie gelingen.“ Da schaute ihn das Kind an und sagte: „Und du willst das Geheimnis der Dreifaltigkeit erklären?“

MUSIK II: Instrumental

Ob und wie der Heilige Augustinus tatsächlich am Strand mit einem Kind gesprochen hat, ist für mich erstmal nebensächlich. Aber „Kindermund tut doch Wahrheit kund“, heißt es. Und so ist für mich das wichtig, was hinter dieser schlagfertigen Antwort des Kindes steckt. Ich darf über die Dreifaltigkeit auch erstmal sagen: „Das verstehe ich nicht. Das kann ich nicht erklären“ – Ja, wenn ich nur denke, dann stoße ich da an meine Grenzen.

Viele Theologen sind dennoch hingegangen und haben versucht, anschauliche Vergleiche für die Dreifaltigkeit zu finden:

-Der Heilige Patrick zum Beispiel soll im 5. Jahrhundert den Iren ein dreiblättriges Kleeblatt gezeigt haben: Drei Blätter und doch eine Pflanze.

-Ein anderer Theologe hat drei brennende Kerzen nebeneinander gehalten und aus den drei Flammen wurde plötzlich eine große.

-Und ein geschickter Steinmetz hat im 16. Jahrhundert am Paderborner Dom das sogenannte „Drei-Hasen-Fenster“ gemeißelt: Zu sehen sind drei Hasen und 3 Hasenohren – also eigentlich zu wenig für alle. Wenn man sich dann aber jeden Hasen einzeln anschaut, hat doch jeder seine zwei Ohren. Geschickt gemacht.

Aber spätestens da wird mir deutlich: Jeder Vergleich mit der Dreifaltigkeit hinkt. Gott ist nie ganz zu erklären, weder durch ein Kleeblatt, noch eine Kerze oder gar ein Fenster. Alle diese Vergleiche kommen irgendwann an ihre Grenzen. Dieser christliche Gott ist und bleibt irgendwie doch ein Geheimnis.

Musik III: Instrumental

Wie kompliziert ist doch das Christentum – zumindest wenn es um die Dreifaltigkeit geht. Aber ich glaube, so abstrakt, wie sie vielleicht aussieht, ist die Dreifaltigkeit gar nicht.

Noch einmal gefragt: Wer ist Gott? Thront er irgendwo im Himmel und schaut nur auf die Erde herunter? Das wäre für mich ein abstrakter, ein distanzierter Gott! Aber ein Gott der diese Welt und den Menschen erschaffen und gestaltet hat und sich dann nicht zurückzieht, sondern weiterhin da ist, das macht Gott für mich konkreter. Und dass dieser Gott in Jesus ein Mensch geworden ist, das machte Gott doch geradezu greifbar. Und dass ich immer wieder einen guten Geist in dieser Welt spüren kann, das macht diesen Gott für mich lebendig und präsent.

Auf eine Formel gebracht: Drei in Eins. Sie sind zwar unterschiedlich zu fassen, aber doch miteinander verbunden. Und das, was sie verbindet ist Gemeinschaft und Liebe.

Musik IV: Instrumental

Gott in drei Personen ist Gemeinschaft, Kommunikation und Liebe. Der Apostel Paulus hat genau diese Verbindung zwischen den drei Personen des einen Gottes auf den Punkt gebracht. Er beendet nämlich seinen Brief an die Gemeinde in Korinth:

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13)

Genau mit diesem Grußwort beginne ich viele Gottesdienste. Und dann – so meine Überzeugung – bin ich mit der Gemeinde zusammen mit hineingenommen in diese Liebe und Gemeinschaft. Denn dieser Gott ist nicht weit entfernt, sondern er ist mir ganz nah.Mir hilft die Vorstellung: Ich kann mit diesem dreifaltigen Gott ganz unterschiedlich in Kontakt treten, zu ihm beten:

Mal ist mir Gott, der Vater, näher – der mich erschaffen hat.Ein anderes Mal ist mir die Begegnung mit dem Sohn Jesus Christus wichtig, weil er mir menschlich so nahe ist.

Und wieder ein anderes Mal bete ich zu Gott, dem Heiligen Geist, weil er mich trägt und mich in Bewegung versetzt. So kann ich immer wieder sozusagen ein anderes Gesicht Gottes anschauen und bin trotzdem mit dem einen und selben Gott verbunden – auch wenn ich diesen einen und dreifaltigen Gott nie ganz erfassen werde. Aber ich will mich selber immer wieder auf die Spurensuche nach diesem Gott machen. Und vielleicht kann ich ihn dann auch immer wieder in meinem Leben erfahren: mal als Vater, mal als Sohn und mal als Geist.

Musik V: Instrumental

Es grüßt Sie aus Würselen, Kaplan Andreas Möhlig.

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