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Das Geistliche Wort | 27.05.2018 | 08:35 Uhr

Dreifaltigkeitssonntag

Liebe Hörerinnen und Hörer, guten Morgen!

Ich kenne Sie nicht. Wie auch? Es sind zigtausende, die sonntagmorgens WDR 5 hören. Manche von Ihnen treffe ich gerade mit meinen Worten beim Frühstück: Guten Appetit! Andere sind vielleicht noch im Bad beschäftigt. Bitte entschuldigen Sie die Störung! Wieder andere sind im Auto unterwegs: Gute und sichere Ankunft!

Wichtig aber: Jede und jeder von Ihnen ist nicht nur in einer anderen Situation, sondern vor allem eine unverwechselbare Person mit ganz eigenen Interessen, Charakterzügen, Neigungen und Haltungen.

So unterschiedlich also die Persönlichkeitsprofile und die Lebenssituationen auch sind, ich behaupte: Wir haben doch vieles gemeinsam. So verbindet uns über das Radio hinaus besonders die Sehnsucht nach Freundschaft. Denn niemand von uns möchte wohl allein und einsam durchs Leben gehen. Es verbindet uns auch die Sehnsucht nach Freiheit. Denn niemand möchte gegängelt werden und selbstbestimmt leben. Und dann gibt es noch die Sehnsucht nach Freude. Gibt es etwa jemanden unter uns, der nicht froh sein möchte?

Musik I

Ich halte noch einmal fest: Menschen verbindet die Sehnsucht nach Freundschaft, Freiheit und Freude. Warum das so ist? Als gläubiger Christ finde ich darauf eine Antwort in der Heiligen Schrift. Da heißt es gleich am Anfang bereits im Buch Genesis: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27). Ich verstehe das so: Wir Menschen sind also nicht irgendwie nur eine höhere Art von Tier, sondern tragen das Bild Gottes in uns, sind Ihm in gewisser Weise ähnlich, haben sozusagen göttliche Verwandtschaft.

Wer aber dieser Gott ist, mit dem wir Menschen von Beginn an verwandt sind nach biblischem Verständnis, das hat Jesus Christus gezeigt. Es heißt nämlich über Jesus: Als er sich im Jordan taufen ließ, erklang eine Stimme vom Himmel mit den Worten: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mk 1,11). An anderer Stelle der Bibel erwidert Jesus diese Liebeserklärung des Vaters: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ (Joh 3,34). Ja noch mehr, er bekennt, dass er mit dem Vater ganz eins ist: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. (Joh 14,9). Das einende Band zwischen Vater und Sohn ist die gemeinsame Liebe. Anders formuliert: In Gott ist Liebe Person: und das ist der Heilige Geist: das einende Band zwischen Vater und Sohn. Also ein Gott in drei Personen! Und die biblische Überzeugung ist: Genau diesen einen Gott in drei Personen, als Vater, Sohn und Heiliger Geist trägt der Mensch als Abbild Gottes in sich.

Für mich ist das das größte Geheimnis des christlichen Glaubens – nicht „geheim“, weil ich es nicht weitersagen dürfte, sondern weil es weit über menschliches Verstehen hinausreicht. Und genau dieses Geheimnis wird heute in der Katholischen Kirche gefeiert: das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit.

Musik II

Über das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit haben sich Theologen seit Jahrhunderten Gedanken gemacht – bis heute. Und es stellt sich auch bis heute die Frage: Was hat dieses Geheimnis mit mir und meinem Alltag zu tun? Hier erlaube ich mir eine Antwort: Es hat sehr viel mit menschlichem Leben und Alltag zu tun, denn durch den Dreifaltigen Gott können Menschen ihre tiefe Sehnsucht nach Freundschaft, Freiheit und Freude besser verstehen. Ja, noch mehr, dieser Dreifaltige Gott ist der Weg auf dem sie zur Erfüllung dieser Sehnsucht gelangen können.

Da wäre die Sehnsucht nach Freundschaft. So groß und mächtig sich manchmal das eigene Ich auch aufblähen mag, ich genüge mir einfach nicht selbst. Ich finde meine Erfüllung nicht in mir selbst. Ich bin auf ein Du hin angelegt. Daher sehne ich mich nach Menschen, die Ja zu mir sagen. Und zwar ohne Vorbehalt, und auch nicht deshalb, weil sie irgendeine Dienstleistung von mir haben wollen. Ich sehne mich nach Menschen, die „Ja“ zu mir sagen um meiner selbst willen, die mir zu verstehen geben: „Schön, dass du da bist!“ Zugleich sehne ich mich auch nach Menschen, zu denen ich umgekehrt in dieser Weise ohne Vorbehalt „Ja“ sagen kann: „Schön, dass du da bist“.

„Freund ist der, den du auch noch nachts um 3 Uhr anrufen kannst, und der dann ein offenes Ohr für dich hat“. Ich glaube, an dieser Definition von Freundschaft ist etwas dran. Für einen Freund bin ich bereit, mich zu geben, da zu sein. Und das Schöne ist: Bei dieser Freundschaft verliere ich nichts, sondern werde selbst bereichert und beschenkt.

Solch menschliche Freundschaft hat natürlich Grenzen. Aber es gibt eine vollkommene Form dieser Freundschaft. Und die findet sich nach christlichem Verständnis in der Freundschaft und Liebe in Gott und zwar zwischen Vater und Sohn im Heiligen Geist: Gott ist nämlich in die Welt gekommen, um uns Menschen an dieser Freundschaft teilzugeben und in die Lage zu versetzen, einander diese Freundschaft zu schenken. So sagt Jesus, der Sohn Gottes, im Evangelium: „Alle sollen Eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt.“ (Joh 17,2). Ich verstehe das so: Jesus will meine Sehnsucht nach Freundschaft zu anderen Menschen, aber auch mit Gott erfüllen.

Musik II

Neben der Freundschaft sehne ich mich auch nach Freiheit. Für mich wird Freiheit in verschiedenen Bereichen erfahrbar: Zum Beispiel in der freiheitlichen Demokratie. Hier ist das Wählen-Können zwischen Parteien und Personen meine Verwirklichung politischer Freiheit. Ebenso gehört zur Freiheit auch die freie Meinungsäußerung. Freiheit bedeutet aber noch mehr: Ich kann mich entscheiden, hierhin oder dorthin zu gehen, mir meinen Beruf zu wählen und meinen Neigungen zu folgen. Ich weiß natürlich, dass das nicht überall auf der Welt so ist. Und genau dort wird ja die Sehnsucht nach Freiheit besonders spürbar.

Freiheit kennt aber auch natürliche Grenzen! – Meine Freiheit darf zum Beispiel anderen nicht schaden. Freiheit kennt auch künstliche Grenzen: Da wo Menschen Zwang auf andere Menschen ausüben, sie verfolgen, unterdrücken ihnen Rechte absprechen, wie zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Die Sehnsucht nach Freiheit ist bis heute spürbar.

Sie wird für mich in einem besonderen Punkt sehr deutlich: Wenn Menschen einander ihre Liebe schenken, dann geht das nur aus freiem Entschluss: Ich sehne mich nach deiner Liebe und damit nach deiner Freiheit, mich zu lieben. Und umgekehrt kann ich einen anderen Menschen nur lieben, wenn ich dazu frei bin. Liebe und Zwang vertragen einander nicht. Hier wird deutlich: Freiheit dient der Liebe – ja sogar noch mehr: Freiheit erfüllt sich in der Liebe. Das gilt auch in meiner Beziehung zu Gott. Gott liebt den Menschen und möchte frei von ihm wiedergeliebt werden. Die Sehnsucht nach Freiheit zielt dabei letztlich auf die Sehnsucht nach Liebe.

Mir fällt dazu immer der Film „Titanic“ von 1998 ein. Er verbindet ja die Schiffskatastrophe mit einer etwas schnulzigen Liebesgeschichte. Rose und Jack, die Millionärstochter und der arme Schlucker, lernen sich kennen und lieben. Rose entscheidet sich aus freien Stücken, ihre Welt zu verlassen, um mit Jack ein neues Leben anzufangen. Ihr Traum endet im eiskalten Wasser des Atlantiks. Jack wird dies nicht überleben. Doch ihre freie Entscheidung füreinander ist für sie die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Liebe. Für beide ist es das größte Glück sich gefunden und füreinander entschieden zu haben. „Stark wie der Tod ist die Liebe“ (Hl 8,6) heißt es schon im Alten Testament. Die Sehnsucht nach Freiheit erfüllt sich in der Liebe, selbst um den Preis des Lebens. Die Film-Geschichte ist zwar erfunden, nicht aber das Motiv, das sie wiedergibt: Die Sehnsucht nach Freiheit findet ihre höchste Erfüllung in der frei geschenkten Liebe.

Musik III

Nach Freundschaft und Freiheit bleibt noch die Sehnsucht nach Freude. Zu meinen Aufgaben als Weihbischof gehört auch der Besuch von Kindergärten. Typisch, wenn ich mich schon vom Weiten einem Kindergarten nähere, höre ich das Lachen der Kinder, Weinen eigentlich weniger. Ich habe deshalb einmal eine Erzieherin gefragt: „Wird bei Ihnen eigentlich mehr gelacht oder mehr geweint?“ Sie schaute mich verständnislos an: „Selbstverständlich gelacht!“ Klar: Kinder sind fröhlich. Der tiefste Grund: Sie wissen sich angenommen, geschützt und geborgen. Und daraus erwächst Fröhlichkeit, ja Freude. Wenn dies alles wegfällt und Kinder schon in diesem Alter traurig sind, dann ist es wirklich schlimm. Dann zeigt sich: hier fehlen Annahme, Schutz und Geborgenheit. Sehnsucht nach Freude meint also nichts anderes, als die Sehnsucht nach diesen Voraussetzungen.

Für mich wird das sehr deutlich in einem Bericht aus dem Leben Jesu.

Jesus nahm einmal drei seiner Jünger mit sich auf den Berg Tabor: Petrus, Johannes und Jakobus. Und er zeigte sich ihnen, wie er einmal sein würde, in der „Verklärung“, wieder im Himmel. Es heißt da: Eine Stimme vom Himmel rief: „Das ist mein geliebter Sohn…“ (Mk 9,7). Petrus war ganz in Trance vor lauter Freude, als er das hörte und sah. Er wollte gleich an diesem Ort bleiben, nie mehr auf diese Freude verzichten. Offenbar hatte Petrus erfahren: Hier bin ich angenommen, geschützt und geborgen, denn es war ja nicht irgendwer, der da sprach, es war Gott – und der war ganz nah!

Freude pur, das ist der Zustand, wenn wir einmal angekommen sein werden. Wir kommen aus Gottes Hand und sind unterwegs zu Gottes Hand. Wir tragen die Sehnsucht nach Freude in unserem Herzen, die nichts anderes ist als die Sehnsucht nach Gott selbst. Ich verstehe das so: Freude ist da, wo Menschen sich in der Hand Gottes angenommen, geschützt und geborgen wissen. Freude ist bei den Menschen, die wissen: „Wenn mich hier nichts und niemand mehr hält, Gott hält mich immer noch. Er lässt mich niemals allein.“ Das ist eine Freude, die die Welt nicht geben, aber auch nicht nehmen kann. Es ist eine Freude, die ich aber immer mehr ersehne.

Musik IV

Sehnsucht nach Freundschaft, Freiheit und Freude. Ich erfahre sie hier und jetzt. Es sind Sehnsüchte, die der Dreifaltige Gott in meinem Leben – und ich bin überzeugt – in jedem Leben eines Menschen erfüllen möchte, der Dreifaltige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Er schütze, stärke und erfreue Sie heute und alle Tage!

Ihr

+Dominikus Schwaderlapp

Weihbischof in Köln

Musik V

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