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Kirche in WDR 2 | 23.11.2016 | 05:55 Uhr

Drüber gestiegen

Als er zusammenbrach war er alleine. Kein anderer Mensch war mit ihm in dieser kleinen unbemannten Filiale. Ein Geldautomat, ein Drucker für Kontoauszüge, ein Schreibpult und Werbung natürlich. Ein typischer Bankvorraum. Bis hierhin kam er, dann brach er zusammen. 82 Jahre alt. 20min lag er leblos auf dem Boden. Dann rief jemand den Notarzt. Im Krankenhaus starb er.

Die Überwachungskamera ergab: Mindestens vier Menschen hätten ihm zuvor helfen können. Bevor der fünfte schließlich – wie gesagt nach 20min. – den Notarzt alarmierte. Zuvor – so zeigt es die Kamera – steigen vier Mitbürger über den am Boden liegenden, sterbenden Mann hinweg. So geschehen Anfang Oktober in Essen.

Sie steigen über ihn hinweg. Das ist doch nicht zu fassen. Keiner hilft ihm. Keiner spricht ihn an. Alle erledigen ihre Geschäfte am Automaten. Mittlerweile ermittelt die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung. Zu Recht. Hilfe leisten ist keine Kür. Hilfe leisten ist Pflicht.

Im Paragraph 323 c Strafgesetzbuch (StGB) „Unterlassene Hilfeleistung“ steht geschrieben: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Ich bin evangelischer Pfarrer. Und kein besserer Mensch.

Ich kann verstehen, dass es vielleicht Angst macht jemanden unvorbereitet am Boden liegen zu sehen. Ich kann verstehen, wenn man denkt: nein! Nicht ich, nicht jetzt das auch noch! Ich kann mir vorstellen, so zu tun, als wäre nichts. Zumal in einer Großstadt im Ruhrgebiet, wo man am Bahnhof oder vor Geldautomaten öfter mal an jemandem vorbeigeht, der besoffen oder schlafend am Boden liegt. Experten sagen, wir würden uns daran gewöhnen.

Nur, was ist wichtig? Wirklich wichtig?

Ich glaube, dass jeder Mensch von Gott mit unverlierbarer Würde ausgestattet ist. Jeder und jede. Ich glaube, dass wir letztlich Geschöpfe Gottes sind. Wir haben uns nicht selbst gemacht. Ich glaube, dass in jedem Menschen der Glanz Gottes zu finden ist. Und dass uns das verbindet. Man kann nur über jemanden hinweg steigen, der hilflos am Boden liegt, wenn man über sich selbst hinweg steigt.

Wir leben nicht im Krieg. Gott sei Dank. Wir leben in einem Staat, der die Notwendigkeit von mitmenschlicher Hilfe konkret fasst. „Der da“ oder „die da“ ist immer auch: ein Mensch, Geschöpf Gottes, so wie ich.

Würdig. Und jeder Hilfe wert.

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