#
Aktuelles

Beiträge auf wdr3 

evangelisch

Kirche in WDR 3 | 05.06.2017 | 07:50 Uhr

Du gehst in die Kirche?

Frohe Pfingsten!

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der verändernden Kraft Gottes. Dieser Geist weht ja bekanntlich wo er will. Gerne auch in Kirchen, ist meine Erfahrung. Aber der Reihe nach. Auf dem Wochenmarkt des Dorfes, in dem ich mal Pfarrer war, versammeln sich fast alle: kaufen Brot und Wurst und kommentieren laut und schlagfertig die Dinge der Woche. Der neueste Klatsch wird getauscht, kleine Nettigkeiten und anderes auch.

„Oh geistlicher Besuch!“ ruft einer, als ich dazukomme: „Na, wenn wir nicht zu ihm kommen, kommt er halt zu uns“, witzelt ein anderer. Und ein dritter ruft mit gespielter Empörung „Moment! Ich war dies Jahr schon dreimal in der Kirche – und es ist erst März.“ „Wieso warst Du denn in der Kirche“, fragt da der erste, „hast Du Probleme?“ Das weist der andere weit von sich: „Quatsch. Ich war bei der Taufe von unserem kleinen Eric, dann das Konzert vom Gesangverein und die letztens goldene Konfirmation.“ „Ach so.“

Was für eine Vorstellung: Die Kirche eine Versammlung von Problembeladenen. In ihr die Schwachen und draußen die anderen? Hast du Probleme? Einfach ärgerlich!

Aber wie ich noch an der passenden Antwort bastele denke ich an die Frau, die neulich zur Kinderkirchenwoche auftauchte. Es ist Mittwochnachmittag. Kurz vor Beginn stelle ich die Glocken an. Und fast mit dem ersten Schlag steht sie in der Kirchentür: eine Frau mit dunkler Haut, Kopftuch und einem bunten Gewand. Wahrscheinlich ist sie aus dem Containerdorf drüben am Ortsausgang, denke ich. Erst denke ich sie will betteln. Dafür schäme ich mich heute noch. –Ich spreche ich sie an - auf Deutsch, auf Englisch und auf Französisch. Aber sie versteht mich nicht. Als ich die Glocken abstelle, steht sie immer noch am Eingang.

Jetzt hat sie die Schuhe ausgezogen, blickt zum Altar. Die Hände hält sie offen vor sich hin und stumm bewegt sie die Lippen. Nein, sie kommt nicht zum Betteln. Sie betet.

Sie ist eine Fremde, die es in dieses Land verschlug. Und nun steht sie hier auf der Schwelle dieser Dorfkirche.

In aller Armut und aller Heimatlosigkeit, findet sie hier einen Ort, an dem sie beten kann. Bei Gott und doch ganz in der Welt. Ein Ort an dem sie genauso sein darf, wie sie ist: auf der Flucht, heimatlos. Ein Ort, an dem sie sich an Gott wenden kann, der sie sieht, wie sie ist. Schon viele vor ihr schöpften hier Hoffnung, dass es nicht so bleiben muss wie es ist. Nicht sie selbst und die Welt nicht.

Wie die Frau dort steht, strahlt sie Würde und Schönheit aus. Und wie ich sie so beten sehe, bin ich fast stolz auf die Kirche, dieses Menschen- und Gotteshaus. Das Haus Gottes, der von sich sagt: „Hoch und heilig wohne ich und bei den Zerschlagenen und Bedrückten... um ihr Herz wieder aufleben zu lassen.“ (Jesaja 57,15)

Es stimmt, die Kirche ist ein Ort der Probleme. Gott sei Dank! Und sie ist ein Ort der Würde, Schönheit und Hoffnung, die Gott gibt. Und als die Kinder an der Betenden vorbei durch die Kirchentür gehen denke ich: Darüber, was es mit Gott und der Kirche auf sich hat, könnt ihr von dieser Frau genauso viel lernen wie von mir.

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen