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Kirche in WDR 5 | 11.03.2015 | 06:55 Uhr

„Du stillst mein Verlangen“

Guten Morgen !

Ich bin weder Vater noch Mutter. Und doch will ich es wagen, einmal anzusprechen, was ich aus Gesprächen mit Müttern und auch Vätern herausgehört habe. Ich meine das Stillen von Säuglingen. Ist die Mutter glücklich mit ihrem neu geborenen Kind, so ist das Stillen für Mutter und Kind ein inniges Erleben, das beide genießen können. Hat die Mutter aber mit ihrem Kind ein Problem, so kann das Stillen zur Last werden. Es kann sogar schief gehen. Und das kann auch Folgen für die weitere Entwicklung des Kindes haben. Und dann empfiehlt es sich, das Stillen auf tröstliche Weise aufzufangen. Denn das Stillen ist eine ursprüngliche und prägende Erfahrung zur Menschwerdung des Menschen.

Im Psalm 23 sagt ein Beter von Gott: „Er stillt mein Verlangen“ Und mir scheint sein Erleben nicht unähnlich jenem Vorgang des frühkindlichen Stillens durch die Mutter. Der Beter vergleicht sich hier zwar mit einem dürstenden Herdentier, das von sei-nem Hirten zur Wasserstelle geführt wird. Was aber könnte uns heutige Menschen davon abhalten, diesen Gott geradeheraus als stillende Mutter anzusprechen? Wie also der Hirt das Verlangen eines dürstenden Herdentiers stillt, wie die Mutter das Verlangen des Säuglings stillt, so stillt Gott das Verlangen des Beters.

Verlangen kann aber viele verschiedene Facetten haben. Es kann unermesslich und unangemessen sein. Es kann verführt werden und in die Irre gehen. Und es kann zur Sucht werden.

„Was brauchst Du wirklich?“ heißt die erlösende Frage, wenn liebe Mitmenschen im Schmollwinkel sitzen, weil sie mal n i c h t verwöhnt werden. Wenn Erwachsene mit ausgeprägtem Suchtverhalten ein ungestilltes Verlangen nach allem Möglichen mit sich herumtragen und nicht zur Ruhe kommen.

„ Was brauchst Du wirklich?“ Wenn ich mir diese Frage beantworte, dann finde ich hilfreich, dass es noch andere Übersetzungen jener Passage aus dem Psalm gibt, die hier vom Stillen meines Verlangens spricht. Diese Übersetzungen unter-scheiden sich auffallend stark und meinen doch alle dasselbe. So heißt es z.B.: „Er erquickt meine Seele“, oder „Er erneuert meine Lebendigkeit“.

Doch mir scheint: all diese verschiedenen Übersetzungen bringen zum Ausdruck, dass wir unsere Lebendigkeit nicht aus uns selbst haben. Sie kommt vielmehr wie ein Fluss aus einer Quelle, die nicht wir selbst sind. Und diese Quelle heißt Jahwe, der „Ich bin da“ oder wie ich den Gottesnamen gerne übersetze: „Wer auch immer da ist. Er stillt mein Verlangen“.

Im Beten bedeutet das Verlangen kein Luxusbedürfnis und keine Ersatzdroge. Der rote Faden vom frühkindlichen Stillen bis zum Greis dürfte einfach das Verlangen nach Leben sein, der Lebenshunger. So wie ich nach frischer Luft verlange, wenn ich zu ersticken drohe. So wie ich nach Wasser verlange und nicht nach Limonade, wenn ich zu verdursten drohe. So verlangt der Lebenshungrige einfach nach dem L e b e n aus der Quelle des Lebens. Und für den betenden Menschen ist das Gott.

„Stillen“ heißt „still machen“, was da schreit. Und „still machen“ heißt nicht: “ zum Verstummen bringen“. Es anerkennt, dass unsere Lebendigkeit da ist und sich ausdrücken will, und sei es denn im Schrei. Unsere Sehnsüchte und Wünsche, unser „Verlangen“ ist Ausdruck unserer Lebendigkeit und darf im Beten einen Platz haben. Es hat vor Gott einen Platz.

Dass Sie sich nicht von anderen einreden lassen, was sie wirklich brauchen, sondern es selbst herausfinden, das wünscht Ihnen heute Friedhelm Mensebach, Pfarrer aus Köln.

Copyright Vorschaubild: Sven Soda CCBY-SA 2.0 flickr

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