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Kirche in WDR 4 | 22.04.2015 | 08:55 Uhr

Durchbetete Bücher

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Neulich tauchten junge Leute bei mir auf. Sie hatten gerade die Wohnung ihrer Großmutter ausgeräumt. „Die Oma ist ins Altenheim gezogen. Sie konnte nur das Nötigste mitnehmen. Das Meiste mussten wir im Container entsorgen. Wer mag das viele Geschirr, die Deckchen und Figürchen? Aber Omas Herz hing daran.“ Dann packten sie eine Tasche aus. „Oma kämpfte um ihre alten Gebetbücher. Auf keinen Fall durften sie auf den Müll.“ Die Enkel holten schwarze, vergilbte Bücher aus der Tasche. Ich blätterte sie durch und las den Namen der Besitzerin: Maria Küppers. Mit geschwungener Schrift hatte sie ihn überall auf die erste Seite eingetragen. Ihr war es wichtig, den Besitz des Gebetbuches anzuzeigen. Buch und Besitzerin gehörten eng zusammen. „Herr Pastor, wir wollen den Wunsch von Oma erfüllen. Die Gebetbücher können nicht einfach in die blaue Papiertonne. Haben Sie eine Ver-wendung dafür?“ Die Frage hatte ich erwartet, weil sie mir ab und zu gestellt wird. Für das Gebetsleben der Großeltern haben Enkel keine Verwendung mehr. Ihnen erscheint nicht nur die Sprache der Bücher altertümlich, Beten macht für sie überhaupt kaum Sinn. Ich brachte sie in das Archiv der Pfarre, wo sich die alten Gebet-bücher stapeln. Sichtlich erleichtert verschwanden die jungen Leute. Mit Gebeten brauchten sie sich nicht mehr zu beschweren.

Wieder zu Hause entdecke ich in meinem Bücherschrank ein altes Gebetbuch, das ich zur Kinderkommunion geschenkt bekommen habe. Es steht dort sichtbar und griffbereit. Ich hole es heraus. In schwarzem Leder eingebunden und mit Goldrand verziert war es damals die teuerste Ausgabe. Selbstverständlich nahm ich es zu je-dem Gottesdienst mit. Kein einziges Mal habe ich es irgendwo liegen gelassen. Obwohl ich es über fünfzig Jahre nicht mehr gebraucht habe, ist es bis heute in meinem Blick. Auf der ersten Seite steht in Goldschrift: „Zur Erinnerung an meine erste hl.Kommunion Albert Damblon Aachen Weißen Sonntag 28.April 1957 gewidmet von Oma Hanquet“. Ja, ich erinnere mich. Alles sehe ich noch einmal vor mir. Die Feier in der Kirche mit dem alten Pfarrer, die Oma Hanquet, die das Buch mühsam erspart hatte, die Onkel und Tanten, die von weit her angereist waren, der blaue Kommunionanzug und die vielen Glückwunschkarten, die der Postbote gebracht hatte. Nur die Gebete, die ich als Zehnjähriger gebetet habe, fallen mir nicht mehr ein. Trotzdem werde ich mein Gebetbuch behalten und wieder in den Bücherschrank zurückstellen. Meine Kindheit finde ich darin wieder.

Im vergangenen Jahr erschien in der katholischen Kirche ein neues Gebetbuch, das „Gotteslob“. Das neue Gesangbuch der evangelischen Kirche ist schon seit Jahren auf dem Markt. Gebetbücher stehen nicht mehr auf den Bestsellerlisten. Sie haben ihre Kundschaft verloren. Dabei lese ich in ihnen Worte der Hoffnung. Der Tag beginnt anders, wenn ich morgens aus dem Gotteslob bete: „Segne mich, guter Gott, und alles, was ich heute in die Hand nehme. Segne meine Gedanken, damit ich heute gut über die Menschen denke.“

Albert Damblon aus Mönchengladbach wünscht Ihnen einen gesegneten Tag.

Copyright Vorschaubild: glasseyes view kleeblatt CCBY - SA 2.0 flickr

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